Das Leben ist wie eine Schachtel…


…aber keine für Pralinen – wer das behauptet, hat noch nie welche gekauft. Es gleicht vielmehr einer Schachtel aus einer Fast-Food-Kette. Heute war ich bei McDonalds.

Hin und wieder bin ich mal gerne in Fast-Food-Läden, der guten alten Zeiten willen und weil ich Lust habe. Dann schaue ich mir die großen Lichttafeln an der Wand an. Gestern entdeckte ich den Brazil Samba Double. Das Weizenbrötchen umarmte voller Stolz die gegrillten gelb-roten Paprikas, die sich mit gesundem Eisbergsalat paarten. Beide betteten sich in köstlicher Limonen-/Tomatensoße. Auf ihnen ruhten majestätisch zwei Rindfleisch Pattys. Zwischen dem Fleisch ragten zwei Scheiben Käse frech wie Zungen heraus. Probier ich!

Die Schachtel lag in imposanter Größe auf meinem Tablett. Die kräftigen gelb-grünen Farben der Verpackung versprachen einen temperamentvollen Tanz auf meiner Zunge. Mit beiden Daumen öffnete ich genussvoll die Verpackung. Schöne Momente soll man hinauszögern. Durch den Schlitz warf ich einen Blick hinein. Meine Freude wuchs und die Säfte in meinem Mund gerieten in Entzückung. Und dann stieß ich den Deckel mit einem Ruck auf. Und dann sah ich den Inhalt! Unsere erste Begegnung war – ernüchternd. Ich konnte meinen Augen nicht trauen.

Da kauerte etwas Plattgedrücktes traurig in der unteren Hälfte der Schachtel. Es erinnerte eher an ein Fladenbrot als einen leidenschaftlichen Burger. Hatte ich den Falschen bekommen? Ich schaute konzentriert hin. Klappte zaghaft das obere Brötchen auf: zwei Fleischscheiben mit Käse, darunter die Soße. Der Soße aber gab das Gemisch aus Paprika und Eisbergsalat keinen Halt. Wie lauwarmer Brei lag es erdrückt von den Fleischmassen lieblos am Boden des Brötchens. Sieht korrekt aus. Naja, vielleicht schmeckt es. Das ist doch die Hauptsache.

Ich biss hinein und dank der Soße flutschten die Fleischteile hinten heraus. Genauso entzogen sich mir die exotischen Geschmäcker. Eine klebrig-durchsichtige Masse haftete an meinen Fingern. Der Burger schmeckte nach nichts – nach nichts! Weder das Fleisch, noch das Brot, noch der Käse, noch der Eisbergsalat, noch die Paprika, noch die Soße. Die zweite Enttäuschung. Was war das? Und, wie schafften sie es bloß? Etwas nach nichts schmecken zu lassen, das muss doch auch Kunst sein! Oder eliminierten sich die Essensbausteine am Ende selbst? Ich sah die Schachtel an. Darin hatte ich den Burger halbfertig abgelegt. Sie wirkte freudlos und verloren.

Ich klappte den Deckel zu. Betrachtete es eine Weile. Die Kunst der Verpackung beherrschten sie auf jeden Fall. Mein Blick wanderte zum Fenster. Jemand tippte eine Kombination auf dem Smartphone ein und öffnete etwas in meinem Kopf. Die Welt da draußen ist voller aufgehübschter Schachteln mit flachem Inhalt. Dieser Gedanke war ebenso ungenießbar wie der Burger…


2 Gedanken zu “Das Leben ist wie eine Schachtel…

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