Paintball oder Teambuilding mal ganz anders

Paintball - 2012 composed by fxhakan

Zunächst hatte ich Zweifel, ob ich mich an jener Art „Kriegsspiel“ beteiligen sollte, aber Paintball wollte ich immer schon mal spielen. Ich glaube, so ging es allen. Außerdem dachte ich mir, sofern ich einen gesunden Menschenverstand habe und zwischen Realität und Spiel unterscheiden kann, ist es ok. Computerspiele hatten ja auch keinen Schaden bei mir verursacht! Das Gefühl, das es aber zum Ende hin hinterlassen sollte, damit hatte ich nicht gerechnet.

Es wird ernst
Das Event wurde von unserem Firmenkollegen K. als private Freizeitveranstaltung organisiert und mehr als 15 Personen trafen dann tatsächlich abends in dem Sportclub ein – also kaum Verluste bis hierher! Wir mussten unsere Ausweise vorzeigen, denn ohne Auswahl darf man nicht teilnehmen. Es scheint also doch etwas mehr zu sein. Dann ging es direkt zu den Umkleiden, wo wir unsere „Kampfuniformen“ anzogen, die aus alten, lumpenreifen Klamotten bestanden. Nur die beiden Kollegen R. & C. hatten tatsächlich eine Art Uniform dabei – beide trugen einen Bademantel aus dem Holiday Inn. Dieses Weiß stand vielleicht für unsere Unschuld und Naivität, mit der wir dieses Spiel angingen.

Anschließend gingen wir zum Platz hinaus. Bekamen Masken, die Waffen mit den Kügelchen und strikte Anweisung, wie wir mit der Waffe auf und außerhalb des Spielfelds umzugehen hatten. Das wurde sehr ernst und mit Nachdruck erklärt. Die Bewegungsenergie der Paintballkugeln war nämlich so stark, dass sie zu gefährlichen Verletzungen führen kann. Daher bekamen die Frauen auf Wunsch eine Art Brustpanzer. Wir taffen Männer hingegen hätten jegliche Art von zusätzlichem Schutz abgelehnt. Es sollte sich noch herausstellen, dass hier das schwache Geschlecht alles andere als schwach auf dem Spielfeld agierte und ich beim nächsten Mal ein Suspensorium doch in Erwägung ziehen würde!

Eintritt der Gladiatoren
Es war bereits dunkel, etwas kühl und der Regen hatte etwas Feuchtigkeit hinterlassen. Ideale Bedingungen, um sich richtig schmutzig zu machen. Die Spielwiese kam mir allerdings recht klein vor. Vermutlich hatten mir Hollywood-Filme eine falsche Vorstellung von den Dimensionen eines solches Spielfeldes vermittelt. Als wir jedoch spielten, war die Fläche groß genug, wäre sie größer gewesen, hätten die Spiele unnötig länger gedauert.

Der Trainer gab den Tipp, wir sollten nicht alle zusammen hinausstürmen und uns geschickt verteilen. Also übernahm ich den Part, uns strategisch zu organisieren. Alle hörten geduldig zu und machten dann, was sie wollten! Besonders eifrig war eine Gruppe von Kämpfern in unserer Mannschaft, von der ich es am wenigsten erwartet hatte – die Damen!

Während ich also strategisch und klug meinen Angriffsplan dem Team darlege, um sicher an die nächste Position zu gelangen, drehe ich mich für einen Moment zu einem Teil unseres Teams um. Als ich mich wieder zurückdrehe, sehe einen Teil meines Teams nicht mehr. Fräulein H. ist einfach losgelaufen und befindet sich bereits dort! Forsch und furchtlos arbeitet sie sich zum Gegner! Sie ist auch die einzige, die das Kunststück zustande bringt, mit Ballerinas herumzulaufen. Nicht nur das – am Ende des Spiels sehen wir alle anderen wie Sau aus, ihre Ballerinas hingegen sind sauber und das trotzt ihres mutigen Einsatzes!

Die ersten Opfer befinden sich schnell unter den Bademantelträgern, denn das Waschmittel hatte ganze Arbeit geleistet, die Bademäntel strahlen förmlich im Dunkeln und ziehen die Farbkugeln magisch an! Auch sonst zeichnet sich jedes Match durch eine hohe Anfangsgeschwindigkeit aus. Die Draufgänger eliminieren den Gegner oder sich selbst, dann bleiben nur noch die vorsichtigen übrig. Sie verharren in ihrem Versteck bis irgendwann nur noch sie selbst übrig bleiben und vergeblich auf den Gegner warten wie Rambo, dessen Krieg bereits vorbei war und nur noch in seiner Vorstellung existierte.

Der Stoff, aus denen Helden geboren werden
Die besten Aktionen, an dich ich mich erinnern kann, gingen von den Damen aus. Eine verdient besondere Erwähnung und muss Eingang in die Fame of Hall finden! Wir sitzen zu dritt in einer kleinen Hütte, wähnen uns sicher und wissen nicht so recht, was wir jetzt als nächstes tun sollen. Als plötzlich eine Person mit Geschrei aus den Büschen spring und wie wild auf Herrn M. ballert, der eben noch völlig entspannt auf dem Boden saß und an seiner Zigarette zog. Es ist Fräulein P.! Interessant wird ihr Mienenspiel in jenem Moment, wo ihr Triumph von Überraschung direkt in Entsetzen übergeht, in jenem Moment, wo sie entdeckt, dass sich zwei weitere von uns in der Hütte befinden. Alles spielt sich wie in Zeitlupe ab, als hätten irgendwelche Filmemacher aus dramaturgischen Gründen auf Slomo umgeschaltet. Ich sehe wie sich ihre Augen weiten und sich zur Seite in unsere Richtung drehen. Ihre Mundwinkel, die eben noch siegessicher und fast gemein lächelten, verzerren sich entsetzt. Sie landet direkt vor unseren Waffen. Wir sind immer noch völlig perplex und regungslos, aber dann drücken wir beide ab. Diverse bunte Kugeln prasseln wie wild auf sie ein und explodieren aus nächster Nähe direkt überall auf ihrem Körper. Ihr Siegesschrei verliert sich in einem Gemisch von Schmerz und Verlust.

Später werde ich auch getroffen. In einem Graben liegt jemand auf der Lauer. Es herrscht völlige Stille als jemand plötzlich feuert, gefolgt von einem Brennen in meiner Leistengegend. Dann wieder ein Treffer. Ich schreie schmerzhaft „Aus“! Nach einem weiteren Treffer hört er auch auf. Knapp entgehe ich einer Attacke auf meinen Intimbereich!

Zusammengeschweißt
Meine anfänglichen Bedenken waren verflogen. Nicht nur, dass es wirklich Spass gemacht hatte, sondern es gab keine brutale Stimmung oder kriegsähnliche Szenarien. Alles lief human ab. Auf dem Spielfeld agierte ich zu meinem Erstaunen vorsichtig, denn ich konnte jederzeit getroffen werden, was auch schmerzhaft war, anders als bei Computerspielen.

Auf dem Feld kämpften wir zwar gegeneinander, niemals aber waren wir wirkliche Gegner, sondern hatten gemeinsam Spass! Das Phänomen für mich bleibt mein Eindruck, dass es uns teamübergreifend näher brachte, besser als jede mir bisher bekannte Teambuilding-Veranstaltung, die ich in Firmen mitmachen musste. Wir alle wollen unbedingt ein weiteres Treffen und planen schnell das nächste Paintball-Event.

Am nächsten Tag hatte ich dann blaue Flecken verursacht von rosa Bällen!


2 Gedanken zu “Paintball oder Teambuilding mal ganz anders

  1. hallo carsha,

    danke! ich versuche immer, die dinge differenziert-kritisch zu betrachten, daher wäre mir das wort “gemetzel” in diesem zusammenhang nie in den sinn gekommen…

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