Wochenrückblick 14|2018 – Joggen, Instagram & Hasskommentare


Heute Morgen kurz vor sechs Uhr aufgewacht. Das Morgenlicht stahl sich durch die offen gebliebenen Ritzen in den Jalousien in mein Schlafzimmer. In der Ferne torkelte betrunken vor Liebe oder einem anderen Cocktail im Blut ein Mann durch die Straßen und brüllte mal zärtlich mal wütend nach seiner Liebsten.

AAADRIIAANNN!!! Ich lauschte ihm noch ein wenig und musste an Rocky denken. Irgendwann verstummte es zu einem weinerlichen Wimmern und verschwand dann.

Dazwischen zwitscherten aufgebrachte Vögel wild durcheinander. Vermutlich fühlten sie sich von dem seltsamen Balztanz bzw. seinem arrhythmischem Werbegesang bei ihrer Morgentoilette gestört und formierten sich zum Gegenschlag. Seit Alfred Hitchcocks »Die Vögel« begannen sich einzelne Vogelgruppen zu militanten Gangs zusammen zuschließen. Achte auf die Zeichen auf deinem Auto!

Mir jedoch war das egal. Ich war gut gelaunt. Man könnte sagen, ich habe f-a-s-t durchgeschlafen. Sechs bis wohlwollende sieben Stunden! Der Trick lag in den drei Stunden Schlaf des Vortags. Unter dem Eindruck dieser guten Laune habe ich mich zu einem Wochenrückblick entschlossen.

Bisher habe ich solche Texten vermieden, hielt ich sie für langweilig. Was verständlich ist, denn ich habe meine Woche bereits erlebt. Aber dann fiel mir ein, dass ich selbst bei anderen gerne diese Art von subjektiv gefärbter Zusammenfassung oder Zusammenstellung diverser Themen gerne lese. Und vielleicht findet sich der eine oder andere Leser, dem mein Text gefällt. (Ich habe zwei Leser. Wenn dieser Text einem meiner Leser gefällt – also dir!, dann finden ihn 50% gut! Eine tolle Quote.)

Das tolle an diesem Format ist, ich kann hier über verschiedene Themen berichten, die ich nicht für einen einzelnen Blog-Post geeignet halte. Außerdem wird sich immer etwas bis zum Wochenende finden lassen, worüber ich etwas schreiben kann – so meine Hoffnung, aber warten wir noch auf die Enttäuschung.

In diesem Wochenrückblick geht es um die Oberflächlichkeit, Strategien auf Instagram und (Hass-)Kommentare auf Facebook zu einem meiner Artikel.

Here we go.

Persönliches

 Joggen. Ich war heute das erste Mal in diesem Monat und seit langem wieder mit einem T-Shirt laufen. Meine Performance war miserabel, aber das milde Wetter und der warme Wind ein Erlebnis.

Instagram

In dieser Woche hatte ich Urlaub und begann (erneut), täglich 2x auf Instagram Bilder zu posten: Morgens, mittags und abends. Ich glaube, das sind effektivsten Zeitpunkte, wo die meisten deinen Post sehen werden. Morgens nach dem Aufstehen beim Frühstück schauen viele auf ihr Smartphone, was ich persönlich nicht gut finde. Dann sollten die meisten wieder in der Mittagspause etwas Zeit zum Herumschauen finden. Anschließen nach der Arbeit zu Hause vor dem Fernseher auf dem Sofa.

Ich konnte Phänomene beobachten, von denen ich viele bereits von Twitter kenne:

  • Reproduktive Schönheiten
  • Abonnenten-zu-Likes-Ratio
  • Follow-Unfollow-Strategie
  • Reposts

Reproduktive Schönheiten. Ich nenne das »glatte Schönheiten«, da nichts davon haften bleibt. All diese schönen Bilder, die sich bis zur langweile wiederholen. Ich schaue mir das Bild von einem/r Influencer an bzw. Modeblogger (keine Ahnung, was die richtige Bezeichnung ist), bewundere das Aussehen und die Arbeit und klicke auf das nächste Bild. Eine andere Person in anderen Klamotten an einem anderen Ort, aber die gleiche glatte Schönheit. Dann klicke ich wieder weiter. Ich will nicht gemein sein (oder vielleicht doch), aber viele Bilder sind einfach nur austauschbar und künstlich aufgebauscht, nichts Individuelles. Nichts mit Ecken und Kanten. Diese Schönheiten sehen selbst nicht mal in der Realität so aus. Dennoch gibt es dort viele andere Menschen, Künstler, die außergewöhnliche Bilder machen. Mal schauen, wie lange ich es diesmal durchhalte.

Abonnenten-zu-Likes-Missverhältnis. 50.000Likes bei über 1 Million Followern. Ich bin mal auf die Accounts von so genannten Influencern gegangen. Was mir dort am deutlichsten auffiel und was sich bei allen anderen ähnlich verhält, ist das Missverhältnis zwischen der Anzahl der Likes und der Abonnenten. Meine grobe Schätzung ist, dass im Durchschnitt 5% der Follower aktiv sind, d.h. sie nur noch sporadisch auf Instagram sind, daher kaum mitbekommen, wenn jemand etwas postet. Da viele vielen Folgen, wird das hochgeladene Bild auch nicht mehr in deren Zeitleiste auftauchen, da es voll von aktuellen Bildern anderer ist.

Dieses Phänomen kenne ich auch bei Twitter. Wenig aktive Menschen wie ich haben dann eher eine 1% AzLM-quote.

Follow-Unfollow-Strategie. Eine Möglichlichkeit, diesem eben beschriebenen Missverhältnis entgegen zu wirken, ist so viele Follower wie möglich zu bekommen. Das reichen alleine nicht nur tolle Bilder. Die Leute müssen auch aufmerksam auf einen werden. Das erreicht man über das Liken von vielen Bildern in einem Account und/oder durch Kommentare und/oder dem Folgen. Bei Folgen hofft derjenige, dass man ihnen zurückfolgt. Das klappt bei einigen. Dann entfolgen sie einem wieder. Eine ziemlich dumme Strategie, weil sie nicht im Geringsten nachhaltig ist, denn es gibt unzählige Apps, um genau diese Entfolger herauszufinden.

Reposts. Neben der Uhrzeit des Postens eines Bildes spielt das Hashtag eine große Rolle. Daher habe ich Bild ein zweites Mal hochgeladen. Beim zweiten Mal gab es 3x so viele Likes und es folgten mehrere Follower. Bei der Reaktionszeit dieser Accounts frage ich mich, ob es sich nicht um Bots handelt.

(Hass-)Kommentare

Wenn der Postzusteller nur einmal klingelt. Die Dunkle Seite führt einfach und schnell zum Erfolg. Vor allem auf Facebook. Dort kommentieren gerne mal Menschen Artikel, um sich zu erleichtern und mit ihrem Müll andere zu beschweren. Der Witz daran ist, es hat die Zugriffzahlen für meinen Artikel erhöht.

Mein letzter Artikel »Das seltsame Gespür der Paketboten für Abwesenheit« führte bei einigen zu Irritationen. Das hatte ich schon beim Schreiben bedacht und entsprechend klarer oder übertrieben formuliert, aber anscheinend lesen einige Leute nur Worte und setzen sich daraus ihre eigene Geschichte passend zu ihrem Kommentar zusammen.

Der eine Teil war anmaßend bis beleidigend. Meinte, ich solle meinen faulen Arsch in eine Buchhandlung bewegen. Das ist völlig am Thema meines Textes vorbei und ist ein blödsinniger Kommentar (Randnotiz: Ich hatte ein Gutschein von Amazon). Das erinnerte mich an den Schlag von Menschen, die sagen, wenn du an Deutschland etwas auszusetzen hast, dann verpisst dich doch nach Hause. Also einfach ignorieren.

Dann gab es einen Teil, der sich über die Arbeitsbedingungen der Paketzulieferer echauffierte. Tatsächlich sind diese nicht in Ordnung. Auch das war nicht Thema meines Textes.

Im gleichen Zug mit den schlechten Arbeitsbedingungen ermahnten die gleichen Leute mich, an die Buchläden zu denken, an dessen Aussterben Amazon Schuld sei. Was ist mit dem Selfpublishing durch Amazon oder mit den Zwischenhändlern, die dank Amazon ihr Geschäft betreiben? Ok, wenn ich jetzt nicht mehr online bestelle, dann fallen doch die Arbeitsplätze der Paketzusteller weg, oder? War nicht auch das Internet der Tod aller Zeitungen und Verlage? Sind nicht die Supermärkte der Tod der Tante Emma Läden? Diese Liste kann man beliebig fortführend, in dem man irgendwelche Schlagworte wie Fernsehen, Radio, Computer, Kino, Netflix, Autos nimmt – es ist ein Potpourri aus groben Stücken.

Was mich aber völlig überrascht hat, war die Abwesenheit von jeglichem Humor und vom Verständnis für Ironie! Bei mir handelt es sich sogar um Selbstironie. Ok, sonst wären sie vermutlich zu solchen Kommentaren im Stande.

Doch es gab auch konstruktive Kommentare, so habe ich sie zumindest für mich interpretiert, weil sie mich zum Nachdenken gebracht haben. Denn ein paar Leser fragten nach dem Sinn des Textes. Eigentlich ist es schlechter Stil, seine eigenen Texte zu erklären, denn das sollte sich aus dem Inhalt erschließen, dann tat ich es doch und fand es selber nicht so schlecht, daher wiederhole ich diesen Text. Meine Erklärung beginnt mit einem Ausschnitt aus meinem Text:

»Beispielsweise kann ich noch so lange auf mein Bürostuhl sitzen, erst in dem Moment, wo ich meinen Platz verlasse, klingelt unerhört mein Telefon.«

Ich glaube, das ist schon vielen von uns passiert. Das Besondere, auf das ich abheben wollte, war, man erinnert sich nicht immer an die unzähligen Male als man bei dem Anruf im Büro anwesend war, sondern eher an das Klingen in Abwesenheit. Wenn jemand etwas Ähnliches erzählt oder einem selbst mehrfach passiert oder in einer anderen Situation sich »wiederholt«, dann kann es sein, dass mein ein Muster zu erkennen glaubt. Diese »Muster«, dass unser Gehirn als Hilfe detektiert, kann zu Fehlinterpretationen führen, die sich bspw. als Vorurteile etablieren. Wenn das Telefon z.B. klingelt, wenn man anwesend ist, löscht es nicht einfach die Erinnerung an das Vorherige, weil es zu sehr heraussticht. Beim Telefon im Büro ist das kein Thema, wenn es sich aber auf Menschen überträgt, dann kann es zu unangenehmen Vorurteilen führen.

Aus meiner Sicht besteht die Kunst, dieses Thema so zu verpacken, dass es indirekt als Inhalt wie im Paket des Postboten im Text mitgetragen wird, aber zugleich nicht thematisch einengt und weitere Interpretationsfreiräume für den Leser zulässt (sprich: Das Paket enthält im geöffneten Zustand für jeden etwas anderes und dennoch etwas Gemeinsames).

Hey du, hinterlasse doch einen Kommentar zu meinem Wochenrückblick, dann weiß ich, ob ich diese Reihe fortführen soll und wie ich es verbessern kann. Danke!

Ich wünsche dir einen schönen Start in die Woche.

5 Gedanken zu “Wochenrückblick 14|2018 – Joggen, Instagram & Hasskommentare

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