Schöne Frauen und der versteckte Kampf


In einer Bar

In einer Bar – Photo by MorBCN

Letzte Woche war ich mit einem Freund in einer Bar. Einer kleinen und schnuckeligen Bar. Verraucht, immer voll und gemütlich. Fast könnte man meinen, es ginge dort familiär zu. Wir wollten uns den Klitschko Boxkampf anschauen. Was allerdings auf dem Bildschirm ablief, war so spannend nicht, aber dafür das, was sich vor mir gleich abspielen sollte…

Einlass der Akteure

Ich saß an der Theke. Von dort hat man einen guten Überblick. Ich blickte in Richtung Tür, denn der Kampf beginnt und der eine Flatscreen befindet sich direkt über dem Eingang, als zwei junge, sehr attraktive Frauen die Bar betreten. Sie waren in Begleitung von zwei jungen Männern, vielleicht waren es sogar drei.

Sofort ziehen die beiden jungen Damen die Blicke der Gäste auf sich. Dabei tun die Frauen, die neben mir an der Bar stehen, so, als hätten sie zufällig ihre Köpfe dorthin gedreht und dennoch nichts gesehen. Die beiden Damen scheinen sich ihrer Wirkung bewusst zu sein. Sie blicken flüchtig in den Raum, schauen dabei niemanden an. Sie scheinen solche Situation zu kennen und auch zu wissen, wie sie damit umgehen. Kein Lächeln. Perfektes Auftreten. Absolute Selbstkontrolle. Wirken leicht überheblich.

Nähe mit viel Distanz

Sie setzen sich an einen Tisch. Die Eine nimmt in der Mitte der großen Wandcouch am Fenster platz – rechts von ihr ihre Freundin auf einem Stuhl, links von ihr der eine Mann auch auf einem Stuhl. Ihm gegenüber der andere junge Mann. Der sitzt somit ganz rechts und auch auf einem Stuhl. Auffällig, die Dame in der Mitte sitzt allein auf der Couch! Links und rechts von ihr ist aber genug Platz für jeweils eine Person. Es erinnert mich an eine Busfahrt, bei der die Gäste die Sitzplätze so auswählen, dass sie die optimale Distanz zu allen anderen einnehmen… in diesem Fall von keinem zu weit weg sitzen. Sie ist somit den Blicken der Gäste ausgesetzt.

Kurzer Moment der Erleuchtung

Eine Weile vergeht. Kaum Bewegung, kaum Gespräche.

Ihre Blicke schweifen umher und finden keinen Halt.

Allmählich wird der Dame in der Mitte etwas unwohl. Sie wendet sich ihrer Freundin zu. Wirft ihr ein paar flüchtige Worte zu. Lächelt. Dreht sich dann zu dem jungen Mann zu ihrer Linken hin. Sagt ihm auch etwas. Der junge Mann antwortet, bleibt aber cool und regungslos.

Sie greift sich ihre DigiCam, beugt ihren Oberkörper auffällig in seine Richtung und schießt mit einem Smiley auf dem Gesicht ein gemeinsames Foto. Rückt dann etwas näher zu ihm. Bemerkt aber zugleich, dass sie sich von ihrer Freundin entfernt hat, die jetzt noch mehr im Abseits zu sein scheint. Schnell drückt sie ihr die Cam in die Hand und sich an den jungen Mann. Ein paar Mal blitzt das grelle Licht auf, und dann ist es vorbei.

Verblüffend der Kontrast zwischen der vorherigen „Starre“ und der anschließenden Lebendigkeit. Alle verharren wieder in ihren alten Positionen. Die Chance, näher zu rücken und sich näher zu kommen, vorbei.

Klitschko boxt den Gegner in der zweiten Runde nieder. Macht aber den Sack nicht zu. Das wäre es gewesen, denk ich mir.

Ring Ring

Wieder vergeht eine Weile.

Wieder keimt eine gewisse Anspannung diesmal gepaart mit Nervosität auf.

Beide Damen werfen Blicke nach links und rechts – zu den Männern. Ihre Bewegungen sind kurz und abrupt, als wollten sie dabei unauffällig sein und nicht ertappt werden. Weiterhin passiert kaum etwas. Währenddessen boxt Klitschko unspektakulär weiter. Sie ringen innerlich. Kein Gong, der sie aus dem Ring holt.

Oder doch?

In solchen Situationen gibt es immer den einen Rettungsanker: das Handy! Scheinbar lustlos und unmotiviert wird auf das Handy geschaut, Tasten gedrückt auf der Suche nach etwas Befreiendem.

Die junge Dame auf dem Stuhl drückt sich das Handy ans Ohr und eilt aus der Enge der Bar hinaus ins Freie.

Distanz, Nähe und Bewegungsdynamik

Ich bin alles andere, als eine junge, attraktive Frau, aber dennoch kann ich nachempfinden, wie unangenehm, stressig und bedrückend solch eine Situation sein kann.

Auch den Männern am Tisch kann die Situation nicht ganz angenehm gewesen sein, denn sie spielten ständig mit ihren Handys herum. Sonst saßen alle schweigend an dem Tisch. Die Jungs wirkten smart und passten zu den beiden Damen. Waren die Jungs unsicher und unerfahren oder wirklich coole Kerle?

Egal. Wie ließe sich solche Situationen vermeiden oder lösen?

Eigentlich hätte einer nur sagen brauchen, dass sie zusammenrücken müssen, dann säße die junge Frau in der Mitte nicht allein wie auf einem Präsentierteller. Durch die Distanz und die räumliche Lautstärke war kein Gespräch möglich.

Das alles sind zwar wichtige Voraussetzungen für ein Gespräch, aber garantieren kein solches. Auch hier hatten es die Jungs einfach. Die Dame in der Mitte bot durch das Fotografieren eine abwechslungsreiche Situation an, in der alle mitmachen und sich näherkommen könnten.

Durch die spontanen Fotos und das gemeinsame Betrachten gäbe es Gesprächsstoff und etwas zu Lachen. Es würde Bewegung hineinkommen und sich eine Dynamik entwickeln können. Gesten, Mimik, eine lebendige Körpersprache können die Dynamik weiterführen oder wenn alles ins Stocken gerät, wiederbeleben.

Bewegungslos in Bewegung

Nicht nur das. Eine Körpersprache, die gegensätzlich auf die Signale des Gegenübers reagiert, kann Gespräche ermöglichen, die vielleicht sonst nicht zustande kämen.

Jeder von uns hat mal einen Menschen in der geselligen Menge gesehen oder war selbst einer, der einfach nur da steht: Arme verschränkt und bewegungslos. Bekannt dafür sind Männer in Discotheken. Aber auch Frauen verharren in ähnlicher Haltung. Uns Männern fällt das bei attraktiven Frauen auf;-)

Mein Körper spricht mit Händen

Einen „uncoolen Typen“ habe ich mal im GOPARC! beobachtet.

Während die coolen Jungs die attraktive Frau beobachteten und sonst nichts unternahmen, ging ein Durchschnittstyp auf sie einfach zu und fing ganz locker an, mit ihr zu reden als sei es das natürlichste auf der Welt.

Sie stand mit verschränkten Armen und unbeweglicher Miene vor ihm. Er ließ sich davon nicht beirren, immerhin hatte sie ihn nicht sofort abgewiesen, sondern hörte ihm zu. Seine Art zu sprechen und zu bewegen, zeigte, wie aufgeschlossen und unbefangen er war. Er war unaufdringlich (kam ihr nicht zu nahe!), nicht aggressiv, wirkte nicht, als halte er sich für den coolsten oder müsse etwas beweisen etc. Er bewegte auffällig seine Arme und Hände beim Reden. Seine Hände sind immer oben und in Bewegung. Seine Gesten wirkten dadurch lebendig, besonders in Kontrast zu den „Stehern“.

Allmählich begann auch die attraktive Frau ihre verschränkten Arme zu lösen und sich zu öffnen. Ich konnte sehen, wie sie plötzlich lächelte. Er hatte nicht nur die richtigen Worte gefunden, sondern auch bewusst oder unbewusst auf die verschlossene Haltung der Frau mit entgegengesetzten Signalen geantwortet, denn er war richtig in Bewegung. Während ich – wie alle anderen – noch überrascht über diese Wendung ungläubig nachdachte, gingen sie an die Bar. Damit war sie aus dem Blickfeld.

Was steckt dahinter

Hinter dem Ganzen steckt die Idee, dass sich Menschen öffnen und austauschen möchten. Damit dies gelingt, müssen sie sich wohl fühlen, locker sein und das Um-Sich-Herum vergessen.

Niemand möchte regungslos und in gleicher Position bleiben, da es auf Dauer ziemlich unangenehm wird, vor allem, wenn man sich dabei beobachtet fühlt.

Eine andere Person kann dann durch ihre Art helfen, sie aus dieser Position herauszulösen. Dabei stimmt sie gewissermaßen in den Rhythmus des anderen ein, und die Dynamik der Begegnung nimmt zu. Die Bewegung führt dann zu einer Lockerung und Entspannung. Die Person beginnt im Idealfall, sich wohl zu fühlen und das Drumherum zu vergessen oder weniger zu beachten. Einer äußeren Öffnung folgt zumeist die Innere.

Das Gespräch gewinnt an Fahrt und Qualität. Ein gutes Gespräch zeichnet sich hierbei durch wirkliches Interesse aus. Wer sich interessiert, fragt viel, um viel von seinem Gegenüber zu erfahren. Zugleicht gibt er genug von sich preis, denn es soll ja kein einseitiges Verhör sein…

Sterne an Himmel

Treffer! Klitschkos Gegner geht zehn Sekunden vor Schluss zu Boden. Klitschkos Art, mit seinen Händen zu kommunizieren, ist einfach umwerfend!

Die Tür der Bar steht offen. Ich kann sie telefonieren sehen. Sie wirkt gut gelaunt, nicht mehr überheblich oder unnahbar…

9 Gedanken zu “Schöne Frauen und der versteckte Kampf

  1. Ist es auch. Was glaubst du was mir auffällt wenn ich fort gehe. 😁
    Ich beobachte halt das andere Geschlecht und finde diverses Balzverhalten sehr interessant. besonders am Eislaufplatz.
    Falls du mal Stoff für einen Artikel brauchst,… begib dich dorthin vielleicht beobachte ich dich dann 😂
    Und ja ich mag deinen Schreibstil.

  2. Naja ist es eins? Da bin ich mir grad selbst nicht sicher.
    Auf jeden Fall weiß man von den Anstarrern halt, daß sie einen Anstarren.
    Die Heimlichen, kurz Hinseher und trotzdem alles Mitbekommer, find ich richtig schlimm. 😜

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