Laufen in alten Pfaden



Diese Woche regte ich mich unnötig auf. Mehr sollte es nicht werden. Ich will mich nicht aufregen. Der Gedanke daran, regt mich auch auf. Als heute die Sonne so einladend schien, ging ich Joggen. Ich kann dann abschalten und entspannen. Ich mag das Laufen durch den Park und durch die kleinen Gassen. Was ich nicht mag, sind viele Menschen, die den Weg versperren. Sie stören meinen Rhythmus und reißen mich aus meiner Gedankenwelt heraus. Als ich in eine enge Gasse einbog, entdeckte ich einen Müllwagen am Ende der Straße!

Plötzlich war sie dahin, die gute Laune. Ich malte mir aus, wie ich dort stehenbleiben musste, während mich ein scheußlicher Abfallgeruch penetrierte. Ich zog meine Augenbrauen zusammen. Die Falte zwischen ihnen türmte sich wie ein Berg auf und warf einen dunklen Schatten auf mein Gesicht.

»Was soll der Scheiß«, schrie die innere Stimme. Ich rannte mich geradewegs in Rage. Mein Puls stieg. Ein Pochen auf meiner Stirn setzte ein. Moment – ich lief langsamer. Wieso soll ich mich 150 Meter lang über etwas aufregen, das ich nicht ändern konnte. Warum verderbe ich mir die Laune. Was bringt es mir? Das war völlig sinnlos.

Der simple und banale Gedanke verfehlte seine Wirkung nicht. Meine Wut wich der Überraschung. Wechselte dann schnell über in Bestürzung. Wieso lies ich mich so leicht ablenken und verärgern? Reagierte ich immer so? Folgte ich immer dem gleichen Reiz-Reaktions-Muster? Auch wenn ich die Gründe nicht kannte, mein Verhalten konnte ich dennoch ändern.

Ich lief die restlichen Meter entspannt auf den Müllwagen zu. Akzeptierte seine Anwesenheit und bereitete mich auf die Attacke der Duftwolke vor. Als ich dort ankam, war der Wagen soweit vorgerückt, dass ich leicht daran vorbeilaufen konnte. Ich warf einen Blick: es war ein Müllwagen für Altpapier.

photo credit: Gloson via photopin cc

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