Mein seltsames Verhältnis zu Urlaub

Mittwoch, 06.03.19. Bielefeld.

Ich bin wieder kurz nach 5 Uhr wach. Früh aufzuwachen ist keine Kunst. Ja, mein Schlafrhythmus ist ein wenig seltsam, fern von »Gewöhnungsbedürftig«: Ein paar Tage schlecht schlafen, um dann an einem Tag auszuschlafen. Daher beneide ich Menschen, die lange schlafen können.

Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, woher dieser kurze Schlaf bzw. das frühe Aufwachen kommt und habe dazu verschiedene Theorien. Eine davon geht so: Ich vermute einen Zusammenhang zwischen meinem Schlaf und meiner Arbeit.

Nicht, dass mir die Arbeit den Schlaf raubt, nein, aktuell ist die Situation entspannt, zu entspannt, also fast schon unentspannt entspannt – ich brauche (ein wenig) Anspannung, intensive Arbeit! Drama, Baby, Drama!

Ja, ich arbeite gerne und freue mich häufig, sogar über Kleinigkeiten wie diese Woche, wo ein Kollege mich wieder um Rat fragte. Ich entnahm seinen Ausführungen, dass er eine Reihe weiterer Kollegen vor mir um Hilfe gebeten hatte, aber niemand konnte ihm helfen. Da ich ihm ad-hoc keine Lösung liefern konnte, bedankte er sich und damit war ich eigentlich raus. Als ich mich wieder an meinen Arbeitsplatz setzte, dauerte es allerdings nicht lange und ich begann, sein Problem zu analysieren.

Innerhalb einer halben Stunde fand ich die Ursache und sogar eine Lösung. Ich war so überrascht und aufgeregt, dass ich beim Mittagessen in der Kantine direkt zu ihm eilte. Normalerweise geht man in der Kantine direkt zum Essen-Holen, weil sich die Menschen alle zur gleichen Zeit um den kleinen Essplatz tummeln und sich überall lange Schlangen bilden. Daher sagte er freundlich, ich solle zuerst essen, danach könnten wir uns das anschauen. Wie konnte jemand in diesem Moment etwas essen?!

Eigentlich müsste ich mich mit meinen Themen beschäftigen.

Diese Woche habe ich nämlich an die 20 Personentage zusätzlich beauftragt bekommen. Eigentlich. Wäre da nicht diese Kleinigkeit, dass ich gleich bei mehreren Themen auf den Input von anderen warten müsste. Das ist wie auf dem Meer zu verdursten. Daher habe ich mir für den Rest dieser Woche spontan zwei Tage Urlaub genommen.

Urlaub ohne wirkliche Arbeit klingt für mich nicht erholsam.

Das wird jedoch meinen Chef-Chef freuen, da ich über die Jahre sehr viel Urlaub angesammelt habe, die verfallen bei uns nämlich nicht. Aktuell stehe ich bei 69,5 Tagen (minus der zwei bevorstehenden Tage).

Mein Rekord lag bei ca. 90 Tagen Urlaub. Bei 20 Arbeitstagen pro Monat sind das ungefähr 4,5 Monate Urlaub.

Zu jener Zeit begann mein Chef-Chef neu bei unserer Beratung und sofort erkannte er die Gefahr, die von einer so hohen Zahl ausgeht (sie tut es ja immer noch). Wir haben erstaunlicherweise nur drei Monate Kündigungsfrist. In meiner vorherigen Beratung lag die Frist bei einem halben Jahr – was eine gefühlte Ewigkeit ist. Hätte ich mit meinen 90 Tagen zu irgendeinem beliebigen Zeitpunkt gekündigt, hätte ich sofort Urlaub nehmen können. Ein wenig heikel, denn ich befand mich damals mit meinem Chef-Chef in einem kundenseitig hoch eskalative Projekt. Es hätte schwierige Folgen für unsere Seite gehabt. Ich war tatsächlich bei vielen Eskalationen involviert und trug zur Lösung bei.

Das waren schon heftige Zeiten, in denen ich so viele Stunden im Monat arbeitete, dass ich nicht nur monatlich Spitzenreiter war, was die Stunden pro Monat betraf, sondern es fiel auch kundenseitig auf, so dass ich eines Tages darauf angesprochen wurde, ob ich nicht weniger arbeiten könnte, sonst könnte es »Schwierigkeiten« (Begriff wurde bewusst schwammig gewählt) wegen der hohen Stundenzahlen geben.

Als ich dann ein paar Tage Urlaub nahm, empfand ich sie als erholsam.

Mal schauen, wie sich mein jetziger, spontaner Kurzurlaub, also das verlängerte Wochenende, in den nächsten Tagen auf mein Gemüt auswirkt.

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