Wie halte ich zahlungswillige Kunden vom Billigen ab

Ein ungewohnt großflächiges Weiß umhüllte die Verpackung. Fast schon gähnende Leere. Da fehlte etwas! Wo bei anderen Nahrungsmitteln der Konsument mit appetitlichen Bildern zum Kauf gelockt werden sollte, erschien dieses Produkt trocken und unscheinbar, als wollte es sich davonstehlen oder sich dem Blick (oder dem Geschmack?) des Betrachters entziehen.

Lass die Finger davon!, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf rufen. Ich hatte immer eine gewisse Abneigung gegen »Billig«-Produkte, und zusammen mit dieser Art von Verpackung wirkte das Produkt dann abweisend auf mich.

Woher sie kam, weiß ich nicht so genau. Vielleicht bin ich zu markenbewusst oder einfach nur oberflächlich. An eins aber erinnere ich mich genau, denn jedes Mal, wenn ich beim real,- einkaufen war und eins ihrer günstigen Produkte in der Hand hielt, fragte ich mich, warum sie bei der Verpackung sparten und nicht für ein besseres Design sorgten.

So schwer konnte das nicht sein, oder? Und mit einer ansprechenderen Verpackung würden die Supermärkte mehr von den »billigen« Produkten verkaufen (zumindest bei ihren eigenen Marken). Aber genau das wollen die Supermärkte nicht.

Mit ein bisschen Nachdenken hätte ich selber zu diesem Ergebnis kommen können. So aber stieß ich erst beim Lesen des Buchs »Ökonomics: Warum die Reichen reich sind und die Armen arm und Sie nie einen günstigen Gebrauchtwagen bekommen« (Amazon Werbelink) von Tim Harford darauf:

»Supermärkte haben häufig eigene Billigmarken mit schrecklichem Design, das unterschiedslos den hauseigenen Produkten verpasst wird, seien es nun Softdrinks, Brot oder Fertiggerichte. Es würde nicht viel kosten, einen guten Designer zu engagieren und der Hausmarke ein attraktives Outfit zu verpassen. Doch dieser Schuss ginge definitiv nach hinten los. Die hässliche Verpackung dient vor allem dazu, zahlungswillige Kunden davon abzubringen, das billige Produkt mitzunehmen.« (S. 79)

Vielleicht habe ich eine Aversion gegenüber dem Wort »Billig«, weil ich es mit schlechter Qualität, mit schäbigem Geschmack und mit minderwertigen Inhalten verbinde. Also nehme ich automatisch das teurere Produkt mit, in der Hoffnung, dass es das Bessere sei.

Eigentlich müsste es doch »Günstiger« heißen? Vielleicht sollte ich etwas in meinem Kopf umlabeln…

Quellen & Links

Oeconomics von Tim HarfordTim Harford – »Ökonomics: Warum die Reichen reich sind und die Armen arm und Sie nie einen günstigen Gebrauchtwagen bekommen« (Amazon Werbelink). Gebundene Ausgabe – 19. Dezember 2006

7 Gedanken zu “Wie halte ich zahlungswillige Kunden vom Billigen ab

  1. Sehr gutes Buch. Hab ich vor Jahren mal gelesen. Übrigens schmecken die Hausmarken bewusst weniger gut. Aber hey, die sollen den Hunger an nem Montag stillen und nicht den Freitagabend verbessern.

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