Affentheater oder Ein Gesicht voller Selfies


Das Licht der Sonne bricht kalte Schatten auf die Bühne und verleitet doch die Kamera zu achtlosen Momentaufnahmen. Klick.

Wer nicht aufpasst, erhascht auf seinem Schnappschuss eine lächelnde Makaken-Dame, über dessen Schulter eine Blaumeise überrascht und ein wenig pikiert in die Kamera schaut, während der Wurm sich in ihrem Schnabel um sein Leben windet. Und dann sind da noch all die Bäume im Hintergrund (die Kuh im Bild wurde völlig übersehen). Hat der Fotograf nun Persönlichkeitsrechte verletzt? Wenn ja, wessen? Oder gar alle anderen, die nicht auf dem Foto sind, diskriminiert? Klick.

Ich habe die Kommentarfunktion meines Blogs ausgeschaltet. Aus zwei Gründen: Zum einen möchte ich wegen des bevorstehenden DSGVOs keine personenbezogenen Daten auf meinem Blog speichern. Zum anderen kommentieren die meisten meine Artikel an anderer Stelle (Facebook oder Twitter). Eigentlich finde ich das schade, denn wie unterhaltsam und hintersinnig Kommentare sein können, zeigen die Einlassungen der Leser zum tagesschau.de Artikel »Affe hat kein Recht auf Copyright«. Wir ahnen beide, worauf das hier hinausläuft – es geht um die Tierrechtsorganisation(!) PETA und den indonesische Schopfmakaken Naruto. Klick.

In dem Rechtsstreit über die Bildrechte des Affen-Selfie hat ein US-Gericht ein vernichtendes Urteil gegen PETA gefällt. Im Artikel heißt es:

»Die Organisation sei im rechtlichen Sinne kein „enger Freund“ des Affen. Peta habe nicht nachweisen können, eine signifikante Beziehung mit ihm zu haben. Zudem hätten die Tierschützer einen Vergleich mit Slater geschlossen und dann vergeblich versucht, das Gerichtsverfahren einstellen zu lassen.

An diesem Vergleich war Naruto aber ausdrücklich nicht beteiligt. Peta habe wohl die eigenen Interessen vor die Narutos gestellt. Es sehe so aus, als nutze Peta Naruto als „ahnungslose Marionette“ zur Verfolgung ihrer ideologischen Ziele.«
(Quelle: tageschau.de, Stand 27.04.2018)

Der PETA Anwalt Jeff Karr kommentierte das Urteil in seinem Sinne, dass der Affe diskriminiert werde, nur weil er ein Tier sei. Sorry Jeff, er ist eine Sie.

Eine bessere Kommentarvorlage wie Jeff Karrs Diskriminierungsargument hätte man nicht geben können. Bis eben fanden sich 45 Kommentaren unter dem Artikel. Einige davon sind so gut, dass ich sie hier aufliste muss.

NeutraleWelt schreibt humorvoll und zugleich schwingt darin eine fatale Konsequenz mit, wäre das Urteil zugunsten PETAs ausgefallen:

»…Wo fängt es an, wo hört es auf? Als nächstes ist der Fotograf dran, der im Wald einen Vogel fotografiert?«

Warum, könnte man sich fragen, soll bei Tieren Schluss sein. Was ist mit den Rechten von Bäumen?!

Daher ist es nur konsequent, wenn Oliver D. in seinem Kommentar die Diskriminierung seiner Schildkröte, Pflanzen und Steine anspricht:

»…Der Affe werde diskriminiert, nur weil er ein Tier sei.  […] Ich werde demnächst das Wahlrecht für unsere Schildkröte beantragen, unseren Rhododendron einschulen lassen und für den Kieselstein aus unserem Vorgarten ein Bankkonto beantragen. Und wehe, jemand diskriminiert sie, nur weil sie Tiere, Pflanzen oder Steine sind. Das wäre echt voll fies.«

Seine Idee mit dem Bankkonto eröffnet neue Wege für Wirtschaft und Banken. Wenn Katzen erstmal ihre eigene Kreditkarte haben, werden sie die Welt endlich beherrschen – oder war das eine Maus?!

Apropos Mäuse und Katzen, Lutz J. findet es völlig unsinnig, dass Tiere diskriminiert werden, wenn sie nicht wie Menschen behandelt würden und gesteht eigene Versäumnisse ein:

»Ich habe übrigens gerade meine Katze diskriminiert, indem ich ihr den Besuch des Gymnasiums verweigerte.«

Ich finde auch, dass weder Tiere wie Menschen noch Menschen wie Tiere behandelt werden sollen. Allerdings geht es hier um die Rechte der Tiere und Ausnutzung der Tiere durch den Menschen.

Tada weist zu Recht darauf hin, dass PETA vom Affen keine Einverständniserklärung eingeholt habe:

»Ich finde es auch beschämend, dass Peta den Affen Naruto vorher nicht um Erlaubnis gefragt hatte.«

In Zeiten von DSGVO wäre ein Double-Opt-In schon wünschenswert.

Neben den lustigen Kommentaren tauchen auch direkt kritische Anmerkungen zu der Organisation PETA auf.

So meinte HGP Aachen, der Fall sei so absurd, dass PETA seine Glaubwürdigkeit als Tierschutzorganisation verliere.

In eine ähnliche Richtung geht der Kommentar von Kermit70:

»So verschwendet diese Tierschutzorganisation Spendengelder.«

Dieser Gedanke kam mir auch in den Sinn.

Aber es gibt natürlich auch nachdenkliche Stimmen, auch wenn derdickewisser ein wenig selbstironisch klingt, versucht er, eine andere Sicht auf die Motivation von PETA zu werfen:

»Sonderbar, welch einhellige Meinung bei bisher allen Kommentaren vorherrscht, die ich hier lese. […]Es geht, viel grundlegender, darum, ob auch ein hochentwickeltes Tier wie ein Primate Rechte besitzt, die eingeklagt werden können, oder ob sich die von Menschen gemachten Gesetzte tatsächlich nur auf Menschen anwenden lassen.«

Und was passiert, wenn Selfies dem Affen nicht mehr genügen und es plötzlich ein Werk wie »Hamlet« von William Shakespeare schreiben?

Und so sehen wir betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen

Aber morgen schon öffnet die Bühne wieder ihren Vorhang und spült ein neues Stück mit anderen Kreaturen. Ich hörte aus dem Abendlande von einem unbeirrten Kreuzritter aus dem Süden, der Kreuze an die Wand von Behörden nagelt und dessen Pläne angeblich von den Kirchen durchkreuzt werden.

PS. Der Gorilla auf meinem Titelbild ist ein Selfie von mir, als ich morgens vor dem Wachsein angesprochen werde.

 

Ein Gedanke zu “Affentheater oder Ein Gesicht voller Selfies

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