Die Wassermelone

Wassermelone Erfrischend - © berwis / pixelio.deErfrischend – © berwis / pixelio.de

Als er die saftige Wassermelone auf dem reichhaltigen Buffet sah, erinnerte er sich, wie Ira erst kürzlich erwähnte, dass sie sich im Sommer besonders auf die Wassermelonen freue. Daraufhin hatte er sich fest vorgenommen, diese Woche auf den Markt zu gehen, um sie damit zu überraschen. Aber das hatte er zeitlich nicht geschafft.

Jetzt also stand er hier, mit zwei kleinen Teller in den Händen und schnitt zwei große Scheiben von der Melone ab. Dann suchte er noch etwas dekoratives, drapierte den Teller liebevoll und blickte sich dann um. Ira saß wenige Meter von ihm entfernt auf einem kargen Holzstuhl, die Beine übereinander geschlagen und unterhielt sich angeregt mit Frida, die auch zu Gast auf dieser Party war. Er lächelte. Das tat er immer, wenn er sie sah. Auch freute er sich auf ihr überraschtes Gesicht. Auf dem Weg zu ihr griff er noch nach zwei Servietten.

»Hier«, sagt er, während er voller Vorfreude ihr den einen Teller überreicht.

Sie unterbricht ihr Gespräch, schaut auf den Teller. Während sie es skeptisch entgegennimmt, fesselt der Anblick Fridas Blick. Das rote Fruchtfleisch schimmert kühl und verführerisch lecker. Hellgrüne Steifen durchziehen die dicke Schale, die mit einem kräftigen grün protzt, während die Kerne sich fast schon verschämt in ihren kleinen Löchern verstecken. Er hatte die Melone in handgerechte Portionen geschnitten und mit einer weißen Blume dekoriert.

Wie aufmerksam von ihm, denkt Frida sich. Jetzt hatte auch sie Lust auf eine saftige Melone! Sie wirft einen Blick in den Raum, um nach ihrem Freund zu sehen. Versucht dabei unauffällig zu wirken und es beiläufig erscheinen zu lassen. Spielt daraufhin flüchtig mit ihren Haaren. Warum bringt er mir nichts spontan vorbei oder überrascht mich mit solchen Kleinigkeiten oder…

»Und womit soll ich das Essen!«

Abrupt reißt die barsche Frage, die eine unverdeckte Kritik und Aufforderung war, Frida aus ihren Gedanken bevor diese sich hochzuschaukeln drohten.

Sie blickt zu Ira hinüber, die nun vorwurfsvoll zu ihrem Freund schaut und ihm den Teller hinhält. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Scheint solche Situationen gewohnt zu sein und zu wissen, wie sie zu meistern sind.

Er greift demonstrativ mit den Fingern nach dem kleinen Stück während er ihr triumphierend »mit den Fingern!« zuruft. Völlig unbeeindruckt dreht sich Ira zu Frida. »Männer«, sagt sie mit gefasster Stimme, »können nichts völlig richtig machen.« Dabei legt sie ihren Teller unmerklich zur Seite und führt ihre unterbrochene Unterhaltung fort als sei nichts geschehen. Es vergehen ein paar Minuten, bis ihm das auffällt.

»Du hast ja nichts gegessen!« ruft er dann doch überrascht mehr sich selbst als ihr zu. Er steht auf und geht eine Gabel holen. Ira blickt ihm kurz nach. Beugt sich dann näher zu Frida und sagt zufrieden – Männer müsse man ganz subtil erziehen.

Beide lachen. Zu Hause angekommen wird aber der Freund von Frida nichts zu lachen haben. Verstehen wird er es nicht. Hätte doch auch er die Melone entdeckt!


Ein Gedanke zu “Die Wassermelone

    Reposts

    • Hakan von C

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