Body Shaming oder Wie ein Nacktmodell sich selbst entblößt

Ist Euch auf mal aufgefallen, wie verächtlich einige Frauen im Vorbeigehen andere Frauen von oben herab bis nach unten anschauen und bewerten bzw. abwerten, als scannten sie den Körper nach Schwachstellen oder Angriffspunkten ab? Ich kann zwar von den Augen einer Frau nichts ablesen, habe aber das ungute Gefühl, als würde ihr verächtlicher Blick um etwas wie »billig«, »Miststück« und »Schlampe« kreisen. Dieser Blick – egal ob aus Neid oder anderen niederen Beweggründen – scheint mir ein Ausdruck mangelndem Selbstbewusstseins und Oberflächlichkeit zu sein. Diese Art, Menschen ausschließlich von Äußerlichkeiten zu beurteilen, als sei es eine Charaktereigenschaft, wird als »body shaming« bezeichnet.

Das Model und das Hässliche

Daran fühlte ich mich erinnert als ich auf Mashable.com den Artikel über das Playboy-Modell Dani Mathers las. Das Playmate fotografierte heimlich eine Frau nackt im Umkleideraum ihres Fitnessstudios und veröffentlichte das Foto auf ihrem Snapchat-Accout, um sich anschließend über den Körper der Frau lustig zu machen.

Seien wir doch mal ehrlich, wer von uns hat sich nicht einmal im Leben über andere lustig gemacht?! Ich versuche ja bis heute, weder zu lachen noch zu weinen, wenn mir zufällig ein Spiegel über den Weg läuft und ich nichts anhabe. Aber, jemanden auf diese Art bloß zu stellen ist doch ein gemeiner Charakterzug und entblößt mehr über den Menschen, der so denkt und handelt, als über den Menschen, der beurteilt wird.

Das private Internetkaffee

Es zeigt mir nicht nur, dass es immer noch Menschen gibt, die das öffentliche Internet mit einem privaten Kaffeeklatsch unter Freunden verwechseln, sondern auch, wie sehr der Blick verengt, wenn jemand in einer eigenen Wirklichkeitsblase lebt, das sich immer nur um gleiche Themen mit den gleichen Menschen dreht, die sich ebenso für die gleichen Themen interessieren. So verstärken sich diese Menschen gegenseitig in ihrem Denken, Reden und Handeln. Bis sie der Illusion erliegen, ihre kleine Blase erfasse die ganze Welt mit all ihren Menschen.

Das Platzen der eigenen Realitätsblase

Anders kann ich mir das Verhalten von Dani Mathers nicht erklären. Denn, würde sie nicht davon ausgehen, dass wir alle ebenso wie sie denken und Menschen beurteilen, hätte sie niemals das Bild geschickt – ob sie das Foto nicht gemacht hätte, steht auf einem anderen Blatt, denn in ihrer Entschuldigung sagte sie, sie wollte es nur an Freunde verschicken. Das machte die Sache auch nicht besser.

Und irgendwann dehnt sich die selbst geschaffene und realitätsverzerrende Blase zu weit aus und kollidiert mit der Wirklichkeit und platzt.

Gefahr der Sozialen Medien

Ich will nicht einseitig gemein sein, Dani Mathers Kapital ist ihr Körper. Sie muss wohl jobbedingt alles ihrem Körper unterordnen und hat jetzt durch dieses eine Foto ihren Job verloren – eine harte Lektion. Und auch wir leben in diversen solcher Blasen, die sich aus Harmlosem oder auch Gefährlichem speisen können. Die sozialen Medien wie Facebook verstärken das Leben in der Wohlfühlblase, da wir nicht mehr selbst nach den bestätigenden Informationen suchen und filtern müssen, sondern Algorithmen diese Arbeit für uns erledigen.

photo credit: Free women on Marseille’s roofs via photopin (license)

2 Gedanken zu “Body Shaming oder Wie ein Nacktmodell sich selbst entblößt

  1. Das Playboy-Model Dani Mathers wurde verurteilt:

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/amerika-playmate-wegen-bodyshaming-verurteilt-15032255.html

    Gibt es soetwas wie Brain-Shaming?

  2. Body Shaming oder Wie ein Nacktmodell sich selbst entblößt https://t.co/TrDBaajLUn https://t.co/NuE5SEAph1

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