Partyschlampen

Schlampe. Ein Wort, das Männer mal schnell und unbedarft aussprechen. Gegenüber Frauen.

Im Laufe meines Lebens fand ich heraus, in welchen Momenten dieses Wort verwendet wird.

Die eine nicht gängige Variante: die Frau macht mit allen Männern herum, nur nicht mit einem selbst. Das kränkt einen, denn seien wir mal ehrlich, sind wir jeder für sich genommen nicht das Beste was einer oder allen Frauen passieren kann!

Die bekannte Variante: die Frau macht mit allen Männern herum und nicht nur ausschließlich mit einem selbst. Das kratzt auch am eigenen Ego, denn sollte sie danach nicht für alle Zeit für die Männerwelt verdorben sein und nur diesem Einen nachweinen! Und nicht zu vergessen, welcher Mann plant nicht genau mit dieser einen Frau eine langanhaltende, ernsthafte und vor allem monogame Beziehung!

Und dann gibt es noch eine unmögliche Variante: die Frau macht mit wirklich niemandem herum. Das sind die schlimmsten aller Frauen, die lassen Männer ganz dumm aussehen!

In allen Fällen dient das Wort dazu, die Frau ab- und sich selbst aufzuwerten. Jedoch beschämt sie den Ausrufer selbst, denn in den seltensten Fällen war der Vorwurf gerechtfertigt oder man selbst war nicht viel besser.

Aber wen interessiert so etwas, wenn man jung ist und vor allem auf eine Party geht, um ausgelassen zu feiern. Wir waren zu viert und vor allem cool als wir auf der Party-Location eintrafen. Die euphorische Stimmung nahm ein rapides Ende, als wir vor einem Hochhaus aus Beton standen und in den Keller unterwegs waren.

„Sind wir hier richtig?“
Schulterzucken. Wahrscheinlich schon.

Dann tauchte die Gastgeberin vor uns auf. Tief dekolletiert. Aufgebrezelt. Stark geschminkt. Man merkte, sie wollte das Letzte aus sich herausholen! Sie hatte ein Bier in der Hand und kam leicht torkelnd auf uns zu. Und sie lächelte. War es die Freude, uns zu sehen oder lag es am Alkohol? Immerhin, es gab etwas zu trinken!

Es ging abwärts. Partykeller. Immer positiv denken. Kann sehr gemütlich werden, dachte ich mir, bis wir dann tatsächlich eintrafen. Ein kleiner, dunkler Raum. Trist. Lieblos. Komische Musik. Kaum Leute. Ganz wenige Frauen. Kaum hübsche darunter. Immerhin, es gab etwas zu trinken!

Lange hielt ich es dort unten nicht aus und musste hinaus. Nein, ich war weder volltrunken noch klaustrophobisch, die Stimmung war mir einfach zu trüb. Ich schnappte mir ein Bier und gab den anderen ein Zeichen.

Draußen war die Luft klar und sehr angenehm. Dort traf ich überraschend auf eine Gleichgesinnte. Auch ihre Erwartung und Vorstellung von einer Party, die, wie sie meinte im Grunde nicht allzu anspruchsvoll waren, wurden meilenweit unterboten. Diese Party war unterirdisch und das nicht, weil sie in einem Keller stattfand! Wir setzten uns auf eine Bank und unterhielten uns ganz gut.

„Hey, der Bus kommt gleich! Wir wollen noch in die Stadt. In die Disco!“, riefen mir die Jungs zu.
Ich schaute auf meine Uhr. Zwei Stunden hatten wir hier draußen gesessen. Hatte ich gar nicht gemerkt. Sie wollte nachkommen also verabredeten wir uns für später.

„Die Party war doch nicht so schlecht“, sagte ich ganz zufrieden.
„Ja. Lief was mit ihr?“
Na typisch! Immer die eine, gleiche Frage.
Ich schaute ihn ernsthaft an und zuckte mit meiner linken Augenbraue. Das konnte alles und gar nichts bedeuten. Er lachte. Dann triumphierte er.
„Ich hab mit drei rumgemacht!“
Doch bevor seine Brust stolz anschwellen konnte jagte eine Zahl die Nächste.
„Ich mit fünf!“
„Und ich mit sechs!“

„Ich“, sagte ich langsam und bescheiden, „habe es nur auf eine gebracht“, um dann etwas nachzuschieben.

„Wartet mal Jungs“, fuhr ich fort und wusste, ich würde wieder den Spielverderber spielen.
„Wie viele Frauen waren denn auf der Party?“
Ich blickte in die Runde. Lies die Frage einmal wirken. Sie schauten jetzt etwas anders.
„Nun kommt schon, so viele konnten es nun wirklich nicht gewesen sein!“

Betretenes Schweigen.

Verwirrter Mann ratlos
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„4 oder 5“.
Das klang jetzt etwas zaghaft und kleinlaut.

„Mehr aber nicht“, schloss ich ab.
„Und, mit einer von denen war ich aber die ganze Zeit draußen. Also mit der kann keiner von euch rumgemacht haben!“

Erneut betretenes Schweigen.

„Diese Schlampen!“, rief plötzlich einer empört aus.
Dann war auch schon der Bus da.

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13 Gedanken zu “Partyschlampen

  1. Reißer ist nun ein Wort das ich noch gar nicht kenne. Wieder was gelernt. 😀
    Mit deinem Kommentar zum “im Grunde toll finden” bringst du mich btw. gerade wieder darauf: Den Artikel den du geschrieben hast, kann man auch umdrehen. Ich kenne auch genügend Frauen, die Männern mit netten Titeln bewerfen die sie vielleicht nicht unbedingt immer verdient haben. Da geht es dann aber eher in die Richtung Schlappschwanz, Idiot, etc.
    Da gleicht sich die ganze Sache wohl wieder aus.. unzufriedene Frauen unterstellen Männern das sie “es” nicht hinbekommen und unzufriedene Männer unterstellen Frauen das sie zu viel “hinbekommen”. *g*

    Liebe Grüße

  2. alice,
    hengst ist glaube ich nicht so sehr verbreitet, da keiner genau weiß, wie der andere “performt”! die “jungs” waren dann eher “reißer”.
    wobei das a-wort auch bekannt war und nur von den “damen” genutzt wurde und nicht immer klar war, ob sie nicht damit die männer meinten, die sie im grunde toll fanden und hinterher schmachteten gerade weil derjenige charakterlich verwerflich war:-D

  3. Hi Jungs, ich klink mich mal ein. Männliche Schlampen heißen doch eigentlich nur bei anderen Männern Hengste oder? Meines Wissens nach haben Frauen ganz andere Worte. Das freundlichste ist noch: Arschloch. ^^

  4. Nun, wenn ich es mir so vorstelle hast du durchaus Recht. Ich werd mich in mein stilles Kämmerchen zurückziehen und darüber nachsinnieren…

    Aber erst werd ich das durchaus interessante Bild eines Staubsaugverkäufers am Wohnungseingang mit der pink-rosa leuchtenden Shampooflasche in der Hand, verbannen.

    “Kaufen sie.. Kaufen sie… “

  5. Nun, in den Kreisen in denen ich verkehre wird vorzugsweise Schlampör gesagt. Natürlich nur falls es einmal einen Mann betrifft, schliesslich ist er ja eher ein “Hengst” wenn er viele Trophäen beweist!

    Und danke für deine Wünsche – ich werde mir Mühe geben!

  6. danke, magnolly!
    ich habe diesen begriff immer neutral aufgefasst und auf beide geschlechter bezogen. du hast recht, generell denkt man natürlich dabei an eine frau.

    dein blogtitel und opener macht neugierig! ich wünsche dir viel spass und erfolg – vielleicht findest du das gesuchte wort:-D

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