Wochenrückblick 19|2018 – Geht ein Lindner zum Bäcker und kauft sich eine Dampfbügelstation

Während der betrübte Himmel über Bielefeld weint, toben woanders Shitstorms: Eins über Lidl und ein anderes über Lindner. Sie haben eins gemeinsam: falsche Bilder.

Mittendrin: die Bibi mit ihrem pink glitzernden BeautyPalace, Big Data am Rande des DSGVO und einem etwas seltsamen Dank an die Mütter.

Und damit geht mein Wochenrückblick los. Here we go.

Vorbelegte Brötchen

Neulich beim Bäcker. Die Angst geht um. Jetzt nehmen uns die Ausländer schon die lecker Brötchen weg! Wer kein sauberes Deutsch spricht, sollte auch keine Deutschen Brötchen essen dürfen! Außerdem sind mir Ausländer, die anständig in der Schlange beim Bäcker warten, per se suspekt. Übrigens, der Türke mit dem gebrochenen Deutsch stellte sich am Ende als Bayer heraus.

Keine Sorge, werter Leser, ich mutiere nicht zu einem Hassisten, aber manchmal muss man sich weit nach unten bücken, um an die unterste Schublade heranzukommen, sonst verstaubt sie. Daher ein herzliches Dankeschön mit »öhhh« an FDP Boss Christian »Paperboy« Lindner für seine wunderbare Bäckerei-Szene, der für mich den Eindruck vermittelt, ein Stück vom falschen Kuchen naschen zu wollen. Was genau hat er gesagt:

»Wir werden aber qualifizierte Einwanderung brauchen und dafür müssen wir ein weltoffenes Land bleiben. Man kann beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden, wenn einer mit gebrochenen Deutsch ein Brötchen bestellt, ob das der hochqualifizierte Entwickler Künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer.«
(Quelle: FDP, Stand 13.05.2018)

In diesem kurzen Absatz stecken so viele Dinge, die ich kommentieren könnte, wie z.B. der Fachkräftemangel, der hier mitschwingt oder der »Computer«-Inder – vor allem gefällt mir, dass Ausländer nur geduldet werden. Aber, um es kurz zu fassen: Die Leute, die ein »Problem« mit Ausländern haben, interessieren sich nicht, ob diese illegal oder legal hier sind oder ob sie gebildet oder was auch immer sind.

Frage am Rande: Wozu braucht man nochmal die FDP?

A lidl Klischee

Hinter dem Herd. Kommen wir zu einem anderen Thema mit Vorurteilen oder besser Stereotypen. Lidl scheint an anderer Stelle ins Klo gegriffen zu haben.

»Zeit, Danke zu sagen« dachte sich Lidl und warb zum Muttertag mit einer Rabattaktion auf ihrem Werbeflyer (der hier nicht mehr abrufbar ist) für:

  • eine Freiarm-Nähmaschine
  • einen Kaffeevollautomaten
  • eine Kochbox
  • eine Dampfbügelstation
  • einen Saugroboter

Die »Zeit«, von der Lidl spricht, scheint einer anderen Zeitmessung zu entstammen. Einige verorten sie in den 50ern. Denn was haben all diese Geräte gemeinsam? Es sind Utensilien für die gute, alte Hausfrau (was nichts Schlimmes ist; es geht jedoch um Freiheit, es sein zu können und nicht zu müssen). Ich glaube, mit dem Kaffeevollautomaten und dem Saugroboter könnten wir uns alle anfreunden.

Vielleicht ist es aber auch so, dass Lidl ihre Daten ausgewertet hat und feststellte, dass Frauen ähnliche Produkte kauften und sie mit dieser Rabattaktion ins Schwarze treffen – sorry, 50er war eher knallig und grell.

Lidl geht es vermutlich nicht um veraltete Rollenbilder, sondern um wirtschaftliche Interessen, sprich: verkaufen.

Frage am Rande: Brandmarkt die Bierwerbung uns Männer nicht als Trinker?

Übrigens schenkte ich meiner Mutter zum Muttertag die beste elektrische Zahnbürste der Welt, weil sie sich das gewünscht hatte.

Die Lidl-Aktion und die Reaktion darauf riefen zwei weitere Artikel in meinem Gedächtnis hervor. Der eine handelt von Klischees, und der andere von Daten.

Big Data reshorted

Big Data und das liebe DSGVO. Wie kommt Lidl auf ihre Aktion? Oder anders gefragt: Wieso wählte Lidl eben jene Artikel aus, die für einen Shitstorm sorgten? Ich vermute, sie haben ihre Daten gesammelt und das dürfte eine ganze Menge sein. Da wären wir wieder beim Thema Datenschutz.

Vielleicht kann Lidl auch die Frage beantworten, ob jene Menschen, die sich negativ über die Werbung äußerten, überhaupt zu der Zielgruppe für die ausgewählten Artikel gehörten. Das würde mich wirklich interessieren. Oder wie viele Menschen nach dieser Aktion ihr Kaufverhalten veränderten, gab es also einen Rückgang bei ihren Kunden. Denn, wenn die zukünftigen Daten von Lidl zeigen, dass die Rabattaktion für den Muttertag doch ein Erfolg war und/oder der Shitstorm keine negativen (oder gar positiven) Effekt hatte, was ändert die Kritik der Menschen? Was auch immer die Antwort auf die letzte Frage ist, es ist wichtig, dass die Menschen weiterhin ihre Meinung äußern!

Ich schweife ab.

In seinem klugen Spiegel-Artikel »Wer macht mir die geileren Vorschriften?« schreibt Sascha Lobo zum Thema Daten:

»Natürlich enthält die DSGVO viele wichtige und kluge Passagen, etwa zur Datenportabilität. Aber im Hintergrund wirkt eine dritte Leitlinie des Datenschutzes: Datensparsamkeit. Mein eigenes, in den vergangenen Jahren gewachsenes Zukunftsverständnis einer funktionierenden digitalen Gesellschaft steht diesem Prinzip diametral entgegen.«
(Quelle: Spiegel-Online, Stand 13.05.2018)

Er meint Big Data. Unternehmen dürften Probleme mit der Erhebung großer Datenmengen in Europa bekommen, die wichtig für die Erschließung zukünftiger Geschäftsmodelle sind. Sogar Merkel scheint diesen Punkt verstanden zu haben und deutet an, wenige Tage vor der Anwendung des DSGVO (in Kraft ist es bereits seit zwei Jahren) Veränderungen bzw. Öffnungen an der Datenschutzverordnung für die Wirtschaft vorzunehmen.

Beautys in Pink

Vorurteile und Benachteiligung. Am Donnerstag hörte ich mit halbem Ohr Deutschlandfunk. Dort lief eine Sendung über Geschlechtergerechtigkeit in den Medien mit dem Titel »Pretty in Pink – YouTube Geschlechterklischees«. Die Videos auf YouTube bedienten Rollenklischees. Die Welt der Mädchen sei pink und glitzernd. Bibi, die auf ihrem Kanal »BibisBeautyPalace« knapp 5 Mio. Abonnenten hat, wird dort mit »Frauen gehören in die Küche – Ende aus« zitiert. Auf Instagram sähe es ähnlich aus.

The End.

Abschließend möchte ich sagen: Männer aller Länder, vereinigt euch und kauft mehr Dampfbügeleisen! Und wenn ihr schon dabei seid, auch ein paar Brötchen. Für mich bitte üüühn Baguette mit Kräuterbutter, merci!

photo by Matthew Henry on Unsplash

2 Gedanken zu “Wochenrückblick 19|2018 – Geht ein Lindner zum Bäcker und kauft sich eine Dampfbügelstation

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