How-To für angehende Multimillionäre

Neulich im Club für Multimillionäre. Auf dem gediegenen Tischen lag eine Zeitschrift aus. Funkelndes Bling-Bling mit verstörend grellen Personen auf dem Cover, die Ich bin stinkreich! Aber mit Bodenhaftung auszuschreien schienen. Ich blätterte darin, was sollte ich sonst tun. In dieser Bude konnte ich mir nichts leisten außer dieser Vorstellung. Irgendwann stieß ich auf ein seltsames Interview. Darin wurde dem Leser nicht weniger als der Schlüssel zu sagenhaftem Erfolg versprochen, quasi eine idiotensichere Anleitung zum Reichwerden.

Ich wusste, Millionär werde ich nicht, warum sollte ich daher nicht diesen Schritt überspringen und gleich auf das nächsthöhere Level zum Multimillionär gehen?

Der exzentrische Lottomillionär King Karl erzählte darin, wie er es zum Mehrfach-Multimillionär schaffte. Neben all den Millionären wurde auch die schillernde Lottokönigin Karlotta befragt, die als Frau mit pompösen Auftritten eine Ausnahmeerscheinung in der Welt der Lottomillionäre war.

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Interviewer: Herr Karl, wie gelangten Sie zu ihrem sagenhaften Vermögen?

Karl: Das war nicht einfach. Das war richtige Arbeit! Ich habe 30 Jahre lang jede Woche Lotto gespielt und niemals etwas gewonnen. Doch ich verlor niemals den Glauben, meine damalige Frau schon, aber niemals den Glauben an mich, und ich sagte mir immer wieder, Karl, Karl, sagte ich, gib nicht auf. Eines Tages wirst du es schaffen, du musst nur an dich glauben, durchhalten und hart daran arbeiten! Und siehst du, ich habs geschafft! Und du kannst es auch schaffen!

Interviewer: Haben Sie einen Tipp für unsere Leser?

Karl: Ja. Durchhalten, niemals die Hoffnung verlieren, immer daran arbeiten, und an dir selbst arbeiten. Verliere nie dein Ziel aus den Augen! Dann schaffst du das auch.

Interviewer: Danke für diese Einblicke.

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Interviewer: Frl. Karlotta, Ihr Weg zu den Millionen war ein ähnlicher und doch ganz anders. Können Sie uns bitte beschreiben, wie Sie es zu ihrem Vermögen geschafft haben.

Karlotta: Ach, nennen Sie mich doch Berta. Und über Geld redet man doch nicht, mein Lieber.

Interviewer: Gerne Berta. Natürlich, Sie haben Recht. Bitte sehen Sie es mir nach. Ich frage nur, weil sich unsere Leser brennend für Sie interessieren. Sie möchten erfahren, wie sie es geschafft haben. Seien Sie jenen eine Inspiration, denen, die Ihrem Weg folgen möchten.

Karlotta: Sie Charmeur, Ihnen kann ich doch nichts abschlagen. Also, es begann an einem wunderschönen Tag. Die Sonne schien,  und ich machte mich auf den Weg nach draußen, um mit meiner Freundin Inge einen Spaziergang zu machen. Sie müssen wissen, Inge ist so alt wie ich, aber ganz schlecht auf den Beinen. Also musste ich ein wenig auf sie warten, als ich plötzlich diese magische Zahl im Radio hörte. 4 Millionen Euro. Sie müssen wissen, vier ist meine Glückzahl. Da sagte mir mein Bauchgefühl, du musst heute unbedingt Lotto spielen! Inge, sagte ich, wir müssen sofort zur Lottoannahmestelle.

Ja, was soll ich sagen? Hi,hi,hi. Ich gewann die Millionen.

Interviewer: Haben Sie auch eine Empfehlung für unsere Leser?

Karlotta: Ich kann jedem nur raten, auf sein Bauchgefühl zu hören. Leute, horcht in Euch hinein und habt den Mut, dieser inneren Stimme zu folgen, und es wird wunderbar.

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Interviewer: Berta, Herr Karl, was planen Sie für die Zukunft? Haben Sie noch etwas Großes vor?

Karl: Nenn mich King. Also, die Berta und ich verstehen uns so gut, dass wir ein Buch zusammen schreiben werden. Wir möchten unser Glück und unsere Erfahrung mit anderen Menschen teilen und ihnen auch ermöglichen, im Lotto reich zu werden.

Interviewer: Interessant. Wie wird der Titel des Buchs lauten?

Karlotta: Wir haben uns für »How-To für angehende Multimillionäre« entschieden. Der Titel führt zu den meisten Treffern auf Google, wissen Sie.

Karl: Genau. Und danach starten wir eine Reihe von Workshops auf der ganzen fakking Wöld! Und die Luhsa, die im Lotto verloren haben, bekommen 50% Ermäßigung, damit sie es beim nächsten Mal richtig machen. Also, arbeite hart, härter als alle anderen und glaub an dich. Wir helfen dir dabei. Wer jetzt noch arm bleibt, ist selbst schuld!

Interviewer: Was für eine tolle Botschaft. Dann freue ich mich schon auf das nächste Interview.

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Ich legte die Zeitschrift weg. Ein alter Herr in edler Aufmachung rümpfte die Nase.

Geld, sagte er zu mir, gewinnt man nicht wie diese Neureichen. Er sprach das Wort angewidert aus. Geld, sagte er, hat man.

Abgang.

Ich dachte nach. Er meinte wohl erben

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