Der Ouzo und die Spätfolgen

Wir haben noch nie gemeinsam Ouzo getrunken, aber dafür alles andere! Er ist ein langjähriger Freund und immer wenn das Thema auf Griechen und Türken kommt, dann ist schnell klar, wer sich auf wessen Seite schlägt.

Als ich ihm kürzlich wieder begegnet bin, da dachte ich, ich könne ihn etwas ärgern in dem ich die aktuelle Krise in Griechenland anspreche, um mich dann allerdings entgegen der üblichen Gepflogenheiten auf seine Seite zu schlagen.

Doch hörte ich zu meiner Verwunderung keine Erwiderung, sondern eine Zustimmung! Die überbordende Bürokratie, holte er aus, der fette Staatsapparat mit ihren üppig besoldeten Beamten, die Korruption und und und… Er zählte die Punkte routiniert auf. Es schien nicht das erste Mal zu sein. Sein Lachen klang dabei verächtlich, resigniert und unterdrückte kaum seine Verärgerung.

Wessen Verschulden?

Es ist ja eine weit verbreitete Weisheit, dass wer Schulden macht, der sei auch selbst schuld. So die einfältige Erklärung der aktuellen Schuldenkrise in Griechenland. Stimmt das? Wie kann ein Land derart hohe Schulden aufbauen, um damit eine Krise in ganz Europa auszulösen?

Schauen wir uns mal die Zahlen an. Üblicherweise bewertet man hierzu die Bruttoverschuldung im Verhältnis zum BIP. Bei Griechenland fallen einem die drei letzten Jahre 2008, 2009 und 2010 ins Auge (s. Abb. 1, Quelle [1]), die eine steilen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren ausweisen. In den Jahren 1999 bis 2008 lag die Schuldenstandsquote im Schnitt stabil bei etwas über 100% des BIPs.

Der Ouzo und die Spätfolgen

Geht man für das Jahr 2011 von der wahrscheinlichen Schuldenstandsquote in Höhe von ca. 150% des BIPs aus, so hat sich also die Schuldenstandsquote in den letzten drei  Jahren um ein Drittel erhöht[2]!

Wenn man schon dabei ist, kann man sich auch weitere Länder anschauen: Irland, Spanien, Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich. Auch dort fällt mal mehr oder weniger ein gewisser Knick nach oben ab dem Jahr 2007 auf (Abb.2, Quelle [1])!

Der Ouzo und die Spätfolgen

Wessen Krise?

Was war denn nochmals im Jahre 2007 passiert? Es gab die Krise im Finanz- und Bankensektor, der in der Lehmanpleite gipfelte.

Die Staaten verschuldeten sich, um die Banken und die Weltwirtschaft zu retten. Damit erhöhten die Staaten stark ihre Schulden. Die Konjunktur ging zurück und Milliarden Steuereinnahmen brachen weg. Hinzu kamen Ausgaben für milliardenschwere Konjunkturpakete[3].

Wer wird gerettet?

Da nun die Staaten dank der Banken- und Finanzkrise in eine wirtschaftlich schwierige Lage manövriert wurden, nahmen die Risikoaufschläge für Kredite zu, so dass die Kredite zu noch höherer und schnellerer Verschuldung führten und noch heute führen. Die so geschwächten Staaten wurden dann zur Zielscheibe von Spekulanten, die gegen diese Staaten wetteten und damit zur Verschärfung der Krise wieder beitrugen.

Was nun?

Jetzt kann jeder für sich überlegen, wer die Party gefeiert hat und wer mit einem Kater aufgewacht sein durfte. Aber nicht verzagen, denn in dieser Woche wurden der EFSF und der Schuldenschnitt für Griechenland beschlossen. Steigt die nächste Party und vor allem, wer darf sie bezahlen…

Fest steht, weitere Kandidaten wie Italien wackeln. Hierin lag und liegt die eigentliche Gefahr!
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Quellen & Links

[1] Quelle der Daten Eurostat
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/graph.do?tab=graph&plugin=1&pcode=teina225&language=de

[2] 10.2011 IMK Report Nr. 66: Gustav A. Horn, Fabian Lindner „Voraussetzungen einer erfolgreichen“
http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_66_2011.pdf

[3] 21.10.2011 FTD – Thomas Fricke „Schluss mit der Bankermagie“
http://www.ftd.de/politik/international/:kolumne-thomas-fricke-schluss-mit-der-bankermagie/60118835.html

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