Eine Mutter mit Söhnen im Weihnachtsgetümmel

Ich war eben in der Bielefelder Innenstadt. Meine Güte, wie voll das ist! Mildes Wetter gepaart mit Weihnachtseinkaufsstress. Überall drängende Menschenmassen. Kam nirgends durch. Musste mich in den Menschenstrom einreihen. Wurde entschleunigt. Und trotzdem suchte ich nach einer Lücke, um mich durchzuwurschteln, als plötzlich ein bestimmender und maßregelnder Ton mich ablenkte und meinen Blick auf eine Mutter lenkte.

Sie beugte sich zu ihren beiden Jungs hinunter und wirkte in ihrem fest zugeknoteten Wintermantel dünn und lang.

»Ich möchte auch mal etwas sehen«, sagte sie mit sprachlich erhobenem Zeigefinger, »und einfach mal herumlaufen.« Sie blickte beide nacheinander an und schüttelte den Kopf. »Wir können nicht von einem Weihnachtsstand zum nächsten Laufen und ständig einen Happen essen.«

Und dann richtete sie sich abrupt auf, fast wie ein Regenschirm, der aufgespannt wurde.

Die beiden Jungs gingen weiter. Blickten die ganze Zeit starr geradeaus und verweigerten ihrer Mutter den Blickkontakt. Sie taten so, als hätten sie nichts gehört. Und doch versteiften sich ihre beiden Körper und verlangsamten sich ihre Schritte. Der eine senkte ein wenig seinen Kopf und kaute auf dem hochgeklappten Kragen seines Mantels. Der andere verengte seinen Blick. Beide schienen zu sagen: »Es geht doch!«

Wie wenig doch diese Frau über Männer weiß, dachte ich mir. Und wie viel sie noch lernen muss. Ich schmunzelte und wünschte ihr in Gedanken viel Spaß dabei. Ich huschte in einen freigewordenen Spalt zwischen zwei Menschen. Dabei hatte ich es nicht eilig – ich mochte nur nicht dieses Herumtrödeln…


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