Die Kunst mit einer Ananas Kunst zu machen

Wenn du auf eine Kunstaustellung gehst, dann nimm immer eine Ananas mit! Denn die Ananas ist die Königin unter den Früchten und unglaublich vielseitig wie wandlungsfähig. Während sie im Supermarkt die Rolle einer exotischen Frucht mimt, verwandelt sie sich auf der richtigen Kunstausstellung in ein Kunstwerk.

So geschehen als die Studenten Ruairi Gray und Jack Lloyd eine Ananas in die Kunstausstellung »Look Again« mitnahmen und sie dort aus Spaß platzierten.

Eigentlich wollten die beiden ihren Freunden einen Streich spielen. Als sie nach vier Tagen die Ausstellung wieder besuchten, befand sich zur ihrer Überraschung ihre Ananas nicht im Müll, sondern unter einer Glasvitrine. Die Ananas wurde ein Teil der Ausstellung und damit ein Kunstobjekt.

Etwas Ähnliches plante ich auch, allerdings mit Literatur.

Ein weiterer Kunstgriff

Irgendwann in meinem Leben möchte ich ein Buch schreiben und bei einem Verlag einreichen.

Für den Fall, dass mein mühselig erstelltes Kunstwerk abgelehnt werden sollte, plante ich meine Rache (um mir selbst die Angst zu nehmen).

Ich würde eine Passage aus einem bedeutenden Werk von Thomas Mann oder Robert Musil einreichen (beides bedeutende Schriftsteller). Wenn der Verlag auch diesen Text ablehnen würde, könnte ich zeigen, dass mein Text nicht wegen seines Inhalts abgelehnt wurde, sondern weil ich ein unbekannter Künstler war!

Bevor ich das tun konnte (das Buch wartet immer noch auf den Text), erzählte Prof. Dr. Jörg Drews in einer seiner Vorlesungen zur Einführung in die Literaturwissenschaften eine Anekdote, die sinngemäß wie folgt ging.

Ein findiger Journalist wollte Verlage auf ihr Wissen und Können testen (bekannt als investigativ).

Sein Idee: Er wählt eine Passage aus dem umfangreichen Werk »Der Mann ohne Eigenschaften« von Robert Musil aus und schickt sie einem bekannten Verlag.

»Der Mann ohne Eigenschaften« war nicht irgendein Buch, sondern zählt zu den bedeutendsten Romanen des 20. Jahrhunderts.

Gesagt, getan.

Die Antwort des Verlags ließ nicht lange auf sich warten. Als der Journalist sie las, war er überrascht: Der Verlag lehnte mit der Begründung ab, dass es nicht gut genug sei!

Prof. Dr. Drews machte eine kunstvolle Pause und schaute uns ernst an.

Wir Studenten saßen stumm da und schauten vermutlich ebenso überrascht und ungläubig wie der Journalist.

Hatte der Verlag wirklich einen Textausschnitt aus dem Jahrhundertbuch mit dieser Begründung abgelehnt? Sind die Mitarbeiter bescheuert?!

Dr. Drews schien die Frage von unseren Gesichtern ablesen zu können. Er fuhr fort.

»Saß da jemand Unfähiges im Verlag, der das Buch nicht kannte, oder«, wieder machte er eine Pause und schaute uns an. »Oder war seine Art zu schreiben veraltet und nicht mehr zeitgemäß.«

Fazit

Je nach Kontext ist also eine Ananas nur eine Ananas oder ein Kunstwerk. Ebenso ist ein Text bedeutend oder veraltet.

Kunst ist kontextabhängig. Von Raum, Zeit und Betrachter.

Klingt wie ein Gewirr aus Schrödingers Katze und Einsteins Relativitätstheorie.

Übrigens taucht die Ananas in Musils »Nachlaß zu Lebzeiten« auf – nur Zufall?!

Als einer der angeblichen Künstler nach der Bedeutung ihres Werks befragt wurde, sagte er, es stünde für den unaufhaltsamen Zerfall des Lebens.

Vielleicht gelang den beiden ungewollt Kunst, eine Art One-Art-Wonder (also OAW!).

Wem das zu fruchtig erscheint, kann es mit einer Banane versuchen.

photo credit: pixybay (CC0 Public Domain)


3 Gedanken zu “Die Kunst mit einer Ananas Kunst zu machen

    Reposts

    • Hakan von C

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