Ich kann noch hoffen oder Viagra für meinen Kopf

»Ich könnte Bestseller schreiben,
Meisterwerke malen,
Krebs heilen und die Welt retten,
aber mein Gehirn macht da einfach nicht mit.«
Ich

Ich will schreiben, warum auch immer – ehrlich, ich weiß es nicht. Vielleicht ist dieser Blog die Suche nach einer Antwort. Vielleicht sollte ich zum Arzt gehen:

»Herr Doktor, ich will unbedingt schreiben, bin aber nicht talentiert und ehrgeizig genug dafür. Können Sie mir etwas verschreiben?«

Sollte ich mal versuchen, nur um die Reaktion zu sehen oder doch, um eine Antwort zu erhalten, die ich dann bloggen kann. Aber, ich lenke mich wieder ab.

Seitdem dem ich mich letzte Woche mit WhatsApp und der Erweiterung für Chrome beschäftigt habe, habe ich jeden Abend nach neuen Anwendungsgebieten für Erweiterungen umgeschaut. Habe mehrere Stunden im Web Store gestöbert, dort Erweiterungen heruntergeladen und das Coding analysiert, um mich inspirieren zu lassen. Zugleich bei jeder bescheuerten Webseite das Entwicklertool mit F12 aufgerufen, um die Seite zu analysieren. Immer auf der Suche nach einer tollen Idee, einer sinnvollen Funktion oder just for fun!

Dabei wollte ich mich auf die Suche nach neuen Inhalten machen, um auch diese Woche einen umwerfenden Artikel zu schreiben.

Tatsächlich gab es ein paar Fragen von Lesern zu dem Punkt, ob man den Status »Online« bei WhatsApp nicht doch irgendwie unterdrücken könnte. Mir fiel nur eine einzige Variante ein: WhatsApp Nachrichten direkt auf dem Homescreen oder Lockscreen (Sperrbildschirm) zu beantworten.

Vermutlich würde WhatsApp dann nur noch »online« für einen sehr kurzen Zeitraum aufflackern lassen, in dem Moment, an dem die Nachricht von WhatsApp verschickt wird. Der Frage, ob mein automatisiertes Skript genau diesen Moment erfassen könnte, ging ich nicht nach, weil es mich schlicht und einfach nicht interessiert.

Es scheint so, dass mich mehr die Technik und deren Anwendungsmöglichkeiten interessieren als die Meta-Ebene der Kommunikation oder das Ausspionieren von Menschen.

Ich brauch das nicht – später vielleicht. Wenn ich kurz vor der Verzweiflung stehe (die Rache ist mein, sagt das Schicksal zum arroganten Ich). Weil eine die Angebetete nicht antwortet. Aber da verlasse ich mich auf meine Schusseligkeit. Manchmal bin ich so »zerstreut«, dass ich kurz vor der Verzweiflung falsch abbiege und sie verpasse. Und schon wieder lenke ich mich ab (sollte ich es vielleicht »frühzeitiges geistiges Abbiegen« nennen?).

Und während ich mich darüber ärgere, diese Woche zu viel Zeit mit den Chrome Extensions vertrödelt zu haben, ohne dass dabei etwas Brauchbares für meinen Blog herauskam (obwohl ich mehr über Erweiterungen lernte), erscheint mir heute eine Frage in fetter Leuchtschrift wie eine Eingebung.

Wieso tue ich mich so schwer mit dem Schreiben und so leicht mit dem – wie nenne ich das? – dem technischen Dingsbums (ich bin noch auf dem Weg zum ausgewiesenen Experten). Will ich wirklich schreiben?!

Nach über acht Jahren des Bloggens kommt diese Frage keine Sekunde zu früh. Daher weiß ich, dass das Schreiben nicht mein eigentliches Problem ist, sondern das Gut-Schreiben-Wollen. Und hier beginnen meine Probleme: Wer gut im Schreiben sein will, muss schreiben, schreiben und schreiben, das bedeutet, ich muss viel, sehr viel mehr als jetzt schreiben.

Natürlich könnte ich viel mehr für mich schreiben, ohne es zu veröffentlichen. Das tue ich auch – nur ist das wie… knutschen mit sich selbst. (Wem eine bessere Formulierung einfällt, darf mir das gerne zusenden bzw. als Kommentar hinterlassen.)

Ich könnte endlich beginnen, täglich zu bloggen, ein Tagebuchblog. Anke Gröner macht das ganz gut. Motto lautet »blog like nobody’s watching«. Darüber nachgedacht und geschrieben hatte ich bereits im Juli dieses Jahres. Doch dazu durchringen konnte ich mich noch nicht.

Vielleicht muss ich mich nur an den Gedanken gewöhnen. Das Gewöhnen kommt mit der Gewohnheit. Die Gewohnheit kommt mit dem täglichen, regelmäßigen Schreiben.

Ok, ein Versuch.

***

Heute Morgen wachte ich wieder viel zu früh auf. Mein Schlaf und die Nacht. Keine Liebesgeschichte. Unruhig mit schlechtem Traum, an den ich mich nicht erinnere. Nur das es ihn gab. Übrig blieb nur ein ekliger Nachgeschmack wie von schlechtem Essen, der noch lange im Mund blieb, obwohl es schon längst vergessen war und sich die Reste zwischen den Zähnen aufgelöst hatten. Kein guter Ausgang. Aber heute mit besonderer Wendung.

Ich schaute auf mein Smartphone. 5 Uhr 38. Wäre es ein Arbeitstag, mein Wecker hätte keine Chance. Doch dann fiel mir ein, dass heute die Zeit zurückgestellt wurde. Eine Stunde hatte ich gewonnen und für einen kurzen Moment freute ich mich über mein frühes Aufwachen.

Ein anderer Versuch.

***

Lifehack. Nichts könnte den wunderbaren Duft von warmen Kaffee am Morgen stören – dachte ich, bis ich feststellte, dass ich keinen Zucker mehr zu Hause habe. Ich durstöberte meine Regale. Irgendwo muss sich doch Zucker finden?!

Ich hatte mir angewöhnt, meinen Zuckerkonsum massiv zu reduzieren.

Als der Zucker alle war, war mir das egal und ich fand es unnötig, welchen neu zu kaufen. Aber jetzt wollte ich Zucker in meinem Kaffee. Ab und zu gönne ich mir diesen Luxus.

Türchen auf. Kein Zucker. Nächstes Türchen. Wieder kein Zucker. Dafür Kekse, Schokolade, viel zu viel Schokolade. Mein Schrank ist ein Adventskalender!!!

Ich hatte zwar meinen Konsum verringert, jedoch nicht mein Einkaufsverhalten. Gewohnheit ist ein innerer Schweinehund. Nur, was nützt dir ein Schrank voller Süßkram, wenn du einen süßen Kaffee trinken willst? Und dann kam mir die geniale Idee: Kakaopulver!

Die gelbe Verpackung mit dem zwinkernden Hasen steht immer noch in meiner Küche. Mein Nesquik-Kakao ist irgendwie nicht alle zu kriegen! Oder müsste ich »tot zu kriegen« sagen? Denn auf der Packung steht »Haltbar bis 01.2013«. Ich verwende den Kakao seit 2011 und es riecht und schmeckt immer noch gut!

Also süße ich meinen Kaffee mit abgelaufenem Nesquik-Kakao-Pulver und er schmeckt! So, denke ich mir, kommen Menschen zu ihren ungewöhnlichen, genialen Ideen. Völlig ungeplant! Ich fühle mich wie ein Entdecker und erwäge, meinen Lifehack an Galileo zu schicken, als mir wieder etwas einfällt.

Eigentlich hatte ich für heute einen Artikel mit dem Titel »5 Stunden bis zur Meisterschaft« geplant, inspiriert von dem englischsprachigen Text »Finding My 5 Hours«, in dem es um das Entfalten des kreativen Potenzials durch stundenlanges Üben geht. Doch irgendwie bin ich wieder vom Weg abgekommen…

***

Ok, letzter Versuch. Geht ein Ich zum Arzt:

»Herr Doktor, ich will unbedingt schreiben, bin aber nicht talentiert und ehrgeizig genug dafür. Können Sie mir etwas verschreiben?«

»Was hätten Sie denn gern?«

»Statt Gegenfragen etwas wie… Viagra für meinen Kopf!«

Stirnrunzeln.

»Ok«, sage ich, um die peinliche Stille zu unterbrechen, »gibt es Viagra fürs Bett? Morgens komme ich immer so schwer hoch.«

»Sie sind wohl ein Komiker.«

»Oh, Dankeschön! Dann kann ich ja noch hoffen.«

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