Frauen sind nicht süß!

Das verirrte Wort

Die Sprache beherrscht uns, aber manchmal geben wir uns den Anschein, sie durch Nutzung einzelner, gezielter Worte beherrschen zu können. Es gibt Worte gegen die ich eine gewisse Aversion habe, wenn ich mich mit ihnen in einem Satz wiederfinde. Dann reagiere ich etwas unausgeglichen. »Süß« ist so einer davon.

Das Wort hat ein Eigenleben, seine Eigendynamik, und es verfolgt mich! Mittlerweile habe ich es unbewusst verinnerlicht. Es lauert also tief in mir, im Verborgenen, wartet auf den richtigen Moment, dass es wieder auftauchen kann, um ein weiteres Opfer zu finden!

Die Ruhe vor dem Sturm

An diesem Samstag war so ein Moment – die Geburtstagsfeier von Mel*. Nichts deutete daraufhin. Männer zumeist gesellig unter sich. Biertrinken. Fussballschauen. Die Amerikaner führen 1:1 gegen die Engländer. Das Spiel dann zu Ende. Einige Wetten verloren. Es folgt das Mischen der Mannschaften.

Der Ball rollt erneut ins Spielfeld. Allmählich beginnen die Gespräche und Diskussionen. Die beiden wichtigsten Spielwiesen sind der Balkon wegen der Raucher und vor allem die Küche!

Naschereien

Natürlich stehe ich in der Küche und habe schon etliche Flaschen Cola intus – ich muss nämlich fahren. Zwischendurch mehrere Limonaden. Die Salzstangen können nicht wirklich dagegenhalten. Das Süße quillt mir schon förmlich aus den Ohren.

Ina** wird am nächsten Tag ihre Haare stark kürzen lassen, berichtet sie uns vor unseren geschockten Augen. Ihr steht ihre aktuelle Friseur wirklich gut! Dennoch lässt sie sich von Mel und mir nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Mel geht kopfschüttelnd weg. Ich gebe aber so leicht nicht auf. Denke nach, hole tief Luft und dann verbal aus.

»Du siehst doch ganz süß mit der Friseur aus!«

Schockstarre!

Ich bin süß?!
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Das schlug ein wie eine Zuckerbombe, die von Foodwatch auf Platz Eins gekürt wurde! Dieses kleine unscheinbare Wort »süß« erblickte wieder das Licht der Welt, schrie unüberhörbar und versalzte mein wundervolles Kompliment!

Als dann die Taubheit allmählich nachlässt, rennt Ina sofort zu Mel und erzählt ihr von meiner würzigen Verbalschnitte. Blicke treffen mich. Ich gehe furchtlos auf sie zu. Wir schauen uns alle an. Keiner ist verletzt. Schauen uns dann wieder in die Augen, um anschließend  in ein wirklich langes Gelächter auszubrechen.

Männer sind süß

Auch sie hat eine Abneigung gegen das Wort »süß«. Treffender hätte ich also nicht formulieren können!

Dann folgt natürlich die obligatorische Belehrung!

»Frauen sind hübsch oder sexy, aber nicht süß!«  wirft sie mir vor. »Männer«, holt sie weiter aus, »sind süß oder gutaussehend!«

Ok, denke ich mir, dann bin ich »oder gutaussehend«. Nein, wir Männer sind nicht süß! Nicht einmal, wenn einige Exemplare von uns Erzählungen zufolge kuschelig wie ein Teddybär behaart sein sollen.

Süßes Ende

Ja, süße Worte können auch mal schön bitter schmecken. Ich glaube, ich habe eine neue Geschmacksrichtung entdeckt;-)

photo credit: Brave Face Lolligag via photopin (license)

*,** Die Namen wurden in voller Absichtlich nicht von der Redaktion abgeändert


15 Gedanken zu “Frauen sind nicht süß!

    1. ich würde mich nicht selbst als bad boy bezeichnen und andere menschen einfach so schlecht zu behandeln, liegt mir auch nicht…
      was meine artikel betrifft: danke für deine intensives durchlesen:-) mich interessiert auch, was andere gerne lesen würden. jedoch schreibe ich über ein thema, wenn ich das gefühl habe, (irgendetwas)etwas neues/anderes darüber sagen zu können…lg

  1. Ich kenne auch eine, die ist ganz allergisch gegen dieses Wort. Ich hingegen finde, dass „süß“ sie einfach treffend beschreibt. Ich denke Frau als auch Mann sollten sich keine Sorgen machen, wenn sie als „süß“ betitelt werden. Alles ist erst verloren, wenn Mann „nett“ ist. Da geht dann wirklich nichts mehr.

      1. Ahahahahaha… Ganz so drastisch würde ich es nicht sehen, aber nett ist nun mal so „der kann sich da hin stellen und wenn die sexy Kerle weg sind, dann können wir uns immer noch mit ihm unterhalten, aber Hoffnungen braucht der sich nicht machen“.

      2. Haste dir also so einen Ruf verpassen lassen? 😀 Als Hobbypsychologe solltest du doch wissen, dass die nackte Wahrheit nicht bei jederman gut ankommt.

        Bevor meine Kommentare bald als Spam gedeutet werden, schreib doch einfach mal nen Artikel über „bad and good boys“. 😉 Dann kann ich deine Gedankengänge gl. besser nachvollziehen und muss ned ständig (nach)fragen. 😀

      3. ich lege keinen wert auf einen ruf oder dergleichen. wenn andere meinen, sie müssten sich etwas über mich einbilden, dann ist es ihre sache;-)

        jeder konstruktive kommentar ist willkommen… tja, mein gesamter blog ist ein versuch, meine gedankengänge und die gespiegelte welt darin zu verstehen – also welcome:-D

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