Wie mir ein Wookie den Eintritt in die Disco verweigerte

Ich bin schon häufiger an der Tür von Discos abgewiesen worden und das auf nahezu jede erdenkliche Art und Weise, aber was mir beim far out in Bielefeld passierte, machte mich sprachlos.

Als ich auf die Oberstufe ging, wurde das far out in Bielefeld am Wochenende zum Treffpunkt vieler Gymnasiasten. Es ergab sich einfach so. Und meine Freunde und ich folgten dem Trend.

Das far out war klein, gemütlich und freizügig was sein Publikum betraf. Daher hatte ich dort niemals Probleme gehabt, hinein zu kommen. An der Tür standen immer sexy Frauen, die die Gäste kontrollierten – und damals war ich noch richtig süß! An jenem Tag aber kam der Besitzer auf die Idee, selbst aushilfsweise den Türsteher zu geben.

Er musterte mich eindringlich, was mich ein wenig wunderte.

Ich war frisch rasiert (obwohl ich kaum Barthaare hatte, was für einen Südländer ungewöhnlich war) und geduscht. Trug anständige Klamotten und das far out war bestimmt nicht bekannt für seine harte Politik an der Tür. Vielmehr schienen die Angestellten dem Geist Oshos zu frönen.

Damals hieß die Disco »Osho’s far out«. Über Osho wussten wir, dass er ein indischer Guru war, der freie Liebe predigte und Sex mit vielen Frauen hatte – also wussten wir genug, um unsere Fantasie in eine bestimmte Richtung anzuregen. Natürlich begrüßten wir Männer den besonderen Aspekt in seiner Lehre, die jedoch von den Frauen in unserer Welt abgelehnt wurde.

Bei den weiblichen Angestellten im far out aber schien die Situation anders zu sein. Ihre Blicke, ihre Bewegungen und wie sie miteinander vor unseren Augen tanzten und sich auch mal küssten, beflügelte unsere Fantasie und ließ uns ausmalen, wie sie untereinander Sex-Orgien veranstalteten. Und wer Glück hatte, wurde am Abend ausgewählt und durfte nach der Disco an ihren Exzessen teilnehmen.

Nur der Besitzer, der immer einen der Damen im Arm hielt, störte unsere erotischen Gedankenspiele und kam mir immer etwas unheimlich vor. Er erinnerte mich mit seinem irren Blick ein wenig an Charles Manson.

Jetzt stand er vor mir. Schaute mich an, als würde er etwas suchen und nicht wissen, wonach. Ich wollte ihn nicht provozieren, also blickte ich ihm nicht direkt in die Augen. Ich begann in zu mustern, aber mein Blick schaffte es nicht sehr weit und blieb gleich an seinen Haaren auf Brusthöhe hängen.

Sein Brusthaar quoll üppig oben aus dem aufgeknöpften Hemd hervor und ging nahtlos an seinem Hals zum Bart über. Ich konnte kaum einen Hals oder Nacken erkennen. Mir kräuselten sich die Nackenhaare. Auch wenn ich keine weiteren Gedanken an seine Körperbehaarung verlieren wollte, war es zu spät. Meine Augen ließen sich wie bei einem Unfall nicht von ihm abwenden und suchten, den Grad seiner Körperbehaarung zu bestimmen. Und während in mir Ekel aufstieg, arbeiteten sich meine Augen an seinem Bart ab, der bis zu seinen Wangenknochen hoch reichte. Warum er zu alledem noch sein Gesicht mit einem Bart bedeckte, verstand ich nicht. Und dann sah ich unter seinen buschigen Augenbrauen zwei dunkle Augen mich anstarren. Konnte er meine Gedanken lesen?

„Du kommst hier nicht rein, du siehst mir zu brutal aus!“ Dabei kniff er verächtlich seine Augen zusammen und ich sah nur noch Fell.

WTF?! Ich stand dort mit Gesichtszügen, die entgleist waren und nicht wieder in ihre ursprüngliche Form fanden. Ich? Zu brutal? Jemand, der ohne Maske sofort den Teen Wolf oder Chewbacca aus Star Wars (oder auch Wookie genannt) hätte spielen können, fand mich zu brutal?!

Ich stand dort mit einem Gesicht, das im Vergleich zu seinem dem eines Babypopos glich. Und dieses Gesicht – also meins – wurde von wunderbar gelocktem Haar umschmeichelt, die sanft auf meine Schultern fielen. Mann! Ich sah aus wie ein Latinlover und war – wie bereits erwähnt – süß! Wobei – vielleicht hatte ich Glück gehabt. Er hätte mich auch zum Anbeißen finden können.


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