Mach mir den Ted Mosby!

Wenn ich gemein bin – und in Gedanken bin ich es häufiger, weil ich mich dann über mich und meinen Gedanken amüsiere – dann presse ich zufällige Geschichten so lange aus, bis alles Unnötige herausgequetscht ist und nur noch der Kern, also die Essenz dessen übrig bleibt. Als sich heute eine Folge von »How I Met Your Mother« auf meinem Fernseher verlief, war ich überrascht, das Folgen noch laufen können und sich nicht längst verrannt hatten bzw. Ted Mosbys Geschichte keinen Sinn mehr macht, nachdem er seine Traumfrau gefunden und glücklich am Ende der Serie lebte. Aber die Logik des Fernsehens folgt niemals meiner, daher – und ein wenig unter der Nachwirkung meiner Erinnerung über die Simulation von Romantik – folge ich meiner eigenen und verkürze die Geschichte des Ted Mosby zu einer eines erfolgreichen Frauenaufreißers (vielleicht gab es deshalb einen Barney Stinson, um das zu verdecken).

Zählt man über alle neun Staffeln und 208 Folgen seine Eroberungen (ich hab’s nicht getan), dann hat der sensible Ted mehrere Duzend Frauen vernascht, um es deutlicher zu sagen: flachgelegt, genauer: seriell flachgelegt (noch nie fand ich das Wort »seriell« passender als an dieser Stelle).

Über die Betten in das Herz oder doch umgekehrt?

Das klingt natürlich nicht nach Ted Mosby, denn er vermarktet sich besser. Seine Geschichte erzählt von seiner langen Suche nach der Liebe seines Lebens. Sein unbändiger Glaube daran lässt ihn niemals aufgeben und immer weiter suchen. Er gleicht dem Prinzen, der seine Prinzessin sucht, ohne dabei ein Schuh in der Hand zu halten oder andere märchenhafte Hilfsmittel zu haben, die ihm bei seiner Suche helfen könnten. Er trägt lediglich sein Herz und das am rechten Fleck.

Ohne dieses hehre Ziel wäre er nur ein Mann mit vielen Bettgeschichten.

Ich will ihn nicht schlecht reden, nur irgendwann ging mir seine verträumt-verständnisvolle Art auf die Nerven – ein Leiden, das ich mit seinen Kindern auf der Couch teilen durfte. Auf mich wirkte er irgendwann nur noch naiv und langweilig, als kannte seine Platte nur einen Song, den es endlos abspielte. Und genau das, dieses nicht Vorankommen – oder genauer gesagt – das sich nicht weiterentwickeln der Figur machte für mich die nachfolgenden Folgen flach.

Am Ende – Die Frau fürs Leben

Vielleicht liege ich falsch, denn ich saß nie regelmäßig auf der Couch, schaute nur sporadisch vorbei. Aber zum Ende hin enttäuschte mich die Serie. Er lernte seine Frau kennen. Alles zielte nur auf diesen Moment hin, einem magischen, zauberhaften Moment, der ein Feuerwerk hätte entfachen sollen. Ich dachte nur: Das also soll DIE Frau sein?! Ähm, ja. Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Und dann kam es noch anderser (die Steigerung von anders), weil – Achtung Spoiler! – Tracy unter einer ominösen Krankheit verstarb und damit die eigentliche Liebe Teds zum Vorschein brachte: Robin Scherbatsky. Eine Verlegenheit- bzw. deus ex machina Wendung, allerdings nicht von Göttern, sondern von uninspirierten Schreibern, die von weiteren Folgen plötzlich überrascht wurden.

Ehrlich, wäre es nicht schöner gewesen, wenn Ted eine der (Dauer-)Freundinnen zur Frau genommen hätte?

Ich hätte es spannender gefunden, herauszufinden, welche der bekannten Frauen zu seiner Frau/Liebe geworden wäre. Vor allem, wie es dazu kam – gehofft hatte ich auf eine Verstrickung von zufälligen oder schicksalshaften Ereignissen und Begegnungen, die wie miteinander verbundene Fäden die Serie durchziehen und zum Ende hin zu einem flauschigen Wollknäul zusammenlaufen und so im Rückblick alles einen Sinn ergibt.

Aber so war für mich jede vorangegangene Folge ein loser Faden, der herausgezogen nicht zum Ausfransen und Auflösen von Irgendetwas führt. Der Weg war zwar das Ziel, ob Ted Mosby rechts oder irgendwo links abbog, spielt keine Rolle. Genauso wie der Weg austauschbar für mich ist, genauso hätte er eine andere treffen können, bis er irgendwann sich einredet: Das ist die Richtige!

Die einzige Wendung, auf die ich gehofft hatte, weil sie am Ende wirklich Sinn macht, war, dass Barney Stinson plötzlich in die Kamera lächelt und begleitet vom überdrehten Klang Mozarts Rondo alla Turca sagt: Für die Darstellung des Ted Mosbys braucht man Folgendes… (angelehnt an den »Lorenzo Von Matterhorn«)

Der Blickwinkel

Jede Geschichte hat ihre Perspektiven und verschiedene Lesarten, die vom Betrachter abhängen und vielleicht mehr über den Betrachter sagen als über das Betrachtete. Und jede davon hat auf seine Art seine Berechtigung.

Egal, unter welchem Vorsatz Ted Mosby handelte, misst man sein Verhalten anhand bestimmter Kennzahlen, dann würden die Zahlen eine andere, weitere Geschichte erzählen. Natürlich kann sich jeder selbst fragen, inwieweit das Herunterbrechen und Reduzieren auf Zahlen (also das Operationalisieren) legitim ist und dem Menschen gerecht wird. Nur leben wir in einer Welt, wo laut Yuval Noah Harari die neue Religion der Dataismus bestehende Religionen ablöst und unser Leben bestimmt.

Ich glaube, jeder Held in einer erfolgreichen Serie (und auch im Leben?) braucht eine überzeugende Geschichte – oder besser, einen Plan, eine Mission, den er entgegen aller Widrigkeiten des Lebens gezielt verfolgt. Denn sonst ist er weit weniger als ein Nichts. Vor allem, wenn der Held den Weg durch die Betten der Frauen geht. Ohne Geschichte ist er nur ein krankes, oberflächliches Arschloch, ein Macho, ein Charlie Harper mit Bindungsstörung und Mutterkomplex (übrigens bin ich ein Charlie Harper Fan!).

Die Geschichte zählt, die man sich überstülpt und erzählt. Ted Mosby konnte das sehr gut, weil er selbst fest daran glaubte. Wer gute Geschichten erzählt, der bringt Menschen zum Träumen und weckt Hoffnungen, Begierden und natürlich Erwartungen. Also alles, wovon auch ein Blog träumt (in Vertretung für seine Autoren).

4 Gedanken zu “Mach mir den Ted Mosby!

  1. Hallo,
    ich habe How i met your mother relativ begeistert geschaut (was aber auch daran liegen mag, dass meine Freunde richtige Events aus den Erstsendeterminen der neunten Staffel gemacht haben) und finde deinen Artikel trotz meiner Begeisterung für die Serie super! Du hast so recht mit deiner Sichtweise auf ted, dass ich nicht anders kann als dir zuzustimmen. Trotzdem denke ich, dass die Serie halt nicht so unfassbar ernst gemeint ist. Ich glaube, das ganze tiefsinniger und vielschichtiger zu gestalten, hätte es zu einer ganz anderen Serie gemacht. Einer die nicht millionen Menschen einfach so nebenbei schauen, sondern zu einer, die man vielleicht sogar zu Kuschelabenden voller Spannung weiterschaut. Doch so eine Serie ist es nunmal nicht 😀

    1. Hallo Scarlet,
      vielen Dank für deine netten Worte! Ich nehme nichts ernst, nicht mal mich selbst:-D
      An sich fand ich die Serie nicht schlecht, wenn ich vereinzelt zufällig eine Folge sah. Vor allem Barney finde ich immer noch super (wundert mich, dass er keinen Spin-off hatte). Wenn ich aber mehr als eine Folge in zu kurzer Abfolge sah – und je nach Gemütslage – langweilte oder nervte mich die geringe Variation des immer Gleichen zu sehen.

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