Das Doppeldate

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Ach ja, Männer! Wir können so vieles falsch und so weniges richtig machen! Wer jetzt denkt, es betrifft nur Männer in einer Beziehung, der irrt! Das passiert, wann immer und wo immer wir uns mit Frauen treffen. Sei es als Date oder als harmloses Kaffeekränzchen gedacht.

Yvonne und ich verabredeten uns zu einem Kaffeeplausch. Ich freute mich darauf. Als ich zum Café kam, saß sie bereits draußen in der warmen Sonne an einem Tisch. Mich wunderte, dass sie keine Sonnenbrille trug. Noch dachte ich, es würde ein entspanntes Treffen werden. Und wenn doch nicht, dann wäre es wieder eine Situation, in der wir Männer zu Unrecht beschuldigt werden würden. Der Fehler kann ja nicht nur bei uns Männern liegen! Dazu gehörte immer noch die andere – die bessere Hälfte: die Frau.

Doch am Ende sah es dann doch anders aus. Wir Männer haben immer Schuld. Das ist die schlechte Nachricht. Wir Männer haben immer Schuld. Das ist auch die gute Nachricht! Das klingt nach Frauenlogik – lange Zeit habe ich mich gefragt, ob das Wort »Frauenlogik« nicht unlogisch und ein Widerspruch in sich sei. Aber, wenn wir Männer schuldig sind, dann können wir etwas daran ändern. Natürlich können wir nicht die Frauen ändern! Also bleibt uns nur, uns selbst zum Positiven zu ändern. Vielleicht ist das auch der Grund, warum nur wir Männer uns ändern müssen. Frauen sind perfekt! Egal, ich schweife ab.

Yvonne war wie immer top gestylt. Sie lächelte nicht. Schaute angestrengt in die Ferne als versuche sie dort, einen nicht greifbaren Punkt zu fokussieren. Ihren Augenbrauen zogen sich zusammen und ließen dazwischen eine kleine Wölbung entstehen. Ihre Lippen presste sie aufeinander, und an ihren Mundwinkeln kräuselten sich kaum sichtbare, kleine Falten.

»Hi«, sagte ich. »Was ist los?«

Sie zuckte kurz zusammen. Schaute dann zu mir hoch. »Hi!« Plötzlich schien sie hellwach. Ihre klaren Augen schienen in der Sonne zu leuchten. Doch dann stieß sie ein »Ach« aus und lies ihre Schultern fallen. Ihr Blick senkte sich.

»Du wirkst irgendwie…«, ich suchte das Wort, »abwesend! Was beschäftigt dich?«

»Frag nicht«, sagte sie und schlug für einen Moment die Augen zu. Dieser Moment hatte etwas Sinnliches.

Ich überlegte. Wollte sie wirklich nicht darüber sprechen oder war das nur eine Höflichkeitsfloskel, die in der Frauensprache das genaue Gegenteil bedeutete. Ich setzte mich hin. Damit konnte ich nichts falsch machen. Ich sagte nichts und schaute sie an. Auch damit konnte ich wirklich nichts falsch machen. Sie hielt immer noch ihre Augen verschlossen. Unter ihren Augenlidern sah ich rege Augenbewegungen, die ihre lang geschwungen Wimpern dezent auf und ab schaukelten.

»Corinna!« Plötzlich riss sie ihre Augen auf.
»Corinna?« Ich verstand nur Bahnhof.
»Corinna und Andreas!«

»Wie? Sind die beiden jetzt zusammen?« Andreas kannte ich nur flüchtig. Corinna war die beste Freundin von Yvonne und richtig sexy. Das wusste sie selbst auch. Sie wechselte die Männer so häufig, wie Al Bundy seine Unterwäsche – laut Internet frühestens alle 14 Tage und spätestens einmal im Monat. Übrigens hielt Corinna nicht viel von mir. Wir pflegten diese besondere Form der Hass-Liebe: die ohne Liebe. In diesem Fall ging das aber von ihr aus.

»Nein«, sagte Corinna. »Sie hatten gestern Abend ein Date.«
»Na und.« Was interessierte mich das Leben anderer, während ich hier mit ihr saß.
»Ich hab das arrangiert. Eben riefen sie mich an. Zuerst Andreas und dann Corinna.«

Und plötzlich musste ich lachen. Ich erntete dafür einen strengen Blick, doch konnte ich nicht aufhören. Und, irgendwie machte mich dieser Blick an.

»Ich habe dich gewarnt, Freunde untereinander zu verkuppeln. Da kannst du nur verlieren!« Mit diesem besserwisserischen Spruch hatte ich auch nichts gewonnen. Hey, dachte ich mir, was soll das, ich bin hier zum Vergnügen. Ist doch nicht mein Problem!

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»Was hat denn der Andreas gesagt?«

»Oh«, sagte sie etwas lebhafter, »er war sehr aufgeregt. Ich glaube, euphorisch. Das Date fand er ganz toll. Sie fand er ganz toll. Er meinte, sie hätten sich so toll unterhalten. Er konnte mit ihr über alles reden, und sie hörte ihm zu. Dann wollte er von mir wissen, was Corinna dazu gesagt hätte.« Sie machte eine Pause. Schaute mich ernst an. »Ich sagte ihm, ich wüsste es nicht, was auch zu der Zeit der Wahrheit entsprach. Er bat mich dann, ihn sofort anzurufen, wenn ich etwas von Corinna hören würde.«

Sie machte wieder eine Pause und schaute mich an. Ich dachte, sie würde weitersprechen. Tat sie aber nicht. Ich fragte, was dann passiert sei.

Sie holte kurz Luft. Es hätte auch ein Seufzer sein können. »Als ich auflegte, klingelte wieder das Handy. Ich dachte, es wäre wieder Andreas, aber es war Corinna.«

Wieder eine Pause.

»Und was sagte sie?« Jetzt war ich gespannt und ungeduldig. Was sollten diese kunstvollen Pausen?
»Sie beschwerte sich über ihn«, sagte Yvonne.
»Wie? Mehr nicht? Das war’s.« Ich schüttelte fragend den Kopf. Sie sagte nichts. Ich nickte mit dem Kopf, das Zeichen für »erzähl weiter«.

Sie holte wieder tief Luft. Ich verstand immer noch nicht, warum sie so ein Drama daraus machte. Sie hätte doch überhaupt nicht davon anfangen brauchen.

»Sie sagte«, begann sie, »dass er ein Langweiler sei.«
»Das war alles? Keine Details?«
»Ja.« Sie wirkte genervt. Aber jetzt ließ ich nicht mehr locker. Genau das interessierte mich.

»Er war wohl ziemlich nervös. Hat viel geschwitzt. Dann hat er ununterbrochen von seiner Arbeit erzählt. Dann von seinem teuren Auto. Seinem großen Haus. Wie häufig er beim Kraftsport sei. Was für einen durchtrainierten Körper er habe. Corinna meinte, er hätte sich als Hengst präsentiert und in Wirklichkeit hätte er nichts in der Hose.«

»Was?!« Das war dann ein bisschen zu viel für mich. Ich musste mich vergewissern, ob ich das richtig verstanden hatte. Ich formulierte ganz langsam, so dass niemand meine Frage missverstehen konnte: »Sie waren gemeinsam im Bett miteinander?« Noch mehr Zweisamkeit konnte ich in einem Satz nicht unterbringen.

Sie schwieg.

Ich rang nach Worten. »Warum geht sie dann mit dem Kerl ins Bett?«

Keine Antwort.

So komme ich nicht weiter. Ich muss anders fragen. »Wie sieht er denn nochmal aus?«

»Groß, dunkle kurze Haare, durchtrainiert. Sympathisches Lächeln. Und er hat Geld.« Versuchte sie dabei nicht zu begeistert zu klingen?
»Ich erinnere mich nicht an ihn«, sagte ich, während eine boshafte Frage im Hintergrund lauerte. »Warum hattet ihr beiden nichts miteinander?« Doch diese Frage unterdrückte ich. Ich entschied mich für eine andere gemeine Frage.

»Das klingt doch genau nach Corinnas Typ.«

»Ja, das dachte ich auch«, sagte sie und ich merkte, dass mein Seitenhieb auf Corinna zu subtil war.

»Er erzählte auch, wie er das Date arrangiert hatte. Er hatte es doch tatsächlich geschafft, kurzfristig einen Platz im ‚GLÜCKUNDSELIGKEIT‘ zu bekommen. Er holte sie im Sportwagen ab.« Sie zuckte mit den Schultern. »Er erzählte ganz Stolz, wie er ihr die Tür aufhielt.« Dann lachte sie. »Corinna sagte mir, wie pingelig er bei seinem Auto war und wie sie sich über ihn beim Essen geärgert hatte. Er hatte es gewagt, vor ihr mit dem Essen zu beginnen.«

Jetzt musste ich auch schmunzeln.

»Kann es dann wirklich daran liegen«, fragte ich sie.
»Nein«, sagte sie. »Ich glaube, er war zu sehr von sich eingenommen. Sie sagte…« Sie begann erneut zu lachen. »Sie sagte, sie käme sich wie auf einer Verkaufsveranstaltung vor. Es fehlten nur noch die Powerpoint-Folien.«

Ein klassischer Anfängerfehler, dachte ich mir. Er hatte es versäumt, sie auf der emotionalen Ebene anzusprechen. Statt Gefühle ihn ihr zu wecken, versuchte er sie auf der rein rationalen Ebene zu überreden oder überzeugen. Sie wollte umgarnt und umworben werden, wollte verführerisch sein. Sie wollte vielleicht Romantik. Romantik empfingen Frauen auf unterschiedliche Weisen. Einige Frauen fühlen sich durch Gedichte, ehrliche Komplimente oder etwas Tiefsinnigem berührt. Andere brauchen zärtliche Berührungen oder ungewöhnliche, aufregende Orte. Oder von allem etwas. Er jedoch ließ sie auf der rational-passiven Rolle verharren.

Ihr Handy vibrierte. Sie schaute drauf und plötzlich verschwand ihre gute Laune.

»Eine Nachricht von Andreas.«
»Was schreibt er.«

Sie liest die Nachricht und schreckt zurück.

»Was ist«, frage ich sie.
»Er trifft sich gleich mit Corinna. Smiley.«

Jetzt saßen wir beide sprachlos da.


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  • Hakan von C

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