„Stinkende Türken!“

Supermarket Stinken Türken Knoblauchdiebmx via photo pin cc

Er sprach die Worte laut und sehr hart aus, als würde er mit seiner Zunge seine eigenen Vorderzähne herausschlagen und zugleich ausspucken wollen. Es klang wie eine Alliteration und rückte beide Worte näher zu aneinander und verband sie zu einer untrennbaren Einheit. Lange hatte ich dergleichen nicht mehr gehört. Erwartet hätte ich es als Schlagzeile in einer Zeitung, die sich mit geistigem Müll beschäftigt.

Ich stand wieder einmal vor den Regalen mit den Süßigkeiten, im Kampf gegen die Versuchung, der ich regelmäßig unterlag. Diesmal war ich sogar direkt nach der Arbeit in den Supermarkt gefahren statt zuerst nach Hause, um mich umzuziehen.

Ich sah zwei hagere und lange südländisch wirkende Jugendliche in weiß-frischen T-Shirts, die sich voll in der Pubertät befanden und bei denen sich der erste Pflaum auf deren Oberlippe abzuzeichnen begann, während alles andere im Gesicht durch Pickel bedeckt zu sein schienen. Sie wirkten völlig normal, weder unordentlich noch so aufgepimpt wie die „Hollywood-Türken“ – ein Wort, das ich von einem ausländischen Türsteher habe. Sie gingen ruhig. Es schien so, als hätten sie nichts von seinem Ausbruch mitbekommen, was mich vermuten ließ, dass es zwischen ihnen zu keiner Konfrontation gekommen war!

Er hingegen trug ein weißes Poloshirt jener speziellen Marke, das üblich für solche Kreise war. Unter den vergilbten Schweißflecken ragten seine Arme wie dünne Streichhölzer heraus. Sein eingefallenes Gesicht wurde von seinem Schnurrbart getragen, das sehr klein wirkte, weil seine Barthaare so dünn waren. Er machte den Eindruck eines Menschens, der viel älter aussah als er in Wirklichkeit war. Eines Menschens, der sich am Rande der Gesellschaft zu bewegen schien.

Was für ein Kontrast, dachte ich mir und bemerkte plötzlich, dass ich mich komplett in seine Richtung gedreht hatte. Er kam auf mich zu. Ich stand also dort, in meinem guten Anzug mit Krawatte und Designerbrille, mich innerlich darauf vorbereitend, dass es gleich unangenehm werden würde. Wegdrehen wollte ich mich auch nicht. Das wäre feige. Außerdem konnte ich sein ausfallendes Verhalten nicht einfach so hinnehmen. Also schaute ich ihm offen in die Augen. Ich konnte sehen, wie die Wut sein Gesicht zerknittert hatte. Jedoch zu meiner Überraschung würdigte er mich keines Blickes, senkte den Kopf und ging einfach weiter.

Was war das denn? Sah ich nicht aus wie ein Ausländer oder roch ich einfach nur gut, fragte ich mich scherzhaft und erleichtert. Oder ich hatte mich voll integriert und war damit endlich in Deutschland angekommen ohne es zu merken;-)

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