Mein Hobby als Job oder Wie ich eine außergewöhnliche Performance erreichte

Bescheidenheit ist eine Tugend, die du pflegen solltest, sobald die Menschen von deinen heldenhaften Taten gehört haben. Nur im Glanze ihrer Bewunderung solltest du dich bescheiden zeigen und immer ein wenig tiefer stapeln. Denn solches Handeln steigert, zu deiner Freude, die Bewunderung deiner Bewunderer in ungeahnte Höhen.

Aber du hast noch nichts von meinen Heldentaten gehört. Warum eigentlich nicht? Oder woher auch? Daher wäre in diesem Fall meine Bescheidenheit, also nicht darüber zu reden, völlig fehl am Platz. Auf welcher Grundlage sonst willst du mich beurteilen – vor allem meine Bescheidenheit!

Daher werde ich voller Demut und mit geneigtem Haupt dir von meiner unglaublichen Performance als Berater erzählen. Denn als ich heute wieder ein Problem bei meinem Kunden in atemberaubender Zeit löste, war ich so von mir beeindruckt, dass ich es dir erzählen muss glücklich, dass ich meine Freude darüber mit dir teilen will!

Seit ein paar Wochen, wenigen Monaten, funktionierte das Einlösen von Gutscheinen nicht mit dem SAP CRM System auf der Web-Oberfläche. Die Kundenanfragen stapelten sich. Das IT-Team arbeitete mit Hochdruck an dem Problem (oder auch nicht, aber der Dramatik zuliebe nehmen wir es an).

Erst der First-Level-Support, dann der Second-Level und anschließend der Third-Level. So wanderte von oben herunter das Problem von einer Person zur nächsten, und Wochen vergingen bis es bei den Spezialisten ankam.

Davon bekam ich nichts mit. Normalerweise wurden Fehler dieser Art bereits vorher gelöst. Nur in seltenen Fällen erreichte mich ein solcher Fehler. Bis heute Morgen mein Kunde mich bei diesem Problem um Hilfe bat.

Das Wichtigste bei der Fehleranalyse bleibt die Reproduzierbarkeit des Fehlers. Ich konnte also ein paar Haltepunkte (engl.: breakpoint) im SAP Coding setzen und debuggen. Klick. Klick. Klick. Und da war das Problem. Schon fast banal, ein Pufferungsproblem in einer bestimmten Datenschicht. Wenn man es jedoch nicht weiß, sucht man sich zu Tode und findet am Ende nur seine Nerven am Boden wieder. Aber da war es. Puffer erneuert und die aktuellen Daten wurden geladen. Der Fehler war behoben. Keine 10 Minuten!

Ich freute mich, dass mir die Lösung so schnell gelungen war und zugleich motivierte es mich ungemein.

Auch der Kunde freute sich und musste lachen. Unser Gespräch über den Fehler hatte länger als die Fehleranalyse und –behebung gedauert.

Manchmal sind es Kleinigkeiten.

Manchmal führt mich mein Job als Berater an meine Grenzen.

Manchmal mache ich meinen Job wirklich sehr gerne. Und das sehr häufig – bei guten Kunden.

Manchmal darf ich auch das tun, was ich schon als Kind oder Jugendlicher am Computer häufig gemacht habe, nur dass ich jetzt dafür bezahlt werde. Manchmal ist mein Job wie ein Hobby (ich hoffe, dass mein Kunde das liest nicht;-). Und in solchen Momenten bin ich mehr als wirklich gut.

Und das alles ist bewundernswert und (hoffentlich) nicht selten.

So, jetzt kann ich endlich wieder bescheiden sein und wirken lassen.

(Ich grüße Martin, der leider nicht kommentieren kann, weil ich die Kommentare wegen der DSGVO ausgeschaltet habe).