Wenn Worte fehlen oder Kinder klauen nicht im Kindergarten

Für die Eltern sind ihre Kinder makellos und die Besten der Welt. Sie wohnen direkt auf den Wolken gleich neben den Engeln (mein Bruder und ich gehörten eher zu den süßen Teufelchen, aber das ist eine andere Geschichte). Und obwohl dort oben die Eltern nichts zu suchen hatten, fielen eben jene aus allen Wolken, wenn ihr Kind etwas wie derbe Schimpfwörter oder auch andere Mitbringsel aus dem Kindergarten mit nach Hause brachte.

Anna lachte etwas verlegen, als sie mir von ihrer 4-jährigen Tochter erzählte, die Spielzeug erneut aus dem Kindergarten mitgenommen hatte. Vermutlich fühlte sie sich im ersten Moment schuldig wie alle Eltern oder fragte sich, ob sie bei der Erziehung etwas falsch gemacht hätte.

Sie hätte ihrer Tochter erklärt, dass sie nicht die Sachen aus dem Kindergarten mit nach Hause nehmen könne, denn sie gehörten dem Kindergarten.

»Hast du das verstanden, Schatz?« Die Tochter hätte genickt. Doch eben fand Anna wieder ein Spielzeug in der Tasche ihrer Tochter und reagierte im ersten Moment besorgt.

Mir fiel ein, dass Kinder aus dem Kindergarten Spielsachen mit nach Hause nahmen, um dort weiter zu spielen. Kinder verstanden das Konzept vom Eigentum erst ab dem 4ten oder 5ten Lebensjahr. Daher konnte niemand vom Klauen sprechen.

Während die Tochter seltsam leise und mit konzentriertem Blick sich um die Beine ihrer Mutter schlängelte, denn sie hatte sofort verstanden, dass über sie geredet wurde, lachte Anna abermals und fuchtelte nervös mit etwas Gelbem in der Hand herum. Was war das?

Schatz, hätte sie gesagt, wir hatten doch darüber gesprochen, du darfst kein Spielzeug aus dem Kindergarten mitnehmen. »Weißt du, was sie mir daraufhin geantwortet hat?«

Sie blickte mich herausfordernd an.

»Ja, aber Mama…?« Ich neigte fragend den Kopf. Negieren und Nein-Sagen, glaubte ich mich zu erinnern, waren die Stärken von Kindern in ihrem Alter.

»Fast«, sie lachte wieder und ihr Lachen wirkte gelöster.

Sie streckte ihrem Arm zu mir aus und präsentierte das gelbe Teil in ihrer Hand. »Da!«

»Was ist das?« Ich nahm an, dass es sich um das Spielzeug handelte, aber war mir nicht sicher. Es sah merkwürdig aus. Kantig mit Löchern. Es hätte ebenso gut Deko für Extrovertierte sein können.

Jetzt lachte sie triumphierend.

»Sie nahm das Spielzeug mit, weil sie nicht wusste, wie es heißt und mich danach fragen wollte.« Sie machte eine erneute Pause.

»Ähm, wie heißt es denn?«

»Ich-weiß-es-nicht! Kannst du dir das vorstellen?! Ich sagte: ›Dingsbums!‹« Und sie brach in ein Lachen aus, in das wir alle einstimmten.

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