Buch: Donna Tartt – Die geheime Geschichte


Nie ticke ich so, wie ich sollte. Aber nur zu bestimmten Zeiten.

Ein Frühling in Wolfsburg, 2015. Das grelle Licht auf meinem Display lässt die Ziffer 5 in der Dunkelheit aufleuchten. Es still, kühl und ist viel zu früh. Ich muss erst in zwei Stunden aufstehen, duschen, frühstücken und kann dann zur Arbeit. Dennoch bin ich wach wie an den meisten Tagen der Woche.

Ich versuche erst gar nicht, wieder einzuschlafen. Meistens nicke ich dann kurz vor dem Aufwecken ein, und dann bin ich wie ausgekotzt. Wandle wie ein Untoter ohne Orientierungssinn, und nur die Wiederbelebungsversuche mit literweise Kaffee halten mich auf den Beinen (mit der Nebenwirkung, dass ich dann wie ein Eichhörnchen auf Speed bin, aber irgendwas ist immer).

Ich könnte mich darüber ärgern oder mich darüber beschweren – ich mag die Bedeutung dieses Wortes, »es sich schwer machen«, denn darin drückt die Last, die man sich unnötig aufbürdet. Und was soll’s? All das Jammern nützt eh nichts. Ja, glaub mir, ich habe es versucht, ehrlich, aber gegen die innere Uhr kommt man nicht an, egal, was dir die Realität da draußen vorschreibt oder wie auch immer sie dich versucht, auf irgendeine Weise wieder in den Takt zu biegen.

Es gibt nur eins, was ich wirksam dagegen tun kann. Ich greife zu dem Buch an meinem Kopfende. Knapp 600 Seiten dick. Diese Zeit sinnvoll zu nutzen. Lesen.
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3 inspirierende Bücher, die ich während des Schreibens nutze

Auf ihrem Blog »the bloggess« fragt Jenny Lawson ihre Leser, was ihr Allzeit-Favorit bei Büchern sei. Egal, wie lange ich über ihre Frage auch nachdenke, ich kann sie nicht beantworten, denn ich habe eine Reihe von »Lieblings-«Büchern, von denen jeder seinen eigenen Platz in meinem Leben hat.

Jenny Lawson stellt ihre Frage, während sie an ihrem neuen Buch schreibt und sich von ihrem »Buch der Bücher« inspirieren lässt, wann immer sie steckenbleibe. So ähnlich mache ich das aus. Wenn ich an meinen Artikeln arbeite, greife ich meistens nach immer den gleichen drei Büchern. “3 inspirierende Bücher, die ich während des Schreibens nutze” weiterlesen

Buch: Siddhartha Mukherjee – Der König aller Krankheiten: Krebs

»Medizin«, schreibt Siddhartha Mukherjee, »beginnt mit dem Erzählen von Geschichten. Patienten erzählen, um Krankheit zu beschreiben; Ärzte erzählen, um sie zu verstehen. Die Wissenschaft erzählt eine eigene Geschichte, um die Krankheit zu erklären.«

Buch Mukherjee - Der Koenig aller Krankheiten Krebs
Der König aller Krankheiten: Krebs (*Amazon Werbelink)

Mukherjee ist selbst Krebsforscher und praktizierender Onkologe, und die Geschichte, die er in seinem Buch »Der König aller Krankheiten: Krebs – eine Biografie« erzählt, ist die Geschichte des Krebses und dem dramatischen Kampf der Patienten und ihrer Ärzte gegen ihn.

Wie er diese Geschichte erzählt ist, trotzt tragischer Schicksale und verstörender Einblicke in den »wuchernden Abgrund des Unkontrollierbaren«, atemberaubend, fesselnd, immer menschlich und sprachlich großartig.
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Buch: Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe

»Ich arbeite gerne in der Notaufnahme – jedenfalls lernt man dort Männer kennen.«

Buch Lucia Berlin - Was ich sonst noch verpasst habe
Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe (Amazon Werbelink)

Ich las den Einstiegssatz und musste sofort lachen. Es stammt von der Geschichte »Mein Jockey« aus Lucia Berlins Buch »Was ich sonst noch verpasst habe« (Amazon Werbelink).

Ich fand ihn aktuell, bissig, vielleicht sogar sarkastisch. Zudem steckte in ihm der Charme, mit den Gegebenheiten des Lebens pragmatisch und humorvoll umzugehen. Und vielleicht versteckte sich noch etwas Verzweiflung zwischen den Worten. In allem war der Satz geistreich, ehrlich und direkt, ohne Allüren. Er hätte sich auf Twitter bestimmt großartig gemacht.

Mein Lachen hatte mich kurzweilig vom Text ablenkt, aber es reichte, um in mir das Gefühl zu wecken, das in dem Satz etwas viel Tiefergehendes, Grundlegendes steckt. “Buch: Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe” weiterlesen