Essen im Übermaß oder Verfressene Weihnachten

Nach der Hektik der Vorweihnachtstage kehrt ein wenig Ruhe ein. An den besinnlichen Tagen, wenn die Menschen gemeinsam um den Weihnachtsbaum oder beim Essen sitzen, scheint sich die Welt langsamer und leiser zu drehen.

Als Kind mochte ich diese besondere Atmosphäre mit ihren funkelnden Lichtern in einer winterlichen Landschaft, in der sich Zimt mit frisch gebackenen Keksen vermischte, während im Fernsehen Klassiker liefen, zumeist schwarzweiß (vor allem Miss Marple). Meine Eltern stellten keinen Weihnachtsbaum auf oder feierten Weihnachten, doch um uns Kindern eine Freude zu machen, bekamen wir Geschenke. Noch heute respektiere ich diese Tradition und nehme gerne Geschenke an!

Weihnachten feiere ich heute nicht mehr aktiv. Es ist vielmehr ein heiteres Rauschen im Hintergrund wie angenehme Fahrstuhlmusik, das mich über die Tage begleitet und gute Laune verbreitet (solange nicht das zulässige Maximalgewicht annähernd erreicht oder gar überschritten wird). Über Geschenke freue ich mich immer noch. Nur als Erwachsener werde ich mehr und mehr zum (Ver-)Schenker als Beschenkten. Eine weitere merkwürdige Verschiebung findet satt: An die Stelle von Geschenken tritt übermäßiges Essen – oder kommt mir das nur so vor? Ich war auf jeden Fall dabei.

Es geschah am Montag dieser Woche, erster Weihnachtstag. Gegen meinen Willen. Die liebe Bella hatte eingeladen, Pizza gebacken und mit Sucuk belegt. Sucuk ist eine sehr leckere, perfekt gewürzte türkische Knoblauchwurst, der sogar auf einem ausgefransten orientalischen Teppich verführerisch schmecken würde. Ich hatte also keine Chance! Außerdem war das eine Ausnahme (wie an jedem Feiertag? Da fällt mir ein: Türkeiurlaub mit Freunden in einem »all you can eat«, ups, ich meinte »All-Inclusive« Hotel).

Ich aß an diesem Montag so viel, dass ich bestimmt Dehnungsstreifen an meinem Bauch produziert habe (vielleicht waren es auch die Bauchmuskeln, die gewaltsam durch das Essen nach außen gepresst wurden). So voll ich auch war, Platz für Süßes hatte ich trotzdem. Wer kann schon »Nein« zu den wunderbar duftenden Plätzchen seiner Patenkinder sagen. Hätte Bella noch Kuchen oder gar eine 7-stöckige Torte aufgetischt, bin ich mir sicher, wir hätten auch sie Ebene um Ebene niedergerissen und komplett verputzt.

Dieses Überfressen hatte Folgen. Ich war so voll, dass ich die halbe Nacht nicht einschlafen konnte. Nach 3 Uhr morgens schien mein Körper das Gegessene verdaut zu haben oder die Müdigkeit war stark in mir. Ich schlief endlich ein. Was mich jedoch nicht vom frühen Aufstehen abhielt (hallo, ich heiße Hakan und bin Frühaufsteher).

Am Dienstag aß ich im Ausgleich dafür den ganzen Tag nichts weiter als eine Scheibe Brot, dekoriert mit nussig-mildem Käse. Eigentlich hatte ich keinen Appetit. Später kamen trotzdem ein Hauch von Schokolade (halbe Tafel) und ein bisschen Keks (halbe Packung) hinzu, die aber zählen nicht.

Wann hattest du zuletzt Hunger?

Ich weiß nicht, woher dieses maßlose Überfressen herrührt. Seitdem ich intervallfaste, fühle ich mich viel schneller voll(-gefressen). Eigentlich esse ich nie viel und doch, wenn ich darüber nachdenke: In meiner Erinnerung habe ich mich häufiger überfressen als Hunger gehabt.

Hunger kenne ich nur vom freiwilligen Fasten oder etwas unfreiwilligem Warten bis zum Mittag bzw. bis das Essen warm wird. Mein Hungergefühl hielt nie länger als wenige Stunden an. Noch nie im Leben musste ich über mehrere Tage hinweg hungern.

Im Gegensatz zu Menschen, die morgens aufwachen und nicht wissen, ob sie am selben Tag noch etwas zu essen bekommen, beschäftige ich mich mit der Frage »Was esse ich denn jetzt?«, die einer zu großen und zumeist ungesunden Auswahl an Nahrungsangeboten geschuldet ist.

Esst mehr Kuchen!

Als die französische Königin Marie Antoinette den Armen empfahl, Kuchen zu essen, verlor sie für einen Moment ihre Contenance und dauerhaft ihren hübschen Kopf. Damals hätte niemand ahnen können, dass der ihr zugeschriebener Rat ein Vierteljahrhundert später von den Menschen befolgt werden würde.

Ich bin nicht dick oder übergewichtig, eher sportlich. Doch ich merke, wie mit zunehmendem Alter meine Waage in die falsche Richtung sich neigt und zu kippen droht, wenn ich nicht auf meine Ernährung achte. Schuld daran ist der Salat, der nicht so gut schmeckt, so dass ich zu Alternativen greifen muss (ja, mein Körper zwingt mich dazu).

Und es geht nicht nur mir so. Leider mit realen Gewichtsproblemen.

Gewichtszunahme – Das Gesundheitsproblem der Gegenwart

Während ich mit unangenehm vollem Bauch saß, las ich zufällig von den steigenden Problemen mit der Fettleibigkeit und war über die Zahlen so erstaunt, dass ich zu googeln begann.

Von 1980 bis 2015 hat sich der Prozentsatz fettleibiger Menschen in über 70 Ländern verdoppelt. »Übermäßiges Körpergewicht ist eines der schwierigsten Gesundheitsprobleme der Gegenwart«, wird dort der Forscher Ashkan Afshin vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) zitiert. Laut Studie seien 2,2 Milliarden Menschen übergewichtig, davon über 700 Mio. Menschen Fettleibigkeit (Adipositas). Im Jahre 2015 starben ca. 4 Millionen Menschen an den Folgen ihres Übergewichts.

Während also – glücklicherweise – der Hunger auf der Welt zurückgeht (leider 2017 erstmals wieder gestiegen), steigen die Zahlen am anderen Ende. Es ist sogar so, dass auch in vielen Entwicklungsländern gleichzeitig die Unterernährung bei den Armen und die Fettleibigkeit bei den Reichen zunehmen.

In absehbarer Zeit werden weltweit mehr Menschen an Übergewicht und deren Folgen leiden als an Hunger – bevor es missverstanden wird, diese Menschen hungern nicht, weil die anderen zu viel essen, so einfach ist das nicht.

Zucker, Salz und Kohlenhydrate sind also die Stoffe, die wir in Zukunft fürchten müssen. Ich muss das Erstere und Letzte reduzieren.

Nachtisch

Nach dem festlichen Mahl bekam ich ein originelles Weihnachtsgeschenk. Ich revanchiere mich mit einer Essenseinladung. Vielleicht versuche ich einen kaiserlichen Salat. Mit leckerem Dressing. Und Hühnchenstreifen…

photo by pixabay

Quellen & Links

Tagesanzeiger online: Vier Millionen Menschen sterben an Übergewicht
URL: https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Vier-Millionen-Menschen-sterben-an-Uebergewicht/story/22350985, Stand 28.12.2017

World Food Programme: Hunger – Zahlen & Fakten
URL: http://de.wfp.org/hunger/hunger-statistik, Stand 28.12.2017

3 Gedanken zu “Essen im Übermaß oder Verfressene Weihnachten

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