Reine Kopfsache oder eine haarige Angelegenheit

Bielefeld. Heute Morgen. Annäherungsversuch im Bett. Die Nacht hat sich zärtlich durch meine Haare gewühlt und mir einen verwegenen Look verpasst.

BedStyle - Haare vom Bett gemacht
BedStyle – Haare vom Bett gemacht

Ich war also bereit für dieses »draußen«, von der alle Welt spricht. Das kam mir sehr entgegen, denn ich musste zum Arzt, Blutabnahme. Und dort warteten gleich zwei Überraschungen auf mich.

Die erste, die angenehmere von beiden: Ich kam entgegen meiner Erwartung (kommt vom dem Lateinischen warten) zügig an die Reihe. Keine zehn Minuten im Wartezimmer und schon wurde ich hineingerufen. Ich hatte mich also geirrt, als ich über meine zukünftig verlorene Wartezeit sinniert hatte.

Gut gelaunt und ein wenig stolz setze ich mich hin und präsentiere meinen rechten Arm. Pumpe die Vene auf, die in meiner Ellenbeuge grün und prall hervorquillt. Ich glaube, das beeindruckt und schüchtert sie ein, denn sonst wäre das nicht passiert, was passiert ist.

Desinfektion. Gummihandschuhe. Ein kleiner Pieks. Das Einführen der Kanüle. Ein wunderschöner Bluttropfen wölbt sich wie eine rubinrote Perle aus der Einstichstelle zu einer perfekten Kugel.

Hm, ist das richtig? Nur ein Gedanke, nicht ausgesprochen.

Sie wischt das Blut weg, zieht den Stempel heraus. Dann passiert nichts. Sie ruckelt an der Kanüle. Schiebt es ein wenig hin, ein wenig her. Ein Stochern im Grünen.

Jetzt, sage ich, tut es ein wenig weh.

Da kommt nichts raus, sagt sie.

Wenn man daneben sticht, kann man auch aus der vollsten Quelle nichts schöpfen, denke ich.

Wir müssen den anderen Arm nehmen, sagt sie.

Morgen habe ich bestimmt einen blauen Fleck dort, denke ich, und kann bestimmt nicht trainieren. Der Gedanke rauscht an mir vorbei und zieht die Hoffnung, dass es diesmal klappt, hinterher.

Es klappt.

***

Nachdem ich Blut abgegeben habe, muss ich mich auch von einem Teil meiner Haare trennen. Ich gehe zum türkischen Friseur meines Vertrauens.

Als ich, wieder recht schnell, drankomme, lege ich meinen azurblauen Hoodie ab. Sofort funkeln in meinen beiden Ellenbeugen weiße Pflasterstreifen mit Tupfer darunter. Ich sehe aus, wie ein unfähiger Junkie, der seine Einstichstelle nicht fand. Oder wie ein verwirrtes Opfer, der von Ein-Zahn-Vampiren aufgesucht wurde.

Mein Friseur lacht und gesteht mir ein Geheimnis: Er trage ein Toupet. Darunter nur Halbglatze.

Muss ein Friseur selbst Haare haben? Mir ist das egal. Hauptsache er schneidet gut, und er selbst ist gepflegt. Mir fällt diese Geschichte – oder war es ein Witz oder eine Denksportaufgabe oder nur eine Falle – über das Dorf mit zwei Friseuren ein.

***

In einem Dorf leben zwei Friseure mit jeweils eigenem Frisiersalon. Du kommst zu Besuch und muss deine Haare schneiden lassen. Der eine Friseur hat eine toll geschnittene Frisur. Der andere sieht auf dem Kopf aus, als hätte sich ein Marder daran versündigt.

Die Frage lautet nun: Zu welchem Friseur gehst du?

Die Auflösung gleich nach der halbstündigen Werbung…

Die meisten beantworten die Frage mit: Ich nehme den Friseur mit der vernünftigen Frisur.

Daraufhin folgt die zweite Frage: Aber wer schneidet diesem Friseur die Haare?

Die Auflösung gleich nach der halbstündigen Werbung…

Natürlich der andere Friseur! Der Friseur also, dessen Haare aussehen, als müsste ein Exorzismus durchgeführt werden.

***

Sag mal, frage ich den Künstler an meinen Haaren mit dem künstlichen Haupthaar, wer schneidet eigentlich dir die Haare?

Ich selbst, sagt er mit einem schelmischen Lächeln. Ich lasse niemanden an meine Haare!

Ich überlege. Hat er wirklich ein Toupet auf dem Kopf oder nur Flusen im Kopf?

Übrigens sehe ich so nach dem Haarschnitt aus: einfach fantastisch!

Nach dem Haarschnitt
Nach dem Haarschnitt