Auf der Suche nach dem verlorenen Handy

Als ich heute Morgen aufwachte, da ahnte ich nicht, dass der Griff kopfüber in eine gelbe Tonne der Höhepunkt meines Tages sein würde. Meine Mutter rief mich an. Ihre Stimme klang beunruhigt und angespannt. Ging es ihr nicht gut? Mein Herz begann sofort zu klopfen und sorgenvolle Gedanken in meinen Kopf zu pumpen.

»Ich finde mein Handy nicht. Ruf mich an!«, sagte sie nicht das erste Mal. Ich war erleichtert und zugleich ein wenig sauer. Sie könne ihr Handy nirgends finden und hätte schon die gesamte Wohnung durchsucht (warum rief sie sich selbst nicht mit ihrem Festnetztelefon an?).

Also ging ich zu ihr. Ich wählte mit meinem Smartphone ihre Handynummer, und gemeinsam liefen wir Zimmer für Zimmer durch ihre Wohnung. So sehr wir uns auch anstrengten, wir hörten und sahen nichts. Wir standen da, etwas ratlos und verloren. Was meine Mutter betraf, schien sie für den Panikmodus bereit zu sein. Ich konnte es nachfühlen und wollte sie nicht mit belanglosen Worten trösten.

»Warst du heute im Keller?« Ich erinnerte mich, dass sie mittwochs die Wäsche wusch. Also eilten wir hinaus. Und kaum hatten wir den Fuß vor die Tür gesetzt, hörten wir ein dumpfes Klingeln und Vibrieren. Es kam aus der gelben Tonne! Cool, meine Mutter hatte ihr Handy samt ihrem Müll entsorgt. Warum auch nicht? Das war doch mal eine starke Message in die Welt da draußen. Der Welt-Handy-Wegwerf-Tag.

Sie riss den Deckel auf und kam nicht an das Handy heran. So durfte ich mich tief in die gelbe Tonne hineinbeugen. Doch bevor ich es auch nur annährend erreichte, gab mir meine Mutter Dutzende von Anweisungen, was ich auf keinen Fall tun dürfte und wie das geliebte Handy herauszunehmen sei. Es war, als sei ihr eigenes Kind in einen Brunnen gefallen.

Ich musste schmunzeln. Während ich in die Tonne fast hineinkroch, musste ich daran denken, dass sie vor wenigen Jahren keine Ahnung von Handys hatte und jetzt konnte sie besser damit umgehen als ich. Was würden wir wohl ohne Handys machen? Wir sind doch alle ziemlich abhängig davon… Doch bevor ich diesem Gedanken nachgehen konnte, kroch ein fauliger Geruch in meiner Nase hoch (so einfach konnte man sich von Gedanken befreien). Bäh! Plötzlich wurde ich hektisch. Glücklicherweise bekam meine Mutter nichts davon mit, und das ersehnte Handy lag in Reichweite. Ich konnte ihr »Baby« unbeschadet retten. Mutter und Kind sind wohlauf!

Übrigens, Glückwünsche bitte in das Kommentarfeld eingeben. Ich werde sie weiterleiten…

photo credit: Designed by Freepik

Ein Gedanke zu “Auf der Suche nach dem verlorenen Handy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.