Keine zwei Euro.

Montag, 18.02.19. Bielefeld.

16,5 Grad mit Sonne. Wunderbar mild. Ich bin wieder früher aus der Arbeit zurück und laufe los. Das überrascht meinen Körper. Der befindet sich noch im Büro-Arbeitsmodus – oder heißt es Winterschlaf?!

Die Sonnenstrahlen funkeln mir etwas auf dem Asphalt entgegen.

Ich werde langsamer und beuge mich hinunter zu dem kleinen, runden Ding. Beim Joggen trage ich nämlich keine Brille, das schützt mich vor Ablenkungen und macht die Welt ein wenig schöner. Meine Kurzsichtigkeit ist wie ein Gaußscher Weichzeichner (oder Schöntrinken), der alles in meinem Sichtfeld miteinander unscharf vermischt und ein attraktives Durchschnittsbild schafft.

Ich kneife meine Augen zusammen, um meinem Blick zu schärfen, allzu tief wollte ich mich nicht hinunterbeugen. Nordisches Gold liegt auf der Straße. Eine Münze. Es sind 50 Cent. Für einen Moment überlege ich, ob ich das schmutzige Geld wirklich aufheben soll – Blödsinn! Wer weiß, durch wie viel schmutzige Orte und Hände das Geld in meiner Tasche bereits gegangen ist.

Ich lasse die Euromünze in meiner Jogginghosentasche verschwinden und laufe wieder. Nur wenige Meter weiter blinzelt mich etwas mit silbernem Kern und goldenem Rand an. Schon wieder eine Münze! Diesmal ist es eine 1 Euro Münze.

Auch diese Münze wandert in dieselbe Tasche. Sieh an! – jetzt geht es schon viel leichter und schneller.

Während ich laufe, klimpern die aneinanderstoßenden Münzen dort munter vor sich hin und jedes runde Ding auf dem Asphalt wie plattgedrückte Kaugummis oder Kronkorken flackern in meinem Bewusstsein wie eine Verheißung auf.

Mit seltsam geneigtem Kopf suche ich. Eigentlich bin ich am Laufen. Während dieser Kopf sofort konditioniert wurde und sich rasch nach zwei Münzen auf die Suche begibt, sagt meine körperliche Kondition nach kurzer erfolgloser Suche: Hör auf!

Also hörte ich auf meine innere Stimme und tatsächlich bald auf. Zu laufen.

Meine heutige Bilanz: 1 Euro 50 in meiner Jogginghose, aber ein wirklich schlechter Lauf, schlechter als mein letzter am Donnerstag.

Schuld daran ist natürlich das plötzlich aufgetauchte Geld auf der Straße, denn als ich keins mehr fand, verkehrte sich die unerwartete Belohnung ins Negative und wirkte demotivierend.

Beim nächsten Lauf hebe ich nur noch Scheine auf! Am besten große Scheine, die sind gut für die Muskulatur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.