Begegnung mit einem Außerirdischen beim Einkaufen

Begegnung mit einem Außerirdischen beim Einkaufen
6 Flaschen Mineralwasser medium. Eine Tafel Haselnussschokolade. 10 Scheiben dunkles Brot. Eine 10er Packung Scheibenkäse light. Ich schaute nochmals auf den Kassenbon. Irgendetwas schien mit dem Preis nicht zu stimmen. Zwar kannte ich nicht die genauen Preise für meine gekauften Produkte, entwickelte jedoch mit der Zeit ein Gefühl für die ungefähren Preise. Daher konnte ich aus der Quittung nichts Richtiges oder Falsches herauslesen und ging zum Informationsstand. Wartete, bis ich dran kam. Ich reichte der Dame meinen Kassenzettel und fragte. Plötzlich wurde es still um mich. Die Menschen blickten zu mir mit erstarrten Gesichtern als hätten sie eine Begegnung mit einem Außerirdischen.

Es schien, als hätte ich mit meinen Worten ein geheimes Wurmloch geöffnet, in der die Gesichter der Leute und die Zeit in die Länge gezogen wurden. Da niemand reagierte, wedelte ich mit dem Zettel und holte die Dame wieder zurück in den Augenblick.

»Zeigen Sie mal«, sagte sie und zog den Kassenbon aus meiner Hand. Mit der anderen griff sie zu der Brille, die an einer goldenen Kette um ihren Hals hing. Setzte sie auf ihre Nasenspitze und hob den Kopf so weit in den Nacken, dass sie von oben herab durch ihre Brille auf meinen Zettel schauen konnte.

Jetzt richteten sich alle Blicke auf sie.

Sie presste ihre Unterlippe gegen ihre Oberlippe, hob ihre Nüstern und nickte kurz mit dem Kopf als wollte sie sagen »auf geht‘s«. Ich hörte nur ein kurzangebundenes »hm«. Dann hackte sie auf die Kasse vor sich ein.

Piep, piep, piiiiiiiep. Die Töne schwirrten durch die Gänge, während alle wie gebannt ihren Fingern folgten.

Dann warf sie wieder einen Blick auf den Zettel, zuckte mit dem Kopf zurück, und wieder schnellte ihr Kopf nach vorne. Dieses Mal samt dem Brustkorb als wollte sie der Kasse einen Kopfstoß verpassen. Wieder schleuderte sie ihre Finger gegen die Tasten auf der Kasse.

Pip, piiieep, pi… – ein Zögern, aber für Gefangene war keine Zeit. Dann ein hartes, schnelles »Pip!«.

Es folgten mehrere Matchwechsel zwischen Zettel und Kasse und jeder wartete neugierig, wer am Ende gewinnen würde. Und dann plötzlich ein abruptes Sich-Zurückreißen und Aufbäumen.

Sie wartete, als hätte sie Signale ins All gesendet, die für ihren Rückweg etwas Zeit benötigten. »Hm«. Sie schaute mich eindringlich und abwartend an.

Ich sagte nichts.

»Der Preis ist richtig!«, sagte sie und schaute mich über den oberen Rand ihrer Brille an. Dann folgte eine Pause, in der schwache Gemüter einen Vorwurf hineinlegen hätten können. Doch ich sagte wieder nichts. Ich hatte nichts zu sagen; warum auch, ich hatte nichts Unrechtes getan – oder?

»Wir haben eine Rabattaktion für das Wasser«, setzte sie nach und alle Köpfe um mich herum erwachten aus der Erstarrung, das ein »ahh« zu sagen schien. Sie reichte mir den Zettel, zuckte ihre Mundwinkel zu einem Lächeln und wendete sich dem Nächsten zu.

Während ich mit meinem Einkauf und Gedanken an den Kassen vorbei nach draußen ging, rauschten verwirrte Pieptöne an mir vorbei. Stieß Ehrlichkeit auf Befremden, fragte ich mich, und ließ einen Mensch suspekt erscheinen? Ich wusste es nicht, aber es amüsierte mich. Vielleicht würde ich bei entsprechender Laune wieder mal an den Informationsstand herantreten und meinem Publikum mit meiner Frage »Sie haben zu wenig abgerechnet« etwas außergewöhnliches Darbieten und anschließend das Gesichtsspiel bewundern, um es am Ende als Applaus zu ernten.