So viel Zukunft, so viel Freude

»In jener Nacht, in der Varja geboren wurde, lag sie da und sah uns stundenlang an. Ihre Augen waren wie zwei schwarze Laternen. Ihr Körper blutverschmiert, die langen Haare klebten am Kopf, und wenn sie sich rührte, geschah es mit den bedächtigen Bewegungen eines Kriechtiers. Als sie so auf Lindas Bauch lag und uns anstarrte, sah sie aus wie etwas aus dem Wald. Wir konnten von ihr und ihrem Blick einfach nicht lassen. Aber was lag in ihm? Ruhe, Ernst, Dunkelheit. Ich streckte die Zunge heraus, es verging eine Minute, dann streckte sie ihre Zunge heraus. Nie hat es so viel Zukunft in meinem Leben gegeben wie damals, nie so viel Freude.«

Aus Karl Ove Knausgard »Sterben« (Amazon Werbelink)

Entscheide dich für eine Seite

»…so spaltete ich mich bei meiner Geburt wurde auf und wurde in eine postpartale Welt geworfen, in der mich kaum jemand als den akzeptierte, der ich war, sondern in der ich nur dazu gedrängt wurde, mich für eine Seite zu entscheiden. Das war nicht einfach, nein, eigentlich war es sogar unmöglich, denn wie konnte ich mich gegen mich selbst entscheiden?«

Aus Viet Thanh Nguyen »Der Sympathisant« (Amazon Werbelink)

Buch: Donna Tartt – Die geheime Geschichte

Nie ticke ich so, wie ich sollte. Aber nur zu bestimmten Zeiten.

Ein Frühling in Wolfsburg, 2015. Das grelle Licht auf meinem Display lässt die Ziffer 5 in der Dunkelheit aufleuchten. Es ist still, kühl und viel zu früh. Ich muss erst in zwei Stunden aufstehen, duschen, frühstücken und kann dann zur Arbeit. Dennoch bin ich wach wie an den meisten Tagen der Woche.

Ich versuche erst gar nicht, wieder einzuschlafen. Meistens nicke ich dann kurz vor dem Aufwecken ein, und dann bin ich wie ausgekotzt. Wandle wie ein Untoter ohne Orientierungssinn, und nur die Wiederbelebungsversuche mit literweise Kaffee halten mich auf den Beinen (mit der Nebenwirkung, dass ich dann wie ein Eichhörnchen auf Speed bin, aber irgendwas ist immer).

Ich könnte mich darüber ärgern oder mich darüber beschweren – ich mag die Bedeutung dieses Wortes, »es sich schwer machen«, denn darin drückt die Last, die man sich unnötig aufbürdet. Und was soll’s? All das Jammern nützt eh nichts. Ja, glaub mir, ich habe es versucht, ehrlich, aber gegen die innere Uhr kommt man nicht an, egal, was dir die Realität da draußen vorschreibt oder wie auch immer sie dich versucht, auf irgendeine Weise wieder in den Takt zu biegen.

Es gibt nur eins, was ich wirksam dagegen tun kann. Ich greife zu dem Buch an meinem Kopfende. Knapp 600 Seiten dick. Diese Zeit sinnvoll zu nutzen. Lesen.
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3 inspirierende Bücher, die ich während des Schreibens nutze

Auf ihrem Blog »the bloggess« fragt Jenny Lawson ihre Leser, was ihr Allzeit-Favorit bei Büchern sei. Egal, wie lange ich über ihre Frage auch nachdenke, ich kann sie nicht beantworten, denn ich habe eine Reihe von »Lieblings-«Büchern, von denen jeder seinen eigenen Platz in meinem Leben hat.

Jenny Lawson stellt ihre Frage, während sie an ihrem neuen Buch schreibt und sich von ihrem »Buch der Bücher« inspirieren lässt, wann immer sie steckenbleibe. So ähnlich mache ich das aus. Wenn ich an meinen Artikeln arbeite, greife ich meistens nach immer den gleichen drei Büchern. „3 inspirierende Bücher, die ich während des Schreibens nutze“ weiterlesen