Mach mir den Ted Mosby!

Wenn ich gemein bin – und in Gedanken bin ich es häufiger, weil ich mich dann über mich und meinen Gedanken amüsiere – dann presse ich zufällige Geschichten so lange aus, bis alles Unnötige herausgequetscht ist und nur noch der Kern, also die Essenz dessen übrig bleibt. Als sich heute eine Folge von »How I Met Your Mother« auf meinem Fernseher verlief, war ich überrascht, das Folgen noch laufen können und sich nicht längst verrannt hatten bzw. Ted Mosbys Geschichte keinen Sinn mehr macht, nachdem er seine Traumfrau gefunden und glücklich am Ende der Serie lebte. Aber die Logik des Fernsehens folgt niemals meiner, daher – und ein wenig unter der Nachwirkung meiner Erinnerung über die Simulation von Romantik – folge ich meiner eigenen und verkürze die Geschichte des Ted Mosby zu einer eines erfolgreichen Frauenaufreißers (vielleicht gab es deshalb einen Barney Stinson, um das zu verdecken).

Zählt man über alle neun Staffeln und 208 Folgen seine Eroberungen (ich hab’s nicht getan), dann hat der sensible Ted mehrere Duzend Frauen vernascht, um es deutlicher zu sagen: flachgelegt, genauer: seriell flachgelegt (noch nie fand ich das Wort »seriell« passender als an dieser Stelle).
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The Walking Dead: Gefangen in Gedanken oder Ankommen im Hier

Die Grenzen unseres Denkens by Hakan Civelek

Während ich wie ein Hamster auf meinem Hometrainer auf der Stelle trat, irrten Untote ziellos auf meinen Bildschirm umher.

Ich schaute mir die Episode 4 der 6sten Staffel von »The Walking Dead« (Amazon Werbelink) an. Wenn auch diese Folge sehr wenig Action bot, gefiel sie mir wegen der Charakterstudie der Figur Morgan. Vor allem mochte ich an dieser Folge, wie Form und Inhalt sich ergänzten und Deutungsebenen schafften. Das Gefängnis in dieser Folge war viel mehr als nur eine Zelle. “The Walking Dead: Gefangen in Gedanken oder Ankommen im Hier” weiterlesen

Der Abschied und die Serien

Heute hatte ich einen heftigen Flirt mit einem widerspenstigen Busch. Mehrere kurze Kratzer auf der Nase. Jeweils ein Langer entlang meiner Geheimratsecken. Links und rechts auf meinen Wangen wieder kurze Striche. Und als kleines Highlight eine lange, durchgezogene rote Linie prominent über meiner linken Augenbraue. Es klingt fast so, als würde mein Gesicht in Form eines geheimen Morsecodes ein Hilferuf aussenden oder als hätte ich eine Katze gewaltsam aus meinem Gesicht gerissen.

Ich bin nicht mehr der Jüngste und muss aufpassen, wenn ich mit meinen Neffen und meiner Nichte spiele. Aber, mein aktuelles Gesichtsdesign passt von der Stimmung her besser zu meinem heutigen Text als ein Makelloses. Sie handelt vom Abschied von vertrauten Serien oder Sendungen und der Traurigkeit.

Merkwürdig, was mich traurig stimmte. “Der Abschied und die Serien” weiterlesen

The Big Bang Theory – Der Sex und die Anziehungskraft

Penny ist eine sehr attraktive Frau und dem hochintelligenten Nerd Leonard in dieser Hinsicht haushoch überlegen. Genau das ist ihm bewusst. Er versucht, durch Anbiederung und Nettigkeit das auszugleichen. Statt sich auf seine besonderen und individuellen Stärken zu besinnen, fängt er immer wieder an, sich ihr anzubiedern. Er will unbedingt gefallen und gemocht werden. Verkennt aber, dass er damit jene elementare Spannung nimmt, die für Anziehungskraft unentbehrlich und das Lebenselixier eines jeden Flirts ist. Er verhindert damit das Interesse an seiner Person, da er sich selbst aufgibt und für sein Gegenüber nicht erkennbar bleibt. Penny muss sich nicht mit ihm als eigenständige Person beschäftigen, sich mit Ungewissem plagen oder an sich selbst zweifeln. Nein, sie kann sich einfach zurücklehnen und sich langweilen.

Doch diesmal dreht er ungewollt den Spieß um.

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Breaking Bad – Vermisst

Breaking Bad S5

Walter White sitzt abends alleine an der Bushaltestelle, auf dem Weg zurück ins Krankenhaus. Er war vorher häufiger alleine unterwegs und keiner wusste, wo er war und was er machte. Seine Frau versetzte das immer in große Sorge, da sie sich dadurch aus seinem Leben ausgeschlossen fühlte.

Es kleben noch vereinzelt Regentropfen an den Scheiben des Bushäuschens. Er wirkt mit seinem gesenkten Haupt niedergeschlagen und traurig. Dann hebt er langsam seinen Kopf und sein Blick fällt auf ein Stück Papier rechts an der Innenseite der Scheibe. Der Zuschauer kann in Spiegelschrift die in großen, roten Lettern geschriebenen Buchstaben M I S S I N G lesen. Direkt darunter befindet sich ein schwarzweißes Foto mit einem lächelnden Mann. Es ist er.

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