Das eigene Leben als Vorwurf

Heute Morgen, 06 Uhr 06. Verrückte Zeit für einen Sonntag. In der Ferne haderte eine grau-schwarze Fliege auf brauner Masse mit den niederen Verwerfungen des Lebens, und hier drinnen schien auch keine Sonne.

Künstliches Licht. Ich war wach (warum eigentlich?) und mir war kalt, nicht nur an den Beinen. Ich saß mit schweren Lidern auf einer Kloschüssel, dessen Deckel nicht beheizt wurde. Meine Laune stieg hinab in die Kälte, dabei wusste ich nicht einmal warum.

Ein verschlagener Gedanke pöbelte in meinen Kopf. Mein Gesicht machte eine besorgte Miene zum dummen Spiel. Irgendeinen Grund für meine üble Laune musste es doch geben und vor allem: Irgendjemand musste schuld daran sein! So war es doch immer.

Aber ich fand niemanden. Erwog kurz, das Internet zu fragen. Irgendwie bewunderte ich Menschen, die die Schuld bei anderen nicht erst suchten, sondern gleich fanden. Das eigene Leben anderen zum Vorwurf machen – eine Kunst, die ich nicht beherrschte.

Klopapier alle! Der Griff ins Leere holte mich abrupt in die nüchterne Realität. Hatte sich die Welt heute Morgen gegen mich verschworen? Glücklicherweise hatte ich erst gestern Neues eingekauft. Im Supermarkt erwartete ich einen Ansturm und volle Kassen, aber der real,- war am Nachmittag nahezu leer. Überflüssige Panikmache.

Auf der durchsichtigen Verpackung stand »160 Blatt« und »chlorfrei gebleicht«. Warum eigentlich musste Klopapier weiß sein? Sollte es mir das betrügerische Gefühl von Sauberkeit zu geben?

Gedanken, die mir signalisierten: Ich brauche Kaffee!

Ohne Kaffee war der Morgen unerträglich scheußlich und meine Gedanken schmeckten bitter. Der erste warme Schluck stimmte mich milde. Aber das Klopapier war noch immer in meinem Kopf und drängte sich mit einer neuen Idee in den Vordergrund: Klopapier mit einer Farbskala anhand dessen jeder Nutzer erkennen konnte, ob er gesund oder schon krank war. Eine Idee zum Runterspülen.

photo credit: Onascht Jenny via photopin(license)


2 Gedanken zu “Das eigene Leben als Vorwurf

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