Beraten vs. Verkaufen

Alfredo ist mein Klischee des italienischen Pizzabäckers: schwarz gelocktes Haar, laut und stark gestikulierend in hochgekrempelten Ärmeln. Vielleicht inszeniert er für uns eine Show, weil er denkt, dass wir dieses südländische Temperamente von ihm erwarten. Vielleicht sehen wir auch nur das, was wir sehen wollen oder können.

Er gesellt sich wieder zu uns an den Tisch. Small Talk in gebrochenem Deutsch. Kenne ich von meinen Eltern. Er fragt uns, was wir so machen, wie der Job bei unserem Kunden läuft. Während er uns unterhält, schaut er, wie uns sein Essen schmeckt, denn das zählt für ihn.

Ich bin dabei, mir ein Stück von der vorgeschnittenen Thunfisch-Pizza mit Peperoni in die Hand zu nehmen. Ich lasse mir nämlich die Pizza vorschneiden. Als ich Alfredo das erste Mal darum bat, schaute er mich entsetzt an, als hätte ich seine Pizza vergewaltigt oder sein Restaurant entweiht.

Für ihn sind wir Berater ohnehin merkwürdige Leute, von denen er nur weiß, dass wir teuer sind und schnelle Autos fahren, aber bis heute versteht er nicht (wie meine Eltern), was zum Teufel wir da machen. Beratung? Wer zahlt für Beratung!
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Flexible Arbeitszeiten mit der Brille eines Beraters

Ich eile durch den Morgen, um der Kälte zu entkommen. Seitdem ich intervallfaste fühlt sich der Morgen ein wenig kälter an.

Etwas Oranges dringt durch die Morgendämmerung: Zwei Männer in Warnwesten verteilen fast schon dantesk Flugblätter mit rotem Kopf am Eingang zur Firma meines Kunden.

Der Arbeitgeber wolle wieder zurück zur 40 Stunden Woche gehen, steht darin. Begründet werde dies mit dem Fachkräftemangel. Schuld daran, kontert die Gewerkschaft, sei das Unternehmen selbst, denn sie hätte zu wenig Menschen ausgebildet. „Flexible Arbeitszeiten mit der Brille eines Beraters“ weiterlesen

Wie man IT-Projekte zum Scheitern bringt: Kommunikation

Ändies Augenlider schossen weit auseinander. Er schaute mich irritiert an, als ich ihn darauf ansprach. Er wurde meinem Team zugewiesen und sollte uns fachlich in Mexiko unterstützen.

Zufällig im Vorbeigehen am Kaffeevollautomaten erfuhr ich davon. Dem Ort, wo Gerüchte herumschwirrten und sich unheilvoll sammelten, um sich anschließend in den Gedanken eines Ahnungslosen zu verbreiten.
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Wie man IT-Projekte zum Scheitern bringt: Ändernde Anforderungen

golem.de: »Gesundheitskarte steht vor dem endgültigen Aus«
(Stand 07.07.2017)

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte soll bisher an die 1,7 Milliarden Euro gekostet haben. Dabei soll sie kaum etwas von dem geforderten Funktionsumfang können. Ebenso handle es sich um eine überholte Technik. Natürlich werden Schuldige gesucht und auf der jeweils anderen Seite gefunden. Für mich ist dies die interessanteste Stelle im Artikel von golem.de, denn sie gibt eine Erklärung wieder, die ich aus meiner eigenen Erfahrung kenne:

»Der Sprecher der Telekom-Tochter T-Systems, Rainer Knirsch, weist darauf hin, dass die technischen Anforderungen etwa 150 Mal verändert worden seien.«

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Wie man IT-Projekte zum Scheitern bringt: Rot, Grün, Blind

Lost in Consulting Rot Grün Excel-Listen

Ich saß in einem Meeting am Rande Barcelonas. Der Raum war gut gekühlt, dennoch erhitzten sich darin Köpfe und Gemüter. Dort traf ich mich als externer Berater meines Kunden aus Deutschland mit dem Berater des spanischen Kunden meines Kunden – also Externe unter sich. Wir konnten uns in Ruhe die Köpfe einschlagen und klappte etwas nicht, konnten alle sagen: Die Berater sind schuld! Eine wunderschöne Win-Win-Lose-Lose-Situation. „Wie man IT-Projekte zum Scheitern bringt: Rot, Grün, Blind“ weiterlesen