Mimikry

Es ist letzte Woche bei mir zu Hause. Ich sitze vor dem Fernseher und drücke die Pause-Taste. Es passiert nichts. Die Folge »Elementary« läuft unbeeindruckt weiter. Natürlich, es liegt nicht an dir, liebe Fernbedienung, sondern an mir. Wir alle haben unsere schwachen Momente und an deinem bin ich schuld! Trotzdem werde ich es im Moment nicht ändern, wieso auch. Also ziele ich mit der Fernbedienung genau auf den Fernseher und drücke diesmal mit konzentrierter Kraft. Obwohl mein Daumen eine übermenschliche Energie entwickelt, passiert wieder nichts. Ich schüttle die Fernbedienung als könnte ich mit dem Schütteln die kaum existente Energie potenzieren. Und drücke wieder.

Albert Einstein sagte einmal, es sei Wahnsinn, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Es wird noch schräger: Albert Einstein kann sich selbst nicht daran erinnern, dieses Zitat je gesagt zu haben!

Also variiere ich mein Vorgehen. Um herauszufinden, ob die Batterie leer ist, drücke ich einen anderen Knopf. Zu meiner erneuten Überraschung wird es leiser. Irgendwie mysteriös. Ist meine Fernbedienung einseitig kaputt? Habe ich die Pause-Taste zu häufig gedrückt? Was es auch ist, es ist meine Schuld.

Natürlich glaube ich das nicht ernsthaft. Reine Koketterie, bis mir plötzlich etwas einfällt – ich schaue Elementary g-e-r-a-d-e auf dem Privatsender Kabel eins an und nicht auf Netflix!

Irgendwie dumm gelaufen. Ich hatte schon vom schädlichen Binge-Watching (oder auch liebevoll Komaglotzen bzw. Serienmarathon genannt) gehört, wäre aber nie darauf gekommen, selbst diesem Phänomen zu erliegen – interessanterweise ahmen die Privatsender eine Art Serienmarathon nach, weil sie mehrere Folgen einer Serie hintereinander zeigen.

Zum Glück bekommt niemand mit, wie zerstreut ich bin.

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