Instagram und die aufgehübschten Hühner

fxhakan on instagram
fxhakan on Instagram

»Heutzutage ist Aussehen so wichtig.«
»Du meinst wohl Bildung.«
»Ach ja, natürlich. Bildung ist so wichtig, wenn man kein Aussehen hat.«

***

Über die Osterfeiertage habe ich mir etwas vorgenommen, das ich im Grunde nicht einhalten konnte. Ich weiß, ein Anfängerfehler. Immerhin ging es nicht um das Bemalen von Eiern.

Auf meinen ungezählt vielen Festplatten stapeln sich eine erhebliche Zahl an ungezählter Fotos. Bestimmt Tausende. Wie jeder von uns, sammle ich die kostenbaren Momente durch zufälliges Herumfotografieren und nehme mir stets vor, sie irgendwann in einem digitalen Album zu verewigen und zu teilen. Am liebsten auf meinem Blog(!).

Pustekuchen!

Wem mache ich etwas vor, die Realität sieht anders aus. Sie begann allerdings vielversprechend.

Ich tat, was alle tun: Zuerst die Ordner mit Bildern durchsichten, mich aufregen, weil es so viele sind, dann die Besten auswählen, mich wieder aufregen, weil es zu viele sind und dennoch zu wenig, schließlich genervt die Order zuklappen, um sie wieder anzuschauen und doch ein paar auszuwählen, um mich wiederholt über die Bilder (eigentlich über mich) aufzuregen.

Während meine Bilder also im Nirgends dahindümpeln und auf Beachtung hoffen, passierte es: In einem unachtsamen Moment landete ich auf Instagram! Dabei habe ich keine Influencer (toi, toi, toi), aber einen Account! Ja, ich weiß, ich bin selbst von mir überrascht, aber ich war jung und…

Ich habe dort schon so lange einen Account, das ich nicht nutze, dass ich nicht sagen kann, wie lange schon. Moment, ich schaue mal nach… mein erstes Foto stammt vom 25.05.2014! Seitdem habe ich eher lustlos ein paar wenige Fotos von meinem Blog gepostet. Aber jetzt sollte es sich ändern. Also schaute ich mich zuerst um, ich bin nämlich schüchtern.

Beim Durchschauen der Bilder anderer Profile fiel es mir wieder ein, warum ich auf Instagram keine Lust hatte. Da Listen eine so tolle Übersicht geben, hier meine Auflistung der  Dinge, die mich an Instagram nerven.

Monotonie. Wohin ich auch klickte, gleichförmige Bilder von steriler Schönheit. Verwechsel- und austauschbar. Vielleicht liegt es an mir, dass ich die falschen Profile sehe.

Beschränktheit. Mich nervt die festgelegte quadratische Form, auch wenn sie für die Darstellung gut geeignet ist. Man hätte doch einen quadratischen Ausschnitt für die Voransicht wählen können. Dann funktioniert das Hochladen der Bilder nur über die App. Was soll das? Ich trickse herum und stelle meinen Browser um, dann kann ich meine Bilder über mein Desktop hochladen.

Privilegiert sein. Der Zugang zu Instagram ist kostenlos. Jeder kann sich dort anmelden. Wenn ich mir aber die Bilder anschaue, dann glaube ich, dass Instagram nur etwas für privilegierte oder wohlhabendere Menschen ist. Die Bilder sind sehr hochwertig. Bilder mit schlechter Qualität und Motiv haben kaum Chancen. Diese besseren Bilder erfordern eine gute Kamera, aufregende und wechselnde Orte, passende Outfits, ggf. Schminke etc.

Eltern. Das Ende von Facebook begann, als die Eltern die Plattform zu erobern begannen. Als ich in den letzten Tagen aktiver auf Instagram wurde, bekam ich diverse Likes von meiner Mama! Nicht nur, dass sie mir jetzt folgt, nein, sie hat mehr Likes und Follower als ich! Ähm, ja.

Zu spät. Was mich jedoch am meisten bei Instagram nervt, ist, dass es 20 Jahre zu spät kommt. Also damals, wo ich noch Aussehen hatte und es zum Star hätte bringen können. Stattdessen geriet ich durch Abi und Studium auf die schiefe Bahn und rutschte als Angestellter in einen regulären Job. Kein Start-Up. Keine App. Kein Ruhm. Keine Millionen. Keine Sorge, kurz vor der Verzweiflung bin ich falsch abgebogen und im Photoshop gelandet – der Schminke für Ungeschminkte, denn was ist die Realität? Auf Instagram ist sie nur ein geschönter Ausschnitt (übrigens scheint der ein Erfolgsfaktor zu sein). Jetzt bin ich zumindest eine Photoshopschönheit.

DU! Es gibt natürlich noch etwas, das mich sehr betrübt: Du. Du folgst mir nicht;-)

Natürlich gibt es auch Dinge, die auf Instagram Spaß machen, z. B. Bilder wie diese:

Ich habe in den letzten Tagen wieder angefangen, Bilder von mir hochzuladen. Das geht sehr schnell, und besonders das unmittelbare Feedback motiviert mich, weiter zu machen. Meine Bilder findest du hier auf Instagram

Schauen wir mal, wie lange wir es diesmal durchhalten.

4 Gedanken zu “Instagram und die aufgehübschten Hühner

    Reposts

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.