Grundlos Stress oder Wohin führt dein Weg?

Es ist sehr einfach, sich in Stress zu versetzen.

Bei mir beginnt es mit dem ersten Schritt beim Gehen.

Ich kann nicht normal gehen. Das habe ich letzte Woche wieder auf dem Heimweg bemerkt. Mit jedem Schritt werde ich schneller, einfach so, als würde ich gegen etwas anlaufen. Und während ich, ohne den Grund zu kennen, schnell gehe, wirkt sich das auf meinen Körper aus. Erhöhter Puls, schnelleres Atmen, verengte Augen, zusammengezogene Augenbrauen. Ein Gesicht, das in sich zusammen gezogen ist.

Aber es ist nicht nur mein Gesicht, sondern mein ganzer Körper. Hartes Auftreten auf Asphalt. Leicht nach vorn gebeugter Kopf und Körper, als hätte ich Hörner.

Mein Körper in schnellem Gang bleibt meinem Kopf nicht verborgen. Der wertet die Signale aus und interpretiert: Weil ich es eilig habe, gibt es etwas Wichtiges, das ich zu verpassen drohe. Also wird es auch aktiv und sendet Signale an den Körper, doch schneller zu gehen. Daraufhin lege ich beim Tempo noch einen Zahn zu (vermutlich presse ich die Zähne aufeinander). Es ist so schön, wie mein Körper und Geist sich in Einklang bringen und sich zu übertreffen versuchen.

Natürlich komme ich irgendwann dabei außer Atem, leicht ins Schwitzen und bin – Überraschung – aus unerfindlichen Gründen gestresst. Je nach Länge der zu gehenden Strecke bin ich mal mehr, mal weniger gestresst.

Also beschleunige ich eine Weile in dieser sich selbst nährenden Schleife, bis ich endlich merke, ich habe es grundlos eilig. Dann stoppe ich abrupt und gelobe Besserung.

Das klappt. Und eine Weile schlendere ich ruhig und entspannt den Weg entlang. Vergesse alles, auch den Grund für mein langsames Gehen. Und plötzlich fällt mir auf, dass ich zu langsam gehe. Also beschleunige ich wieder, denn ich möchte schnell vorankommen und meine Zeit nicht hier verschwenden.

Bis mir wieder auffällt, dass ich in alte Muster falle und zu schnell gehe. Was treibt mich an? Warum mache ich das immer? Habe ich jetzt die Eile von der Fahrbahn auf den Gehweg verlagert? Und wohin wollte ich nochmal? Oder laufe ich vor etwas weg oder hinterher?

Ich schaue mich um. Aber da ist niemand. Vielleicht sollte ich zuerst bei mir selbst ankommen…

photo by Matthew Henry on Unsplash

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