Wie küssen Fische?

Es war einmal vor langer Zeit in einer Disco in Detmold.

Mann! Ich weiß nicht, wie lange ich hypnotisch auf diesen mit grünlichem Wasser befüllten Aquarium starre, in dem alles steht, als mir wieder einfällt, dass diese Dame noch an meinen Lippen hängt.  Küssten wir uns noch oder war das eine Mund-zu-Mund-Beatmung? Es erinnert mich an – Mund auf, Mund zu, dann wieder mechanisch: Mund auf, Mund zu – an einen… Fisch!

Im Aquarium schwimmen keine Fische. Beeindruckend was man in den falschesten Momenten an sinnlosen Details wahrnimmt.

»Du kannst überhaupt nicht küssen!«

Blub, blub.

Ihre Worte überraschen mich wie ein nasser Klatscher mitten ins Gesicht. Hat sie das wirklich zu mir gesagt? Denn alle anderen Frauen, die gut küssen konnten, waren da anderer Meinung. Gut, ich formuliere es anders: Bisher konnten alle Frauen mal gut mal besser küssen. Aber das ist neu.

So fühlt es sich also an, wenn man als Mann aus einem Aschenputtel-Schlaf wachgeküsst wird! Abrupt, unsanft und direkt in die Eier, bildlich gesprochen. Wobei ich mich immer noch frage, wie Prinzen diese wunderschönen Märchenfrauen nach so langem Schlaf wachküssen konnten. Stanken die nicht?! Zumindest ihr Atmen muss nach so langer pflegefreien Zeit modrig nach Tod gestunken haben. Oder verwenden angehende Prinzessinnen spezielles Mundwasser, was die Brüder Grimm zu erwähnen vergaßen?

Da fällt mir eine tolle Werbeidee ein!

Eröffnungsszene:

Dornröschen liegt wunderschön wie am ersten Tag im Bett (oder war das Aschenputtel?). Ein edler Prinz hoch zu Ross trabt heran. Senkt seine Lippen und küsst sie wach. Sie öffnet ihre Augen und erblickt diesen wunderbaren Retter edlem Gestüts. Stößt einen glücklichen Seufzer aus und dann küssen sie sich innig. Also mit Zunge und so.

Jetzt kommt’s:

Einblenden eines aquafrischen Mundwassers mit Gletschern drauf oder Minze Blättern.  Darunter in dezent fetten Buchstaben der Slogan: Damit Sie auch nach langem Schlaf atemfrisch aufwachen!

Wie dem auch sei, zu einem Märchenprinzen eigne ich mich nicht. Auch eine überflüssige Erkenntnis.

Quark!

Sie schaut mich immer noch an. Ein wenig vorwurfsvoll, abwartend, als müsste ich mich rechtfertigen. Wozu ich nicht die geringste Lust verspüre.

Ich muss mich jedoch der Situation stellen, nicht, weil ich ein Mann bin – das sowieso –, nein, ich kann nicht ausweichen, denn sie sitzt auf meinem Schoß. Wir haben die Kunst vollbracht, den einzigen Sessel in dieser zu lauten Disco in einem Flur unbesetzt zu entdecken, um dort ungestört rumzumachen. Tatsächlich ist nicht nur das Aquarium leer! Es verirrt sich kein einziger besoffener Gast hierher.

Ihre Augenbrauen ziehen sich zusammen, als wollten sie eine Antwort aus mir herausquetschen.

Muss ich mich jetzt wirklich dafür rechtfertigen, dass ihr Mund beim Küssen nur zwei Zustände kennt: Offen und geschlossen? Und auf Knopfdruck spult sie dieses Programm mit festgelegtem Intervall ab, egal, was der Mitküsser – also ich – macht. Knallhartes Durchziehen. Respekt!

Du küsst wie ein Fisch an Land!, will ich ihr zurufen. Blub, blub, aber nein, das sage ich ihr natürlich nicht. Ich bin ein Gentleman. Uuuuund ich will mir den Abend mit ihr nicht verderben. Das wäre ja oberflächlich. Ich bin gespannt darauf, wie weit ihr Programm geht. Am Küssen hängt ja so viel. Der Kuss ist ein Vorspiel, ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt und wie es wird… Ich sehe, wie sie wieder etwas sagen will. Schnell küssen!

Blub, blub.

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