Die Schönheit und das ungerechte Körperfett

„Am dicksten und fettesten ist es an der weiblichen Brust und Bauch, an den Oberschenkeln, kurz, überall, wo ein bisschen was los ist für Herz und Hand.“

Dr. Behrens aus Th. Manns „Der Zauberberg“

Irgendetwas stimmt hier nicht.
Ich komme nur nicht darauf.
Schaue konzentrierter hin, erkenne nichts.

Höre ihr weiter zu. Sie ist attraktiv. Stillvoll gekleidet, wirkt selbstbewusst. Alles scheint zu passen. Trotzdem, jetzt wo dieses unbestimmte Gefühl in mein Bewusstsein gespült wurde, lässt es mir keine Ruhe mehr. Nur greifen kann ich es noch nicht.

Ich achte auf ihre Körpersprache. Locker, ungezwungen, von sich überzeugt. Nein, das ist es auch nicht. Während sie redet suche ich weiter.

Dezent geschminkt. Augen hervorgehoben. Gepflegte Hände. Sehr chic gekleidet. Ein eigener, individueller Kleidungsstil, passt zu ihr. Erscheint mir wie eine raffinierte Komposition aus verschiedenen farblich aufeinander abgestimmten Kleidungsstücken, das ihre Figur gut zur Geltung bringt… Moment! Dann schießt mir der Gedanke durch den Kopf: sie trägt zu viel! Und verbirgt zugleich etwas.

Klar, es ist Winterzeit und kalt, aber wir befinden uns in einer Discothek, bei der die Frauen bereits beim Eintritt weniger an haben als die Männer nach dem Entkleiden an der Garderobe!

Nein, sie ist nicht zu dick. Vielleicht war sie es mal, denke ich mir. Sie ist schlank. Wieso ich trotzdem auf so einen Gedanken komme? Jahrelange Erfahrung! Daher frage ich sie auch nicht, damit würde ich das Gespräch in eine Richtung lenken, die zu nichts Gutem führt, egal wie sehr man(n) beteuert, dass sie sich alles nur einbilde und sie eine tolle Figur hätte. Umso mehr erregt das dann ihre Skepsis. Emotional kommt man(n) dem nicht bei, besonders nicht in dieser Situation!

Ich habe es auch mal mit wissenschaftlich fundierten Argumenten versucht. Keine Chance! Eine für mich verblüffende Studie, die Frauen einfach ignorieren! Darin wurden Frauen und Männer zu ihrer und der Figur des jeweils anderen Geschlechts befragt. Frauen befanden sich und die Männer für zu dick. Das war zu erwarten. Die Männer hingegen sagten aus, dass sie sich selbst und die Frauen für zu dünn hielten!

Nun gut, dachte ich mir. Die wissenschaftliche Ausführung mag zu rational und emotionslos klingen. Daher versuchte ich die poetisch-künstlerische Variante. Eine Ode an die Rundungen der Frauen, hervorgezaubert durch das schnöde Körperfett. Denn alles, was Männer so schön finden – also Brüste, Beine, Schenkel und Po, wird durch Fett geformt und fühlt sich für uns wunderbar an!

Wir Männer mögen die Frauen gerade wegen ihres Fetts;-) Weshalb also wollen Frauen ihn denn über die Maßen loswerden? Hier bekommt man den leisen Verdacht, es geht um etwas anderes!

Frauen wissen, dass sie mit weit weniger Männer beeindrucken und leicht um den Finger wickeln können. Sie machen das, um die anderen „Damen“ vor Neid erblassen zu lassen oder um ihnen keine verbale Angriffsfläche zu bieten! Wir Männer sind nur schmuckes Beiwerk!

Wir Männer sind also in mehrerer Hinsicht arm dran. Wir mögen Fett – unser Bauch kann ein Lied davon singen, aber was bei Frauen einen ästhetischen Hochgenuss für Augen und Hände bewirkt, führt bei uns zu körperlichen Disharmonien. Was das Fettgewebe bei Frauen auslöst, bewirkt bei uns leider das Muskelgewebe. Die Welt ist ungerecht!

>>> Fortsetzung hier
Die verschlossene Frau

photo credit: mripp Mysterious Eyes via photopin (license)


8 Gedanken zu “Die Schönheit und das ungerechte Körperfett

  1. Danke Naty!

    Dazu fällt mir ein Zitat aus “Das Samtkaninchen oder Das Wunder der Verwandlung” von Margery Williams ein:

    »Wenn man erst einmal echt ist, dann sind einem schon die meisten Haare weggeliebt worden und die Augen fallen dir heraus und deine Gelenke sind ausgeleiert und du bist ganz abgewetzt. Aber das macht alles nichts, denn wenn du erst einmal echt bist, kannst du gar nicht mehr hässlich sein, höchstens für Leute, die keine Ahnung haben.«

  2. Guter Artikel, Fxhakan. Niedriges Selbstbewusstsein kann durch eine tolle Figur nicht ersetzt werden. Man muss dann wirklich am Selbstbewusstsein arbeiten.
    Ich frage mich auch, wieviel Gedankenkraft die Menschen jeden Tag vergeuden, um über ihren Fett nachzudenken. Kann man damit nicht etwas Sinnvolleres anfangen?

    LG, Naty

Reposts

  • Hakan von C

Mentions

  • fxhakan
  • Sexy Männer und das Körperfett « fxhakan | BLOG
  • Infografik – Dick vs dünn « fxhakan | BLOG
  • Die verschlossene Frau « fxhakan | BLOG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.