Die verschmuste Katze


Alexandra war eine dunkle Schönheit mit hell-grünen Augen. Sie hatte für jeden immer ein Lächeln übrig. Sie wirkte immer so fröhlich und glücklich als fiele ihr alles leicht. Wer tief in ihre Augen schauen konnte, fand darin eine gewisse Melancholie, eine Art Wehmut. In einem kurzen Moment vertraute sie mir an, wie es in ihrem inneren aussah. Dunkel. Traurig.

Sie ließ mich verwirrt und mit verändertem Blick zurück. Ich sah ihr sanft nach.

Sie machte auf mich den Eindruck einer verschmusten Katze. Mit Stolz hocherhobenem Schwanz schmiegte sie sich nahezu unbemerkt am Hosenbein der Menschen um sie herum entlang. Versuchte jemand sie zu streicheln, wich sie aus. Ihre Krallen hatte sie noch nie gezeigt. Aber sie bestimmte, wann, wo und von wem sie gestreichelt werden konnte. Ebenso, wem sie sich selbst näherte. Dabei nutzte sie auf raffinierte Weise die Freiheiten der unbedachten und unbemerkten Berührung, die wie zufällig entstanden. Dort fühlte sie sich wohl, dort lebte sie ihre Sehnsucht aus, dort drohte ihr keine Gefahr. Eine Hand, die streichelte, konnte sich ihr jederzeit entziehen. Sie allein zurücklassen. So aber bestimmte sie, wann sie diese zärtlichen Momente brauchte und wie sie sie auslebte. Allein sie hatte die Kontrolle und kein Gefühl konnte ihr entgleiten, konnte sich ungewollt an diese Hand gewöhnen, gar abhängig von ihr werden.

Sie war unabhängig und frei, dachte sie und erkannte nicht die Angst, die in ihrem Schatten lauerte. Die Angst, die sie selbst nährte und die wuchs und wuchs zu einem unsichtbaren Käfig, der sich immer enger um sie schlang.

photo credit: rahen z via photopin cc

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