Eine kleine Hoffnung mit großer Enttäuschung, bitte!

Wie jede unerfüllte Hoffnung endete meine als Enttäuschung und verblasste am Ende zu einer ernüchternden Realität, die schmerzhaft für mich war.

Die Hoffnung erinnerte mich an einen Anglerfisch, auf dessen Kopf ein Köder wunderschön wie ein Irrlicht leuchtete und die Sinne blendete. Das dicke Ende kam zum Schluss. An meiner hing noch eine weitere Überraschung: eine unerwartete Wendung.

Spanien im Sommerurlaub.

Der Charme der Großraumdisco langweilte mich. Ich interessierte mich vielmehr für Stephanie. Klein, frech, mit wilden kurzen Haaren. Sie trug immer Hotpants und dazu Boots mit offenen Schnürsenkeln. Ein eigenwilliger Stil, vor allem im Sommer im Süden. Ich lernte sie im Urlaub kennen und fand sie, wie alle Männer, die ihr über den Weg liefen, heiß.

Sie hingegen nannte mich süß. Was so viel bedeutete wie, ganz nett.

Ich ließ mich davon nicht beirren. Wir waren im Urlaub. Sonne, Strand, Partys. Irgendwann würde einer von uns genug trinken und Yolo! Ich hoffte, sie würde das sein. Das war mein genialer Plan.

»Das ist scheiße hier, lass uns gehen.«

Die grellen Lichter, die laute Musik, eine Masse von tanzenden Leuten. Sie alle heizten die Disco unerträglich auf. Irgendwann sollte kühlender Schaum auf die Tanzfläche gespült werden. Ich war müde und nasse Klamotten waren das Letzte, was ich noch brauchte. Ich wollte raus. Am liebsten mit ihr alleine.

»Ok«, sagte sie.

Ihre überraschende Antwort war wie ein Kick. Ich wurde hellwach und begann zu hoffen. Mein Herz klopfte um die Wette mit den Bässen, die durch die Menge jagten und Körper durchdrangen.

Während wir uns durch die Menge hindurch zur Tür bewegten, berührte ich sie sanft an der Hüfte, so als wollte ich ihr hinaus helfen. Sie fühlte sich großartig an. Und als wir kurz vor der Tür angelangten, konnte ich mein Glück kaum fassen. Das klingt blöd, denn das hatte nichts zu bedeuten.

Aber damals war es mir egal. Ich genoss diesen Moment mit ihr. Und wer weiß, was draußen noch alles passieren konnte. Gemeinsames Liegen am Strand, begleitet vom Rauschen des Meeres, während wir in den Himmel schauten und die funkelnden Sterne bewunderten. Ich konnte bereits das Salz des Meeres schmecken. Ja, wir lagen da, atmeten leise die Nacht ein und flüsterten uns süße Worte zu. Das klang so romantisch und machte ich ein wenig geil.

In diesem abgelenkten Moment, sah ich nicht das Unglück auf mich zukommen.

»Wohin geht ihr?«

Ihre Freundin Sandra hatte uns zufällig entdeckt. Sie hatte auch keine Lust mehr auf diesen Ort. Verdammt! Ich war sauer auf sie, auf mich, auf alle. Wieso konnte sie uns nicht alleine lassen? Wieso konnte ich nicht sagen, dass wir alleine sein wollten? Die Antwort kannte ich nur zu gut.

Das »Wir« existierte nur als ein Traum in meinem Kopf. Trotzdem hätte ich den Mut aufbringen sollen, es auszusprechen. Stattdessen schaute ich wohl entsetzt, dass Sandra mich fragte, ob es mir gut ginge.

Toll! Ich ging hinaus, umrahmt von zwei süßen Mädels. Das gab bestimmt ein tolles Bild nach außen.

Immer, wenn ich Sandra anschaute, dachte ich sofort an Monchichis, das ich immer knuddeln wollte. Hätte sie keinen Freund gehabt, von dem sie andauernd sprach (warum machte sie dann keinen Urlaub mit ihm?), hätte ich versucht, auch bei ihr zu landen. Ja, wir Männer ticken manchmal einfach. Wobei ich nicht genau wusste, ob zwei Mal keine Chance als höhere Chance galt als nur ein Mal. Ich war, wie es so schön hieß, zwei Frauen von einem Dreier entfernt.

Die Luft draußen war angenehm kühl und klar. Das tröstete mich kein Stück. Ich war zu sehr mit meiner Wut beschäftigt. Ich überlegte, wie ich Sandra loswerden konnte. Doch mein Kopf hatte keine Lust mehr, sich Gedanken zu machen. Es hatte meinen Körper mit Glückssignalen vollgemüllt und ein anderes Programm gestartet, das nur noch durch einen harten Reset gestoppt werden konnte.

Oder, das Programm führte in der falschen Realität zu einem Absturz.

Sandra und Stephanie. Beide Namen begannen mit einem »S«. »SS«. Mein Name begann mit »H«. HaSS! Die Gedanken in meinem Kopf schienen absurde Wege zu gehen.

»Hola chickaaaaas!«

Was?! Wieder war ich unachtsam und bemerkte die beiden Typen nicht, die an uns vorbeigingen. Einer von ihnen stierte gierig zu den beiden Mädels herüber.

»Schnauze!« Ich schrie das Wort in die Dunkelheit. Seine gedehnte und schmutzige Aussprache machte mich richtig sauer. Und während ich mich über mich selbst wunderte, weil ich mich mehr aufregen konnte als angenommen, verspürte ich ein Brennen in meiner linken Wade.

Ich drehte mich um zu einem Wortnebel aus spanischen Flüchen, in denen Fetzen von »cabron«, »hijo de puta« und eine Menge anderer Dreck herumwirbelten. Ich blickte in ein Gesicht zum Hineinknien mit einem Mund, aus dem die Worte viel zu schnell herausdrangen und zu wenig Platz hatten: Ein ständiges Öffnen und Schließen wie bei einem stinkenden Fisch an Land.

Wenn auch nur eine Spucke mein Gesicht berührt, dann…!

Ich war nicht mutig. Einfach nur gedanklich zu weit entfernt und körperlich angestaut mit Wut. Natürlich wollte ich keine Schwäche vor meinen Mädels zeigen. Der Typ war eine schwächliche Witzfigur. Das Brennen in meiner Wade, wurde mir klar, war sein Tritt von hinten in meine Beine gewesen.

Aber dann sah ich mir den anderen Typen an. Er schaute ganz ruhig zu. Sein Blick war fest, bestimmt. Der konnte eine Gefahr sein. Menschen wie er verströmten etwas Beunruhigendes und machten mir eher Angst. Irgendetwas sagte in mir, der kann kämpfen.

Ich blieb ruhig, aber innerlich verwandelte sich meine Wut in Angst. Das war meine Nacht der Emotionen. Yeah! Das hatte ich mir anders vorgestellt. Gewalt und Sex schienen sich bei uns Männern sehr nahe zu sein. Schöne Scheiße!

Der Schwächling lauerte diesen Momenten entgegen, um sich darin groß zu machen. Er wollte auf mich losstürmen als Sandra zwischen uns sprang. Daraufhin hielt ihn sein Kumpel fest und zog ihn in die andere Richtung.

Ich schaute ihnen nach, bis sie zwischen den Lichtern in der Dunkelheit verschwanden, aber meine Gedanken wirbelten um Sandra. Sie hatte sich vor mich geworfen, um mir zu helfen, dabei riskiert, selbst etwas abzubekommen! Unfassbar! Und ich Idiot hatte sie und Stephanie durch mein egoistisches Verhalten in Gefahr gebracht!

Apropos Stephanie – ging es ihr gut? Sie stand abseits, rauchte teilnahmslos eine Zigarette. Ich sah ihrem Zigarettenrauch nach, wie es aus ihr entwich und sich in der Nacht auflöste.

Ich war ihr egal.

photo by pixabay


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