Burnout mit WhatsApp

Entspannt sitzt Hagen Rether bei Freunden am Tisch als deren 14/15-jähriger Sohn mit dicken Ringen unter den Augen hereinkommt und für Erstaunen und Entsetzen sorgt. Der junge Mann hatte einen Fehler begangen: Während seines Sports hatte er »für zwei Stunden sein Smartphone ausgehabt. Jetzt hat er es wieder angemacht und hat 250 WhatsApp Mails.«

Allein vom Zuhören war Hagen Rether fertig.

Vorspiel

Hauptakt

Wer jemals Mitglied einer [Männer-]WhatsApp-Gruppe war, der weiß, wie sich sinnentleere Nachrichten massenhaft auftürmen und sich der unerwartet reich beschenkte fühlen muss: manchmal verwirrt, ein wenig überfordert, häufig verärgert und irgendwie abgehängt – ich baumle am Humorgalgen über Lachen und Leiden.

Auch ohne Gruppen mit Massenspam wächst der soziale Druck auf WhatsApp, wenn jemand nicht sofort reagiert. Dafür sorgen die (ich nenne sie Stalker-)Funktionen, die die meisten auch abgeschaltet haben. Die blauen Häkchen, wenn eine Nachricht gelesen wurde. Der Status, wann man zuletzt online war oder für Hartgesottene: das Feature, das man nicht abschalten kann: »online«.

Wer also ausdauernd oder krank ist oder Glück hat (je nach Sichtweise), kann durch Zufall oder gewollt sehen, wenn jemand gerade sich auf WhatsApp aufhält.

Die beste Art, nicht zu kommunizieren, ist also direkt WhatsApp zu nutzen. Seitdem es WhatsApp gibt, seitdem telefoniere ich viel weniger mit den Menschen – eigentlich schade.

Was mit einem 2 minütigen Telefonat geklärt werden könnte, zieht sich dann unnötig über diverse Mitteilungshäppchen über die Zeit in die Länge – eine Art (ungewollte) Zermürbungstaktik –, so dass man leicht vergessen kann, worum es in der ursprünglichen Nachricht ging oder keine Lust mehr hat.

Daher schätze ich WhatsApp. WhatsApp ist die beste Art, zu kommunizieren ohne kommunizieren zu müssen!

Wer denkt, per WhatsApp würde man Dinge besser, schneller besprechen, der werfe als erster einen Vorschlag für ein Treffen in eine (große) WhatsApp-Gruppe: Am Ende der Nachrichten geht entweder der Termin, der Ort oder der Inhalt verloren. Denn irgendjemand fragt, warum man nicht an einem anderen Tag sich treffen möchte. Ein anderer findet die vorgeschlagene Location doof. Ein weiterer nutzt die Nachricht als Witzvorlage und sendet Bilder oder megabytegroße Videos… bis irgendjemand fragt, ob man denn nicht etwas völlig anderes machen könnte. Nein, da kann ich nicht.

Abspann

»Es hilft nichts, wenn du schlau bist, wenn du doof bist.«
Hagen Rether

Scherz beiseite, WhatsApp hat seine Vorzüge, man muss sie nur zu nutzen wissen, z.B. für eine Kita-Gruppe oder andere Gruppen von Eltern, habe ich mir sagen lassen…


3 Gedanken zu “Burnout mit WhatsApp

    Reposts

    • Hakan von C

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