Einen Aufreger mit Morgenverkehr zum Wachwerden, bitte!

Bielefeld an einem beliebigen Werktag. Aus einem unruhigen Schlaf wachte ich viel zu früh auf, während mein Wecker noch ahnungslos schlummerte. Ich ließ ihn weiterschlafen, denn der konnte nichts dafür. Er hat auch keine andere Wahl, wenn ich ihn abends stelle (hatte ich denn eine?).

Manchmal, dachte ich mir, will der Wecker mich doch nur mit seinen verzweifelten Schreien vor den Gefahren des Tages warnen. Aber ich hörte nicht auf ihn und lief schlaftrunken durch den lauernden Morgen mit Verkehr.

Paradoxerweise verführte mich mein viel zu frühes Aufwachen zu einer Langsamkeit an dessen Ende ich morgens viel länger brauchte als sonst. Es waren nur wenige Minuten mehr, aber sie reichten, um in den aufregenden Morgenverkehr zu kommen.

Dann reihte ich mich ein und beobachtete den besonderen Tanz auf der Straße: ungeduldige Fahrer mit ihren kläglichen Versuchen, durch Überholmanöver, Spurwechsel oder was auch immer, Sekunden auf der Uhr zu gewinnen. Das hatte ich bereits hinter mir.

Und doch gab es noch einige Situationen, die es noch immer schafften, kurzfristig Adrenalin in meine Adern zu pumpen. Erfreulicherweise, denn als Kaffeeersatz war das gar nicht mal so schlecht.

Wie an jenem Morgen. Zu meinen morgendlichen Fahrten zur Arbeit gehörte neuerdings das Einfädeln in eine Spur. Etwas, das nichts mit Nadel und Faden zu tun hatte und das so urplötzlich und überraschend wie ein unheilvolles Ereignis über die Fahrer kam, dass manche von ihnen unter transienter globaler Amnesie litten und sich nicht mehr an das Reißverschlussverfahren erinnerten.

Dann – aber auch nur dann – war es völlig in Ordnung, der Verengung der Spur so eng wie möglich zu folgen. Dabei dem Autofahrer neben sich dicht genug aufzufahren, dass sich die Außenspiegel wie unerfahrene Teenager fast schüchtern küssten. Ich hupte verärgert, um dem Fahrer zu verdeutlichen, dass ich seine behutsamen Annäherungsversuche nicht wollte.

Diese suspekten Annäherungsversuche wiederholten sich erstaunlich oft, so dass ich bereits nach kurzer Trainingsphase bereit in Sichtweite der Verengung wie ein konditionierter Pawlowscher Hund mit Stress und Anspannung reagierte und mein Körper bereit zum Beschimpfen des Fahrers war.

Ja, bis ich diesen Postillon Artikel las: »Autofahrer zu blöd für Reißverschluss: Jetzt kommt das Klettverschluss-Verfahren«.

Seitdem hat der Postillon meine Gedanken infiziert. Klettverschluss-Verfahren! Jetzt konnte ich nicht mehr sauer sein oder mich wunderschön über die Unfähigkeit einiger Fahrer beim Reißverschlussverfahren aufregen. Stattdessen lachte ich an dieser Stelle im Auto. Aneinandergeklebt wie verliebte Paare. Es fehlen nur noch die Jack Wolfskin Jacken.

Für meine Mitfahrer dürfte dies ein sonderbarer Anblick sein und hoffentlich wirkte ich dabei ein wenig verrückt oder irre, dass einige abgeschreckt mehr Abstand zu mir hielten.


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