Ausländertausch

An einem Samstag eilte ich spät abends durch die Gänge im real,-. Ich brauchte Brot, und um diese Uhrzeit kam es vor, dass kein frisches Brot mehr übrig war. Also machte ich mich schnell auf den direkten Weg zu den Broten, als ein lautes Lachen meinen Blick auf zwei Männer in dunkler Gestalt lenkte.

Beide gingen sie raumgreifend und liefen in dunkler Kleidung herum, passend zu ihren schwarzen Haaren und südländischer Herkunft. Aus ihren Gesichtern schimmerte das Blau ihres Barts unvorteilhaft im grellen Einkaufslicht. Aber, sie wirkten nicht ungepflegt oder bedrohlich, eher wild, und sie alberten vertraut miteinander herum. Ein Lachen blitzte zwischen ihren Gesichtern auf.

Und während sie mir entgegenkamen und sich gegenseitig spielerisch wegschubsten, dachte ich mir, irgendjemand wird sich gleich über die beiden aufregen. Und zwischen meinem Gedanken blitzte ein »mit geringer Toleranz gegenüber Ausländern« viel zu schnell hell auf und hinterließ Lichtflecke.

Und bevor diese blinden Flecke verblassten, huschte eine Frau mit einem Seitwärtsschritt an den beiden vorbei und lief eilig vor ihnen her, fast schon so, als liefe sie vor ihnen davon.

Die beiden schienen sie nicht bemerkt zu haben oder es interessierte sie nicht, vielleicht, weil sie sich wohl in ihrer Welt fühlten. Aber ich schaute wie gebannt auf das Gesicht der Frau, das sich unter ihrer Nase zu sammeln schien, um mit einer kraftvollen Aufwärtsbewegung ihrer Oberlippe die selbige noch oben zu rümpfen. Sie schnaubte und zog ihren Kopf verächtlich nach rechts zur Seite als wollte sie etwas von sich stoßen. Und obwohl sie nichts sagte, glaubte ich ihre Worte deutlich hören zu können.

Ihre Reaktion amüsierte und verärgerte mich zugleich. Was wäre, rief ich ihr in Gedanken zu, wenn statt der beiden Männer zwei andere ihren Weg gekreuzt hätten? Zwei Männer, die sie sehr attraktiv gefunden hätte, Männer wie George Clooney und Brad Pitt.

Ich schmunzelte, weil mir auffiel, dass ich in Gedanken die beiden Ausländer gegen zwei andere Ausländer ausgetauscht hatte; Ausländer, die nicht als solche wahrgenommen wurden. Was wäre dann geschehen? Würden die Wangen der Frau leicht erröten? Hätte sie ihren Kopf verschämt nach unten geneigt, um ihr Lächeln zu verbergen? Wäre sie sich durch Haar gegangen und hätte sie dezent an ihrem Oberteil gezupft?

Sie war schon in einen anderen Gang abgebogen und konnte mir keine Antworten geben.

Ich stand vor dem fast leergeräumten Regal mit den Broten, als mir etwas einfiel. Was wäre, wenn ich mich, also den Beobachter, austauschen würde? Nehmen wir eine Frau mit zwei Kindern, die frech und laut sind. Was würde sie sehen? Vielleicht nur eine andere gestresste Frau…

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