Heiraten oder Von der Zähmung wilder Hengste

Am Freitag dieser Woche lernte ich ein befremdliches Hochzeitsritual kennen: Der Braut wurde gratuliert, dem Bräutigam das Bedauern ausgesprochen. Nein, nicht direkt bei der Trauung, sondern abseits im Verborgenen, hinter ihrem Rücken.

Es war nicht das erste Mal, dass ich die scherzhaften Beileidsbekundungen für den frisch vermählten Ehemann hörte, als sei die Ehe für einen Mann das Ende einer langen Flucht, der Abschied aus einem schönen Leben, das er letztlich verloren und seine Frau gewonnen hatte. Nun drohte also die Gefangenschaft. Die Zähmung des Widerspenstigen wie in Shakespeares Stück nur umgekehrt oder ähnlich wie im Film mit Adriano Celentano und Ornella Muti, das ich als Kind so geliebt hatte.

Es klingt irgendwie lustig. Aber, verhielt es sich nicht im wirklichen Leben genau umgekehrt, wendete sich das Leben nicht für die Ehefrau zum Schlechteren? Statistisch gesehen leider schon, denn erstaunlicherweise sind Frauen in Ehen im Durchschnitt unglücklicher als unverheiratete Frauen. Liegt das am Mann?

Trennungen bei verheirateten und unverheirateten Paaren

Der Soziologieprofessor Michael Rosenfeld an der Stanford Universität wertete Fragebögen aus den Jahren 2009 bis 2015 von 2.262 Menschen im Alter von 19 bis 94 Jahren aus. Er stellte fest, dass bei Ehen die Scheidung mit ca. 69% überwiegend von den Frauen ausging. Bei unverheirateten Paaren jedoch gab es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Männer und Frauen trennten sich annähernd gleich häufig voneinander.

Warum sind Ehefrauen unglücklicher?

Erstaunlich, weil die Frauen keinen unbekannten heirateten. Sie kannten ihren Mann aus ihrer meistens glücklichen und langjährigen Beziehung. Also, was änderte sich nach der Hochzeit, dass die Ehefrauen unglücklicher wurden und die Scheidung einreichten?

Die Antwort auf diese Frage lieferte Rosenfeld gleich mit. »Die Ehe«, sagte er, »hat sich als Institution nicht schnell genug verändert, um die Erwartungen an Gleichberechtigung zu erfüllen.«

Die Hauptlast liegt also wieder bei der Frau, wenn es um den Haushalt und Kinder geht. Wozu braucht dann eine selbständige und unabhängige Frau einen Ehemann? Genau.

Die Verwandlung des Mannes zum bedauerlichen Ehemann

Warum aber die Männer, die sich zu Ehemännern verwandelten, bei der Heirat bedauert werden, klärte die wissenschaftliche Studie leider nicht. Und ein Galileo Wissen, Spezial oder Mystery gab es meines Wissen auch nicht.

Vielleicht hilft hier mein Lieblingsfilm aus meinen Kindertagen mit Adriano Celentano und Ornella Muti – Ihr erinnert Euch, die Zähmung des wilden und ungehobelten Widerspenstigen durch eine Frau. Fast schon wie aus dem Märchen von der Schönen und dem Biest.

Der Hengst, das Pony und der Esel – Ein Märchen

Vermutlich leben viele von uns ganz gut mit diesem Mythos »Mann«, der sich aus Phantasie und Märchen nährt, in dem der Mann stark und unbezwingbar erscheint, wie ein wilder Hengst, der von einer Frau gezähmt wird. Denn die Wirklichkeit scheint grau. Keine Frau will einen Pony. Und wir Männer können froh sein, wenn wir uns nicht als Esel entpuppen.

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5 Gedanken zu “Heiraten oder Von der Zähmung wilder Hengste

  1. “They all love him but they always try to change him
    That’s what happens when a girl becomes a wife”
    (Mike & The Mechanics – Another Cup of Coffee)

    War einst das erste Lied, das auf einer Hochzeit ein Alleinunterhalter anspielte, sich der zynischen Wahrheit seines Tuns wohl wenig bewusst. Vielleicht geht es weniger um Ponys, Esel, … sondern darum, dass man niemanden verbiegen kann – und dass Lieben eigentlich heißt, Menschen so nehmen zu können, wie sie sind. Das gilt für Menschen allen Geschlechts. Die Frau ist hier vielleicht nicht emanzipiert genug… sie hat heute keinen Erziehungsauftrag bei ihrem Mann mehr.

    Von dem her, Ladies… denkt dran, dass es auch Pony-Hengste gibt und Kleinpferde sowieso meist intelligenter sind.

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