Lie to Me* – Erkennt der Serienfan besser Lügen?

Alltagspsychologie

Wer sich eine Arztserie im Fernsehen anschaut, der rennt nicht los, weil er glaubt, Menschen behandeln zu können. Wenn überhaupt sucht er einen Arzt auf, weil er meint, die beobachteten Symptome bei sich selbst diagnostiziert zu haben. Er wird nicht zum Hobbyarzt sondern eher zum Hypochonder.

Eine Serie über Psychologie hingegen wirkt anderweitig ansteckend. Manche Menschen fühlen sich zu Hobbypsychologen ausgebildet und meinen, ihr Fernwissen auf ihre nähere Umgebung anwenden zu können. Damit schärfen sie vermeintlich ihren Blick auf etwas, das so nicht existiert und unterliegen zumeist einer Fehleinschätzung.

Couchpsychologen

Eine Serie der Kategorie Psychologie, mit der ich mich schon seit längerem beschäftige ist Lie to Me*. Darin spielt Dr. Cal Lightman die Hauptrolle. Seine vorrangige Aufgabe besteht darin, die Lügen anderer zu entlarven. Dies geschieht auf sehr anschauliche Weise, so dass der Zuschauer einen Lerneffekt erlebt und das Gefühl bekommt, er könne das aus.

Aus-Bildung zum Nicht-Experten

Können Zuschauer, nachdem sie Lie to Me* gesehen haben,  tatsächlich danach besser erkennen, ob ein Mensch lügt? Dieser Frage wurde in einer aktuellen Studie von Timothy Levine [1] nachgegangen.

In seinem Artikel “In Truth, ‘Lie to Me’ Breeds Misconceptions” beschreibt Tom Jacobs das Versuchsdesign und die Ergebnisse[2].

Timothy Levine und sein Team teilten dabei 108 Studenten in drei Gruppen auf.  Die erste Gruppe schaute sich eine Episode von Lie to Me* an, die Zweite den Krimi Numb3rs und die Kontrollgruppe keins der beiden. Danach schauten sich alle Versuchspersonen zwölf Interviews auf Video an. In dem Interview sagten sechs Personen die Wahrheit und die andere Hälfte log. Anschließend wurden alle Versuchspersonen befragt, welcher der Befragten auf den Videos gelogen und welche die Wahrheit gesagt hatten.

Ergebnisse der Studie

Wer hat wohl am besten abgeschnitten? Die Gruppe, die sich Lie to Me* angeschaut hat, schnitten am schlechtesten ab, gefolgt von der zweiten Gruppe. Am besten erkannte die Kontrollgruppe, ob es sich um Lügen oder Wahrheit handelte. Das schlechte Abschneiden der Lie to Me* Zuschauer führen die Wissenschaftler auf die erhöhte skeptische Haltung, die zu Lasten der Treffergenauigkeit ginge, zurück.

Spätfolgen

Wer sich also eine Serie anschaut, die sich ständig damit auseinander setzt, ob die Person lügt und diese dann meistens aufgedeckt wird, der fängt an, andere Menschen skeptischer zu sehen und häufiger der Lüge zu verdächtigen als vorher.

Überraschen kann das einen nicht, zumal es auch Thema einer Folge war. Darin hat auch Dr. Cal Lightman seine Probleme, weil er sich ständig mit dem Auffinden der Lügen anderer Menschen hauptberuflich auseinander setzt. In seiner Beziehung führt diese Fokussierung auf das Negative zu einem Bruch, da er sich zu sehr davon leiten lässt und das Positive übersieht [3].

Wie lange dieser Lie to Me* – Effekt anhält, wurde nicht erwähnt. Ich würde allerdings von einem Gespräch direkt nach der Sendung abraten;-)

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Quellen & Links

[1] Timothy Levine

[2] Tom Jacobs – In Truth, ‘Lie to Me’ Breeds Misconceptions
http://www.miller-mccune.com/blogs/news-blog/in-truth-%E2%80%98lie-to-me%E2%80%99-breeds-misconceptions-18677/

[3] Lie to Me* – Zuviel Wahrheit
http://fxhakan.wordpress.com/2010/05/13/lie-to-me-zuviel-wahrheit/


2 Gedanken zu “Lie to Me* – Erkennt der Serienfan besser Lügen?

  1. Hallo Möchtegern-Held,

    danke für deinen Kommentar! Das ist eine wirklich gute Frage! Soweit ich es verstanden habe, wurde das nicht berücksichtigt. Vielleicht ist das Versuchsdesign hierdurch schwieriger zu gestalten.

    Ich könnte mir vorstellen, dass diese Versuchspersonen anders abschneiden. Ich selbst “beschäftige” mich schon seit den 90er Jahren mit Körpersprache. Aufmerksam wurde ich damals durch die “Flirt”-Experimente vom Verhaltensforscher Karl Grammer. Dennoch finde ich es immer wieder schwierig, die Körpersprache der Menschen korrekt einzuschätzen.

    Lehrreich fand ich bei Lie to Me, dass im Grunde alle Menschen lügen und diese Information an sich keinen Mehrwert liefert. Entscheidend sind die Gründe und diese sind sehr subjektiv. Dazu muss man dann doch mehr über den Menschen – und auch über sich selbst – wissen.

    Karl Grammer beobachtet nur einen ganz geringen Aspekt des Verhaltens unter streng kontrollierten Bedingungen. Vielleicht gelingt es uns “Amteuren” in geringem Maße, doch etwas mehr zu sehen, allein schon, weil wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten. Spannend und interessant finde ich es allemal!

    Sag bescheid, wenn dein Artikel fertig ist…

    Beste Grüsse,
    Hakan

  2. Hallo Hakan,
    ich bin soeben bei meinen Recherchen über “Lie to me” auf diesen Blog geraten. Ich finde Ihn äußerst interessant und auch die Sendung mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten hat mir Freude bereitet. Die Studie ging, zumindest soweit ich das lesen konnte, davon aus, dass die Menschen, die “Lie to me” gesehen haben schlechter abschnitten.
    Ich persönlich bin jemand der Sendungen nicht nur zum Entertainment und Stimulation sieht, sondern sich auch abseits der Serie informiert. Somit habe ich mich ebenfalls mit Körpersprache, Ausdrucksformen etc. informiert. Ich denke, dass solche Probanden auch anders abgeschnitten hätten. Was meinst/en du/Sie?

    Ich werde diesbezüglich ebenfalls die Tage noch etwas bloggen. Wenn die Zeit besteht würde ich mich über eine Antwort freuen.

    Es grüßt der Möchtegern-held

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