Es stinkt zum Himmel

Bielefeld heute. Die Heizung blubbert dem Sommer ein Abschiedslied. Es klingt schief und schaurig, fast wie ein erstickter Hilferuf. Irgendwo verschwindet der Sommer still und leise mit einem wehmütigen »Ihr könnt mich mal!« auf den Lippen. Doch niemand hört es.

Heute Morgen fehlt mir die Muse zu irgendetwas. Die Nacht und ich werden keine Freunde. Ich gehe zum Auto. Gestern hatte ich es weiß und sauber abgestellt. In der Nacht jedoch, unter den hohen Bäumen, scheint es das Ziel von Vögeln mit nervösem Magen geworden zu sein. Monotone Kleckse in gebrochenem Weiß und schmutzigem Grau.

In bestimmten Kulturen symbolisiert Vogelkot Glück und soll für Reichtum sorgen. Ich müsste also sofort Lotto spielen, aber an einem Sonntag finde ich keine Lottoannahmestelle. Doch es gibt das Internet.

Vögel, Kacke, Internet. Facebook. Hass. Die Assoziationskette führt unweigerlich zum Menschen und von dort zu Leuten, die auf deinen Teppich kacken und sich dann darüber beschweren, dass es bei dir stinkt.

Ja, es gibt diese Leute. Leute, die Scheiße in Dünnschiss verwandeln können, an Orten, wo sie ihren Darminhalt auskotzen. Kein magischer Moment. Keine Gänsehaut. Nur ein beängstigender, wenn Online ins Reale durchschlägt.

Doch bevor ich zu sehr ins Negative abgleite, durchatmen! Denn es ist sehr leicht, wütend zu sein, anderen die Schuld zu geben, sich dem völlig hinzugeben und darin aufzugehen. Vor allem gemeinsam. Nur hassen kann jeder, aber lieben ist etwas für Könner.